Maduros Nachfolgerin Delcy Rodríguez, die "Tigerin"

Maduros Nachfolgerin Delcy Rodríguez, die "Tigerin"
Die Tochter eines linksgerichteten Guerillakämpfers und einzige Frau in Maduros Regierung stieg zur Interimspräsidentin auf. Wer ist sie?

Delcy Rodríguez war das erste Regierungsmitglied, das sich kurz nach der US-Entführung von Präsident Nicolás Maduro im venezolanischen Staatsfernsehen zu Wort meldete. Die Vizepräsidentin forderte ein Lebenszeichen Maduros von Donald Trump, und forderte die Bevölkerung in einer Audionachricht auf, auf die Straße zu gehen: "Fuera a la calle!"

Wenige Stunden später stand sie flankiert von ihrem Bruder, Innenminister Diosdado Cabello und Verteidigungsminister Wladimir Padrino Lopez und Militärs, soeben vom Obersten Gerichtshof zur Interimspräsidentin ernannt. "Es gibt nur einen Präsidenten in diesem Land, und er heißt Nicolas Máduro Moros“, sagte sie.

Delcy Rodríguez.

Delcy Rodríguez.

Rodríguez rückte nun an die Spitze der Regierung. Die 56-jährige Politikerin gilt als stabile Stütze des Systems Maduro und steht für eine Weiterführung des "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" von Hugo Chavez. Trump, der am Samstagabend MEZ erklärt hatte, dass die USA vorübergehend die Macht in Venezuela übernehmen wollten, sagte, Rodriguez sei zu einer Zusammenarbeit bereit. Ihre Äußerungen lassen anderes vermuten.

Die "Tigerin"

Rodríguez ist die Tochter des linksgerichteten Guerillakämpfers Jorge Antonio Rodríguez. Dieser gründete in den 1970er-Jahren die revolutionäre Partei Liga Socialista. Máduro bezeichnete Rodriguez, die als Liebhaberin von Designermode gilt, wegen ihrer unnachgiebigen Verteidigung seiner sozialistischen Regierung als "Tigerin".

Ihr engster Verbündeter: ihr Bruder Jorge Rodríguez, Präsident der Nationalversammlung.

Rodríguez ist selbst Finanz- und Ölministerin. Dies macht sie zu einer Schlüsselfigur in der venezolanischen Wirtschaftspolitik und verschafft ihr großen Einfluss auf den geschwächten Privatsektor des Landes. Mit orthodoxen wirtschaftspolitischen Maßnahmen versucht sie, ⁠die Hyperinflation zu bekämpfen. Die Juristin ist Absolventin der Universidad Central de Venezuela. Sie stieg im vergangenen Jahrzehnt politisch schnell auf und war von 2013 bis 2014 Kommunikations- und Informationsministerin.

Von 2014 bis 2017 war sie Außenministerin. In dieser Zeit versuchte sie, sich nach dem Ausschluss Venezuelas aus dem Handelsblock Mercosur gewaltsam Zutritt zu einem Gipfeltreffen in Buenos Aires zu verschaffen. 2017 leitete sie die regierungstreue Verfassungsgebende Versammlung, die Maduros Machtbefugnisse erweiterte. ⁠2018 wurde sie zur Vizepräsidentin ernannt. Maduro beschrieb sie bei der Bekanntgabe auf der Plattform X als "eine junge, mutige, erfahrene Frau, Tochter eines Märtyrers, Revolutionärin und in tausend Schlachten erprobt".

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 Innenminister Diosdado Cabello und Verteidigungsminister Wladimir Padrino Lopez.

Gefährliches Militär

Fakt ist, dass Máduro die entscheidenden Machtpole, nämlich Militär und sozialistische Regierungspartei, bis zuletzt zusammenhalten konnte hat. Offen ist, ob Rodriguez das auch kann. 

Wer könnte Rodriguez gefährlich werden? Verteidigungsminister López gilt als wichtiger Akteur im venezolanischen Machtgefüge. Neben dem Militär kontrolliert der 62-Jährige auch Schlüsselbereiche der Wirtschaft und Verwaltung, darunter Häfen, die Lebensmittelverteilung und staatliche Programme. Damit ist er nicht nur Garant für die Loyalität der Armee, sondern ein entscheidender Pfeiler der Stabilität der Regierung.

Unter Maduro wurde er zum starken Mann des Militärs, ohne das in Venezuela kein Präsident regieren kann. Auch Vizepräsidentin Rodríguez braucht den Rückhalt. Beobachter halten es daher für möglich, dass Padrino als Königsmacher das letzte Wort haben und etwa Innenminister Diosdado Cabello oder sich selbst an die Spitze einer Übergangsregierung setzen könnte. Ohne seine Zustimmung ist ein Machtwechsel in Venezuela praktisch ausgeschlossen.

Mária Machado und Edmundo González.

Mária Machado und Edmundo González.

Opposition

In der Opposition fiel bereits wiederholt der Name von Edmundo González: Die USA, aber auch die EU und mehrere lateinamerikanische Staaten sehen den inzwischen im spanischen Exil lebenden González als eigentlich gewählten Präsidenten Venezuelas seit den Wahlen 2024 an. Der 76-Jährige gilt aber als politischer Außenseiter ohne eigene Machtbasis. Der frühere Diplomat trat erst an, nachdem Oppositionsführerin María Corina Machado ausgeschlossen worden war. González wurde als moderater Kandidat positioniert, der für einen Übergang stehen soll und international als akzeptabel gilt Er hat jedoch weder Einfluss auf staatliche Institutionen noch auf Militär und Sicherheitsapparate.

Die Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado lebte über ein Jahr im Untergrund. Wo sie sich derzeit aufhält, ist unbekannt; Ob sie sich in Venezuela gegen Militär und Justiz durchsetzen könnte, unklar. In Kritik steht ihre Nähe zu Trump: Den internationalen Druck auf Maduro und dessen Einnahmequellen begrüßte sie ausdrücklich. Doch Trump setzt wenig Hoffnung in sie: Bei der Pressekonferenz in Mar-a-Lago sagte er, ihr fehle die Unterstützung und Respekt im Land.

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