Atomgespräche zwischen USA und Iran beendet: Jetzt wird Wien zum Schauplatz

Die dritte Runde der Atomverhandlungen in Genf ist beendet. Es soll "bedeutende Fortschritte" geben. Nun sind Gespräche in Österreich geplant.
Die Flaggen der USA und des Iran sind nebeneinander dargestellt.

Der Iran und die USA haben ihre dritte Runde der Atomverhandlungen am Donnerstag in Genf beendet. Omans Außenminister Badr al-Bussaidi sprach danach auf X von "bedeutenden Fortschritten" in den Verhandlungen. "Wir werden bald nach Konsultationen in den jeweiligen Hauptstädten wieder zusammenkommen", fügte er hinzu. Nächste Woche seien in Wien Gespräche auf technischer Ebene geplant. Falls diese stattfinden, dürften Details eines möglichen Deals ausgehandelt werden.

Bei den Verhandlungen geht es unter anderem um das umstrittene iranische Atomprogramm. Die USA wollen verhindern, dass die Führung in Teheran Atomwaffen entwickelt. Irans Regierung bestreitet entsprechende Absichten, zeigt sich jedoch bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen. Im Gegenzug fordert Teheran die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen. Am Mittwoch übermittelte der Iran einen ersten Entwurf für ein neues Abkommen - Details des Entwurfs wurden nicht bekannt.

Oman spricht von konstruktiver Stimmung

Auch der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, ist in die Gespräche involviert. Bilder iranischer Medien zeigten ihn am Donnerstag in der Früh bei einem Treffen mit Omans Außenminister.

Al-Bussaidi traf sich vor den Gesprächen mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff sowie Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Sie hätten "Perspektiven und Vorschläge der iranischen Seite" und Antworten der US-Seite dazu besprochen, teilte das omanische Außenministerium mit. Al-Bussaidi sagte demnach, die Gesprächspartner seien "entschlossen" und die Stimmung sei "konstruktiv". Der Oman sei dabei "auf beispiellose Weise offen für neue und kreative Ideen und Lösungen".

Über andere von den USA eingebrachte Themen will die Islamische Republik Iran nicht sprechen - darunter eine Begrenzung ihres Raketenarsenals oder ein Ende der Unterstützung militanter Gruppen wie der Hisbollah im Libanon.

Trump hatte Ultimatum gestellt

Vor rund einer Woche setzte der US-Präsident der Führung in Teheran ein Ultimatum bis Anfang März. "Entweder wir erzielen eine Einigung oder es wird für sie bedauerlich", sagte er. Im Raum steht, dass Trump zu einem militärischen Angriff auf die Führung in Teheran und ihren Machtapparat ausholt.

Die USA haben ihre Militärpräsenz in der Region zuletzt stark ausgebaut. Dem "Wall Street Journal" zufolge ist es der größte Aufmarsch von US-Luftstreitkräften in der Region seit dem Irak-Krieg 2003. Am Donnerstag lief der größte Flugzeugträger der US-Marine, die USS Gerald R. Ford, vor der griechischen Insel Kreta aus. Er dürfte die US-Flotte im Nahen Osten verstärken.

Anfang Februar hatten beide Staaten überraschend neue Verhandlungen aufgenommen. Zuvor hatte Trump der iranischen Führung wegen ihres brutalen Vorgehens gegen Massenproteste gedroht. Viele Menschen im Iran sehen die Gespräche ihrer Regierung mit den USA daher kritisch. Sie fordern einen Machtwechsel und fürchten, ein Deal könne der Regierung den Rücken stärken.

Die zentralen Streitpunkte

Irans Regierung verfolgt mit ihrem Atomprogramm eigenen Angaben zufolge nur zivile Ziele. Sie verweist auf einen religiösen Erlass von Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei, der den Bau und Einsatz von Massenvernichtungswaffen wie Atombomben untersagt. Kritiker zeigen sich jedoch besorgt darüber, dass der Iran in den vergangenen Jahren Uran auf einen Reinheitsgrad von 60 Prozent angereichert hat.

Westlichen Angaben zufolge ist die Islamische Republik weltweit der einzige Staat ohne eigene Atombomben, der über derart hoch angereichertes Uran verfügt. Für den Bau von Atomwaffen wäre eine weitere Anreicherung auf gut 90 Prozent erforderlich.

Auch IAEA-Chef Grossi hatte sich in der Vergangenheit kritisch über Irans Atomprogramm geäußert und besseren Zugang zu dem Land gefordert. In einem Interview mit dem Sender CNN nannte er zentrale Streitpunkte: den Umgang mit dem im Land verbliebenen hoch angereicherten Uran, von dem mehr als 400 Kilogramm vorhanden sein sollen; zudem gehe es um die Zukunft der zentralen Atomanlagen, die im vergangenen Jahr bereits bombardiert worden waren, sowie um künftige nukleare Aktivitäten im Iran, die streng von der IAEA überwacht werden sollen.

Trump hatte früheres Atomabkommen mit Iran aufgekündigt

2015 hatte sich der Iran schon einmal zur Beschränkung seines Atomprogramms verpflichtet. Im Gegenzug sollten Sanktionen aufgehoben werden. Trump war der Wiener Atomvertrag, der unter seinem Vorgänger Barack Obama ausgehandelt worden war, stets ein Dorn im Auge. 2018 - während seiner ersten Amtszeit - kündigte er die Vereinbarung einseitig auf. Zugleich ließ er neue und härtere Sanktionen gegen den Iran verhängen. In der Folge hielt sich auch die iranische Führung nicht mehr an die Auflagen.

Krieg im vergangenen Jahr hat Vertrauen zerstört

Im Sommer 2025 führte Israel Krieg gegen den Iran und bombardierte Ziele im ganzen Land. Irans Luftstreitkräfte feuerten daraufhin ballistische Raketen auf Israel. In beiden Ländern gerieten auch zivile Gebiete unter Beschuss.

Die USA griffen gut eine Woche später in den Krieg ein. Ziel des Militäreinsatzes namens "Mitternachtshammer" waren die Anreicherungsanlagen in Natanz und Fordo sowie eine Atomeinrichtung in Isfahan. Trump sprach damals von einer völligen Zerstörung der Anlagen.

Der Krieg begann damals überraschend nur einen Tag vor der sechsten geplanten Verhandlungsrunde zwischen dem Iran und den USA. Er erschütterte das Vertrauen der iranischen Führung in Gespräche mit Washington einmal mehr.

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