Politik | Ausland
26.07.2018

USA drohen Türkei im Fall von Pastor Sanktionen an

Protestantischer Geistlicher Brunson wegen Terrorverdachts unter Hausarrest. Ankara weist US-Drohungen zurück.

US-Präsident Donald Trump hat der Türkei mit "umfassenden Sanktionen" wegen des Falls des dort unter Terror- und Spionageverdachts stehenden Pastors Andrew Brunson gedroht. "Dieser unschuldige Mann des Glaubens muss unverzüglich freigelassen werden", forderte Trump am Donnerstag über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu wies die Drohung scharf zurück.

Die Türkei lasse sich von niemandem etwas "diktieren", erklärte Cavusoglu. Die türkische Justiz sei unabhängig. "Die Herrschaft des Rechts gilt für jeden; keine Ausnahmen", schrieb der Außenminister auf Twitter. Seine Regierung werde "niemals Drohungen von irgendjemandem hinnehmen".

Allerdings hatte der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan den Vorwurf, Brunson sei eine "Geisel", selbst genährt. Im vergangenen Jahr stellte er eine Freilassung Brunsons in Aussicht, sollten die USA Fethullah Gülen ausliefern. Erdogan betrachtet den islamischen Prediger als seinen Erzfeind und macht ihn für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich.

Das schwer angespannte Verhältnis zwischen Washington und Ankara könnte sich also durch den Fall des US-Geistlichen, dem eine jahrzehntelange Haftstrafe droht, dramatisch weiter verschlechtern. Der 50-Jährige war zwar am Mittwoch nach fast zwei Jahren Untersuchungshaft überraschend aus einem türkischen Gefängnis entlassen worden, er wurde aber unter Hausarrest gestellt.

US-Außenminister Mike Pompeo kritisierte dies bereits am Mittwoch als "nicht ausreichend". Trump legte nun nach. Er prangerte an, dass der Pastor "stark leidet". Auch pries er Brunson als "großartigen Christen" und "wunderbaren Menschen".

Die türkischen Behörden beschuldigen den protestantischen Pastor, für die Bewegung des in den USA lebenden islamischen Predigers Gülen sowie die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gearbeitet zu haben. Er weist alle Vorwürfe zurück. Ein Gericht im westtürkischen Izmir hatte zusätzlich zum Hausarrest eine Ausreisesperre gegen Brunson verhängt. Sein Prozess soll am 12. Oktober fortgesetzt werden, ihm droht eine Haftstrafe von bis zu 35 Jahren.