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Politik Ausland
11/12/2019

US-Politberater sagt krachende Niederlage für Trump voraus

"Millennials hassen ihn", "Frauen hassen den Kerl": US-Politikberater Sweitzer räumt Trump nur wenige Chancen bei der Präsidenten-Wahl ein.

Der renommierte US-Politikberater Doc Sweitzer sagte US-Präsident Donald Trump bei den kommenden Wahlen eine krachende Niederlage voraus. "Trump hat seit der letzten Präsidentschaftswahl keine einzige neue Stimme dazugewonnen", sagte er am Montag bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Konferenz der Internationalen Politikberatervereinigung (IAPC) in Wien.

Für den seit 35 Jahren aktiven Politikberater, der über 600 Wahlkampagnen begleitete, hat Trump mehrere große Probleme: "Millenials, die mehrheitlich keine Trump-Wähler sind, stellen 2020 mit 36 Prozent so viele Wähler, wie die Babyboomer-Generation", hielt er fest. "Millennials hassen ihn", unterstrich er. Für diese Generation sei auch der Klimawandel wichtig, den Trump nach wie vor leugnet.

Laut Sweitzer steige auch die Zahl der Wählerinnen. Besonders für unverheiratete Frauen und Frauen mit Hochschulabschluss sei Trump unwählbar. "Trump repräsentiert jeden Ex-Mann, oder Ex-Freund, den sie je hatten - Frauen hassen den Kerl", sagte der Berater, der besonders für demokratische Kandidaten arbeitete. "Sie würden sechs Monate lang anstehen, um an der Wahl teilzunehmen", ist er überzeugt.

Auf der anderen Seite habe Trump viele republikanische Wähler vergrault, da die angekündigten finanziellen Entlastungen nicht umgesetzt worden seien. "Rund 3.000 Milchbauern haben in seiner Amtszeit allein im Bundesstaat Wisconsin ihr Geschäft verloren", berichtete Sweitzer. "Viele Republikaner werden nicht wählen gehen", sagte er.

"Joe Biden funktioniert nicht wirklich"

"Jedes Jahr gibt es vier Millionen neue Wähler in den USA, viele von ihnen sind nicht weiß. Das ist für Trump nicht gut", fuhr Sweitzer fort. Die Republikaner seien derart verzweifelt, dass sie sogar die Amish mobilisieren wollen, die aus religiösen Gründen auf dem Technologiestand der 1860er Jahren leben. "Trumps Politik wendet sich auch an Menschen aus den 1860er-Jahren", sagte der Berater.

Der republikanische Berater Matt Klink verwies jedoch darauf, dass die Demokraten bereits 2016 sehr siegessicher gewesen seien. "Docs Vorhersage macht am Papier Sinn, aber das muss nichts heißen", sagte er. Die Demokraten hätten das Problem, welchen Kandidaten sie aufstellen sollten. "Joe Biden funktioniert nicht wirklich, er ist aber noch immer der bessere Kandidat als Elisabeth Warren, da er zumindest mit den Arbeitern sprechen kann", analysierte er. "Warren ist Harvard-Professorin, sie hat die ganze Zeit mit Leuten wie Trump zu tun gehabt, sie wird ihn zermahlen und ausspucken", entgegnete Sweitzer.

"Hillary Clinton hat die schlechteste Kampagne gemacht, weil sie das Wahlkollegium nicht berücksichtigt hat", sagte Sweitzer. So habe sie zwar die meisten Stimmen erhalten, jedoch nicht die meisten Wahlmänner. Diesen Fehler werde man 2020 nicht machen. Stattdessen werde sich die Kampagne der Demokraten auf die Korruptionsaffären in Trumps Umfeld konzentrieren. "Die Menschen haben ihn gewählt, um den Sumpf trockenzulegen, doch jetzt gibt es den größten Sumpf seit ich mich erinnern kann", sagte er. "Wir werden Milliarden dafür ausgeben, die Korruption im Wahlkampf offen zu legen", kündigte er an.

"Unabhängig von ihrer politischen Position haben die Nachrichten Trump noch immer nicht verstanden", gab Klink zu bedenken. "Er übernimmt jede Diskussion. Es mag blöd sein, aber er hat die Aufmerksamkeit", erläuterte er. Trump werde die "robusteste Wahlbeiteilungs-Operation in der Geschichte der USA" starten. "Vergessen sie nicht, dass seit 1900 jeder Präsident wiedergewählt wurde, solange es keine Rezession gab", erinnerte Klink.