Selenskij warnt vor Putins großer Mobilisierung und legt neuen Friedensplan vor
Zusammenfassung
- Selenskyj wirft Putin unter Berufung auf Geheimdienstinformationen vor, nach der russischen Parlamentswahl im September eine große Mobilisierung von mehreren Hunderttausend Soldaten vorzubereiten.
- Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist nicht möglich, allerdings wird eine neue Mobilisierungswelle auch mit Blick auf die Einziehung von rund 300.000 Männern im Herbst 2022 diskutiert.
- Die Ukraine hat den USA laut Selenskyj Vorschläge für ein Kriegsende übergeben und setzt dabei auf stärkere Flugabwehr sowie mehr Druck auf Moskau.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij hat Kremlchef Wladimir Putin erneut vorgeworfen, eine groß angelegte Mobilisierung zu planen. Die massenhafte Rekrutierung von Soldaten werde für den Herbst vorbereitet, gleich nach der Parlamentswahl im September, sagte Selenskij am Dienstag in seiner abendlichen Videobotschaft und berief sich auf Geheimdienstinformationen und russische Dokumente.
Bis zum Jahresende gehe es um mehrere Hunderttausend Russen und noch einmal ungefähr so viele für das nächste Jahr, behauptete er. Putin wolle den Anschein erwecken, dass die Russen den Krieg gegen sein Land angeblich unterstützen. Russland war vor mehr als vier Jahren in die Ukraine einmarschiert.
Russische Parlamentswahl im September
Die landesweite Parlamentswahl ist in Russland vom 18. bis 20. September angesetzt. Erst am Vortag war mit der liberalen Oppositionspartei Jabloko die einzige Partei ausgeschlossen worden, die den russischen Angriffskrieg offen ablehnt.
Wolodymyr Selenskijs Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen. Auch in der Vergangenheit hatte Kiew Moskau mehrfach vorgehalten, eine weitere Mobilisierung vorzubereiten, ohne dass es dazu kam. Die Frage, ob es in diesem Herbst zu einer neuen Mobilisierungswelle kommt, wird aber auch von Beobachtern viel diskutiert. Bei der großen Mobilisierungswelle im Herbst 2022 waren rund 300.000 Männer eingezogen worden.
Ukraine übergab USA Vorschläge für Kriegsende
Die Ukraine hat US-Unterhändlern nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskij Vorschläge zur Beendigung des mehr als vierjährigen Krieges mit Russland übergeben. „Wir haben der amerikanischen Seite unsere Vorschläge übermittelt“, sagte Selenskij in der Videobotschaft. Die USA könnten helfen, die ukrainische Verteidigung vor allem durch Flugabwehr zu stärken und Druck auf Russland auszuüben. Ziel sei es, dass sich Moskau auf ein Ende des Krieges vorbereite, anstatt ihn in die Länge zu ziehen.
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