Warum die Aussichten für die Ukraine immer düsterer werden
Mehr als 300 Kriegsgefangene wurden ausgetauscht.
Es waren die bislang substanziellsten Gespräche zwischen ukrainischen und russischen Delegationen seit Monaten. Ein Durchbruch blieb bei den US-geführten Verhandlungen in Abu Dhabi zwar aus – greifbar war vor allem ein Gefangenenaustausch: Je 157 Kriegsgefangene kehrten auf beiden Seiten zurück.
Für Washington ist das Format zugleich ein Sicherheitsinstrument: Im Umfeld der Treffen vereinbarten die USA und Russland, den eingefrorenen militärischen Spitzendialog wieder aufzunehmen – laut US-Militär vor allem, um das Risiko von Fehlkalkulationen und Eskalation zu senken.
Inhaltlich blieb der Knackpunkt derselbe wie in der ersten Abu-Dhabi-Runde Ende Jänner: Territorium. Moskau beharrt auf weitreichenden Forderungen im Donbass, Kiew lehnt Gebietsabtretungen ab und drängt höchstens auf einen Waffenstillstand entlang der aktuellen Front. Für das mögliche Szenario einer entmilitarisierten Pufferzone im ukrainischen „Rest-Donbass“ würde die Ukraine stabile Sicherheitsgarantien benötigen, die sie bisher nicht zu haben scheint. Bereits Ende Jänner endeten zwei Verhandlungstage ohne sichtbare Annäherung, obwohl beide Seiten weitere Treffen in Aussicht stellten.
Während wohl über ein Folgetreffen verhandelt wird, bombardiert Russland weiter die kritische Infrastruktur der Ukraine – in einer Intensität, wie es sie zuvor nicht gab.
Massive Stromausfälle
Mehr als 1.000 Hochhäuser in Kiew sind ohne Heizung, viele Kraftwerke und vor allem viele Stromverteiler sind so stark beschädigt, dass sie erst nach einem Ende des Krieges repariert werden können.
Vor allem die russischen Drohnenangriffe machen der Ukraine zu schaffen, aber auch bei Angriffen mit Raketen und Marschflugkörpern ist die ukrainische Flugabwehr mittlerweile heillos überfordert. Lieferungen von Patriot-Flugabwehrraketen werden immer weniger und liegen im unteren, zweistelligen Bereich, während Russland immer mehr Shahed-Drohnen produziert und gegen die kritische Infrastruktur einsetzt. 2025 war laut UN das tödlichste Jahr für Zivilisten seit Kriegsbeginn 2022 – 2.514 Tote und 12.142 Verletzte wurden verifiziert.
Und Russland dürfte mit diesen Schlägen nicht aufhören – im Gegenteil: Es sieht nicht danach aus als würde US-Präsident Donald Trump die Handbremse in puncto Unterstützung für die Ukraine so rasch lösen. Und die „Koalition der Willigen“ kann die mangelnden Lieferungen der USA nicht kompensieren. Das Selbstbewusstsein des Kremls ist groß und es gibt derzeit wenig Gründe, die das ändern könnten. Am Dienstag sprach etwa ein französischer Top-Diplomat mit russischen Vertretern in Moskau.
Dazu kommt, dass die russischen Streitkräfte weiterhin die Initiative an der Front innehaben und zum Beispiel östlich der Stadt Kramatorsk immer weiter vorrücken. Zwar sind ihre Verluste hoch, jedoch haben vor allem die ukrainischen Streitkräfte große Probleme, neue Soldaten zu finden.
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