Ukraine konnte russische Offensive vereiteln und Gebiete rückerobern
Zusammenfassung
- Ukrainischer Präsident Selenskij meldet Vereitelung einer russischen Offensive im März, trotz anhaltender Angriffe und Soldatenmangel.
- Unabhängige Experten berichten, dass Russlands Vormarsch ins Stocken geraten ist und die Ukraine an einigen Frontabschnitten, besonders bei Saporischja, Gebiete zurückerobern konnte.
- Kommunikationsprobleme der russischen Armee, insbesondere durch den Ausfall von Starlink, verschaffen der Ukraine Vorteile bei Gegenangriffen.
Der Ukraine ist es nach Angaben ihres Präsidenten Wolodymyr Selenskij gelungen, eine für den März geplante strategische Offensive des russischen Militärs zu vereiteln. "Und auch wenn die Attacken stetig sind und die Sturmversuche anhalten, ist ihre Intensität und der Maßstab der Auseinandersetzung nicht so groß, wie die Russen das geplant und ihre Kommandeure das der politischen Führung versprochen haben", sagte Selenskij in seiner abendlichen Videoansprache am Montag.
Selenskij bedankte sich in dem Zusammenhang bei den Einheiten verschiedener Frontabschnitte für ihre Zähigkeit und ihren Durchhaltewillen.
Ukraine konnte Gebiete zurückerobern
Nach Angaben unabhängiger Militärexperten ist der Vormarsch der russischen Truppen zuletzt ins Stocken geraten. Im vergangenen Jahr etwa konnte Russland gerade einmal 0,8 Prozent des ukrainischen Territoriums erobern, sagt Christina Howard vom Thinktank Institute for the Study of War gegenüber dem Ö1-Morgenjournal: "Der Kampf um den Donbass wird Russland noch viel Zeit, Energie, Personal und Material kosten." Moskau könne nach Einschätzungen die Oblast Donetsk nicht vor August 2027 unter seine Kontrolle bringen.
An einigen Frontabschnitten, speziell im Süden des Landes, konnten die Ukrainer demnach bei Gegenangriffen sogar Territorium zurückerobern, etwa in der Region um Saporischja. Das liegt laut Marina Mirren vom Londoner Kings College daran, dass Russlands Armee vom Satellitennetzwerk Starlink abgeschnitten wurde. "Um Drohnen effektiv einsetzen zu können und die Kommunikation zwischen verschiedenen Einheiten sicherzustellen, braucht man gesicherte Funkverbindungen, im Idealfall abhörsicher. Wer nicht kommunizieren kann, hat trotz modernster Technologie einen gewaltigen Nachteil auf dem Schlachtfeld", so die Militäranalystin gegenüber dem ORF.
Keine klare Frontlinie
Wie man sich die Gebietseroberungen vorstellen kann, erklärt Militärexperte Oberst Markus Reisner vom Bundesheer. In der Ukraine gebe es keine durchlaufende Frontlinie, sondern vielmehr eine Art "Grauzone". "Das heißt, man muss sich eine gedachte Mittellinie vorstellen und links und rechts davon bis zu 20 Kilometer, die von Drohnen beherrscht werden. Das heißt, wir haben hier nur kleine Stützpunkte, kleine Trupps von Soldaten, die in der Kommunikation aufgrund der großen Distanzen zum Teil aus Satellitenkommunikation zurückgreifen müssen."
Und hier würde es sowohl der russischen, wie auch ukrainischen Seite immer wieder gelingen, diese kleinen Stützpunkte zu erobern bzw. den Gegner zurückzudrängen. So komme es laut Reisner in kurzer Zeit zu relativ großen Gebietsgewinnen.
Hinzu kam bei Saporischja noch, "dass die Russen eigentlich eine offensive Richtung Westen vorgetragen haben und sich quasi an der nördlichen Flanke ausgedünnt haben. Das haben die Ukrainer genützt. Und darum haben wir jetzt dieses Ergebnis gesehen, das aus meiner Sicht absolut bemerkenswert ist."
Kommentare