Turin: 31 Polizisten bei Ausschreitungen bei Demonstration verletzt

Vermummte Personen werfen Gegenstände auf einer Straße mit Rauch und Trümmern im Hintergrund.
50.000 Menschen beteiligten sich laut Organisatoren an Demonstrationen für geräumtes linkes Kulturzentrum. Ministerpräsidentin Meloni besuchte verletzte Polizisten im Krankenhaus.

Bei schweren Ausschreitungen rund um eine Demonstration für das im Dezember geräumte linke Kulturzentrums Askatasuna in Turin sind am Samstagabend 31 Polizisten verletzt worden. Zehn Menschen wurden demnach festgenommen. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni beklagte "gewalttätige Angriffen mit dem Ziel, den Staat und seine Vertreter zu treffen".

Die Proteste richteten sich gegen die Räumung des Kulturzentrums Askatasuna, über Jahrzehnte hinweg ein Treffpunkt der linken Szene von Turin, kurz vor Weihnachten. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich rund 50.000 Menschen an mehreren Demonstrationszügen, die vom Stadtzentrum sowie von den Bahnhöfen Porta Nuova und Porta Susa ausgingen und sich später vereinigten. Laut Polizei waren 15.000 Personen an der Demonstration beteiligt.

Demonstranten warfen Steine auf die Einsatzkräfte

Am Rande des Protestes kam es zu teils gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Gruppen von Anarchisten und den Sicherheitskräften, insbesondere in der Nähe des früher besetzten Zentrums Askatasuna. Demonstranten warfen nach Polizeiangaben Steine, Feuerwerkskörper, Molotowcocktails und andere Gegenstände auf die Einsatzkräfte und errichteten Barrikaden aus Müllcontainern und Einkaufswagen. Mehrere Brände wurden gelegt, darunter an einem Polizeifahrzeug, das in Flammen aufging. Die Beamten setzten Tränengas und Wasserwerfer ein.

Italiens Innenminister Matteo Piantedosi bezeichnete die vermummten Demonstranten, die gegen die Polizisten losgingen, als "eine Gefahr für die Demokratie" und warf Linksparteien vor, gewaltbereite Gruppen zu unterstützen. Bilder, zeigten, wie ein Polizist von Demonstranten umringt und mit Stangen und einem Hammer attackiert wird. Staatspräsident Sergio Mattarella rief Piantedosi an, um seine Solidarität mit dem verletzten Beamten auszudrücken.

Nach Angaben von Alberto Cirio, Präsident der Region Piemont, zu der Turin gehört, befindet sich der angegriffene Polizist außer Lebensgefahr. Cirio besuchte gemeinsam mit Regierungsvertretern das Krankenhaus Molinette in Turin, wo die Verletzten versorgt wurden.

Die Regierungsparteien machten die Linke für eine politische Legitimierung der Gewalt verantwortlich und bekräftigten ihre Forderung nach einem verschärften Sicherheitspaket mit Maßnahmen gegen Gewalt gegen die Sicherheitskräfte. Innenminister Piantedosi kündigte an, entsprechende Maßnahmen in der kommenden Woche vorzustellen.

Die Vorsitzende der oppositionellen Demokratischen Partei (PD), Elly Schlein, verurteilte die Gewalt scharf und erklärte ihre Solidarität mit den Sicherheitskräften. Die Angreifer müssten schnell identifiziert und zur Verantwortung gezogen werden, sagte sie.

Meloni besuchte verletzte Polizisten im Krankenhaus

Ministerpräsidentin Meloni besuchte am Sonntag die verletzten Polizisten im Krankenhaus. Einer der Polizisten, ein 29 Jahre alter Beamter aus Pescara, war während der Ausschreitungen von Demonstranten umringt und mit Stangen und einem Hammer attackiert worden. Er erlitt mehrere Verletzungen, darunter eine tiefe Wunde am Bein. Ein weiterer Beamter wurde verletzt, als er versuchte, seinen Kollegen mit einem Schutzschild aus der Situation zu ziehen. Beide befinden sich weiterhin in stationärer Behandlung.

In sozialen Netzwerken beklagte Meloni das Werk "organisierter krimineller Gruppen". Wer mit Hämmern, Molotowcocktails und Sprengsätzen auf Einsatzkräfte losgehe, sei kein Demonstrant, sondern ein Krimineller. Zugleich forderte sie die Justiz auf, die Vorfälle ohne Zögern entsprechend zu bewerten. Die Ministerpräsidentin kündigte zudem eine kurzfristige Regierungssitzung an, um über die jüngsten Bedrohungen der öffentlichen Ordnung zu beraten und mögliche Verschärfungen im geplanten Sicherheitspaket zu prüfen.

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