Riskanter Glaubenskrieg: Trump legt sich mit der katholischen Kirche an
Am Ende griff sogar Donald Trump selbst zu einer Ausrede. Er habe sich eigentlich als Arzt darstellen wollen, meinte der US-Präsident über das KI-erzeugte Bild, das er auf seinem sozialen Medium "Truth Social" gepostet hatte, als Sanitäter, der den Menschen hilft. Es war eine hörbar hanebüchene Erklärung, die Trump da abzuliefern versuchte. Schließlich zeigte das Bild ihn selbst eindeutig als Messias, der umgeben von einem himmlischen Strahlenkranz einen Menschen segnet, umgeben von jeder Menge religiöser, aber auch patriotischer Symbolik.
Kurz darauf war das Bild verschwunden, die Debatte, die bereits heftig hochgekocht war, blieb. Man dürfe Gott nicht verspotten, ereiferten sich eigentlich Trump-treue rechtskonservative Kommentatoren, andere forderten ihn offen auf, das Bild sofort zu entfernen. Vizepräsident J.D.Vance, der sich konsequent als tiefgläubiger Katholik präsentiert und erst vor einigen Jahren zur römischen Kirche übergetreten ist, hatte in einem Interview in Fox News ordentlich Mühe, Trumps Jesusbildchen zu rechtfertigen. Das sei einfach ein "Witz" des Präsidenten gewesen, die Leute hätten einfach seinen Humor nicht verstanden.
Seit Wochen schwelt der Streit
Zum Lachen aber ist offensichtlich nur wenigen zumute, in einem offenen Konflikt zwischen Washington und dem Vatikan, der sich seit Wochen immer dramatischer zuspitzt. Im Mai 2025 war der US-Kardinal Robert Prevost zum Papst gewählt worden. Schon zuvor aber hatte sich der führende US-Vertreter der katholischen Kirche in den USA klar gegen Trump positioniert, damals vor allem gegen dessen radikale Einwanderungs- und Abschiebepolitik.
Auch der Katholik Vance bekommt eine Rüge
Auch J.D. Vance, der sich als Katholik zu der Kritik des Kardinals äußerte würde öffentlich zurechtgewiesen. Die Ansicht des Vizepräsidenten, dass Christen ihre Liebe vor allem ihrer Familie schenken sollte, sei schlicht falsch. Jesus habe von Liebe zu allen Menschen gesprochen, und nicht von irgendwelchen Abstufungen. Als Papst Leo bezog der Amerikaner noch deutlicher Position, wies seine Bischöfe an, sich für die von Trumps ICE-Behörde verfolgten Einwanderer einzusetzen.
Wirklich heftig aber wurde die Debatte mit dem Beginn des Krieges gegen den Iran. Während die US-Luftwaffe bereits das Land bombardierte, nützte Leo die Feierlichkeiten zu den Osterfeiertagen, um klar Stellung gegen die Angriffe zu beziehen. "Jesus hört nicht auf die Gebete jener, die Krieg führen, er weist sie zurück", erklärte er von der Kanzel herab. Schon zuvor hatte er mehrfach die US-Regierung öffentlich aufgefordert, anderen Ländern nicht mehr mit Militärschlägen zu drohen. In seinem Namen forderten mehrere US-Kardinäle eine "wirklich moralische Außenpolitik" von der US-Regierung. Die Rolle Amerikas als Kämpfer gegen das Böse stehe erstmals seit Langem infrage.
Leo wird immer mehr zum Problem für Trump
Trump wurde wütend, nannte den Papst "schwach", außerdem solle der eigentlich "dankbar sein". Die Kirche habe ihn nämlich nur in den Papstsessel gehoben, "weil er Amerikaner ist", oder noch deutlicher, weil sie ihn gegen den US-Präsidenten positionieren wollte: "Wäre ich nicht im Weißen Haus, wäre er nicht im Vatikan." Der Papst wiederum, der sich zuerst noch zurückgehalten hatte - "die Dinge, die ich sage, richten sich sicher nicht gegen jemand Bestimmten" - wurde ebenfalls sehr deutlich: "Ich habe keine Angst, weder vor der Trump-Regierung, noch davor, laut die Botschaft des Evangeliums zu verbreiten. Denn dafür, glaube ich, bin ich in mein Amt bestellt worden."
Je schlechter der Krieg gegen den Iran läuft, desto dünnhäutiger zeigt sich der US-Präsident gegenüber der Kritik aus dem Vatikan. Der Papst, meinte er, "kümmert sich nur um die radikale Linke und schadet damit der Kirche." Den Vorwurf mit der radikalen Linke interpretierte Leo wiederum auf seine Weise. Es müsse Schluss sein "mit der Selbstvergötterung und mit der Vergötzung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg!"
Vance: Der Vatikan soll bei Moral-Fragen bleiben
Die Antwort Trumps darauf war das KI-generierte Jesus-Bild - und das war selbst im Kreis seiner engen Vertrauten einigen zu viel. Das Weiße Haus, aber auch das Pentagon haben laut Berichten von US-Medien bereits diskret Kontakt mit dem Vatikan aufgenommen, um wieder eine vernünftige Gesprächsebene herzustellen. Auch der Katholik Vance ist merklich um Beruhigung der Affäre bemüht. Solche Meinungsverschiedenheiten seien völlig normal und könnten eben vorkommen. Trotzdem schlug sich der US-Vizepräsident lieber auf die Seite seines Staats- als auf die seines Kirchenoberhaupts: "Es wäre das beste für den Vatikan, wenn er dabei bleibt, sich um Fragen der Moral zu kümmern und die Außenpolitik dem Präsidenten überlässt."
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