Land "am Ende": USA lassen russischen Öltanker nach Kuba
Zusammenfassung
- Die USA lassen trotz Ölblockade einen russischen Öltanker nach Kuba passieren, wie Präsident Trump bestätigte.
- Kuba erhält erstmals seit drei Monaten wieder Öl, nachdem das Land unter einer schweren Energiekrise und Rationierungen litt.
- Die US-Regierung lockerte vorübergehend Sanktionen gegen Russland, um die weltweite Ölversorgung angesichts der Lage im Nahen Osten zu stabilisieren.
Ein russischer Tanker mit 100.000 Tonnen Rohöl hat Kuba erreicht. Die "Anatoly Kolodkin" habe im Hafen Matanzas festgemacht, dort solle die Ladung gelöscht werden, meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Montag unter Berufung auf das russische Verkehrsministerium. Zuvor hatten die USA ihre faktische Ölblockade aufgehoben. Die Lieferung dürfte die angespannte Lage in Kuba etwas lindern.
"Wenn ein Land jetzt gerade etwas Öl nach Kuba schicken will, habe ich kein Problem damit, ob es nun Russland ist oder nicht", sagte US-Präsident Donald Trump an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One. Dem kubanischen Präsidenten Miguel Diaz-Canel zufolge hat das Land seit drei Monaten keine Ölimporte mehr erhalten. Dies führte zu einer strikten Rationierung von Benzin und verschärfte eine Energiekrise, die landesweit mehrfach Stromausfälle zur Folge hatte.
Kuba importierte im vergangenen Jahr dem Datenanbieter S&P Global zufolge durchschnittlich 164.000 Tonnen Öl pro Monat. Die 100.000 Tonnen auf dem russischen Tanker decken also rund 60 Prozent dieses monatlichen Bedarfs.
Freude im Kreml
Russland begrüßte das Einlenken Trumps. "Wir freuen uns, dass diese Lieferung von Erdölprodukten bereits auf der Insel eingetroffen ist", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Agenturen zufolge. Es habe dazu vorher Kontakte mit US-amerikanischen Gesprächspartnern gegeben. Russland arbeite daran, noch mehr Öl nach Kuba zu bringen.
Peskow erklärte, dass Kuba unter den Bedingungen der Blockade Unterstützung brauche, darunter Öl für die Stromerzeugung. "Natürlich sieht es Russland als seine Pflicht an, nicht tatenlos zuzusehen und unseren kubanischen Freunden die notwendige Hilfe zu leisten", sagte er. Dabei gehe es auch um die medizinische Versorgung.
US-Druck auf Führung in Havanna
Die Regierung in Washington hatte Öllieferungen nach Kuba faktisch blockiert, um den Druck auf die Führung in Havanna zu erhöhen. Zugleich hoben die USA ihre Sanktionen gegen Russland vorübergehend auf. Damit soll die weltweite Ölversorgung verbessert werden, die durch Militärschläge der USA und Israels gegen den Iran eingeschränkt wurde.
Am Wochenende hatte die New York Times unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter berichtet, die US-Küstenwache habe das russische Schiff mit Kurs Kuba passieren lassen. Ein gewaltsames Aufhalten hätte das Risiko eines Konflikts mit Russland bergen können. Die russische Marine hatte den Tanker auf seinem Weg in die Karibik durch den Ärmelkanal eskortiert. Das Schiff war im russischen Hafen Primorsk ausgelaufen.
Gefragt nach dem Tanker, sagte Trump weiter: "Ich ziehe es vor, ihn reinzulassen, denn die Leute brauchen Heizung und Kühlung und alles andere." Das Land sei am Scheitern und werde scheitern, wiederholte der US-Präsident jüngste Aussagen zu Kuba. "Wir werden da sein, um ihm auszuhelfen." Mit Verweis auf militärische Erfolge in Venezuela hatte Trump am Wochenende erklärt, Kuba sei "als nächstes dran".
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