Trump und Meloni – ist es vorbei mit der Freundschaft?

Bis vor kurzem waren sie noch „best friends“ - jetzt wütet der US-Präsident gegen die einst geschätzte italienische Premierministerin.
eine Frau und ein Mann in der Seitenansicht

Zusammenfassung

  • Trump kritisiert Italiens Premierministerin Meloni scharf wegen ihrer Haltung zu US-Interessen und ihrer Kritik an Trumps Aussagen über den Papst.
  • Meloni widersetzt sich Trumps Erwartungen, was zum Bruch ihrer bisherigen Freundschaft führt.
  • Italien verweigert militärische Unterstützung ohne NATO-Mandat und lehnt US-Kampfjet-Zwischenstopp ab, während Meloni auf Trumps Vorwürfe nicht reagiert.

„Ich dachte, sie wäre mutiger“; „Ich bin schockiert, sie will uns im Krieg nicht unterstützen.“ Es ist US-Präsident Donald Trump, der sich in einem Telefonat Dienstagnachmittag mit der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera zutiefst enttäuscht über Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni äußert. 

Auslöser dieser Tirade war Giorgia Melonis unmissverständliche Reaktion auf Trumps Angriff auf Papst Leo IV. Der US-Präsident hatte diesen als „schwach“ und in der Außenpolitik „miserabel“ bezeichnet. Meloni meldete sich Montagabend dazu zu Wort und bezeichnete die Kritik am Papst als „inakzeptabel“.

Das hat Trump überhaupt nicht gefallen und so musste auch sie erfahren, was es mit ‚beste Freunde‘ im Fall des US-Präsidenten auf sich hat. „Best friend“ ist man nur, solange man sich Trumps Wünschen und Forderungen beugt. Diese Regel hat Meloni jetzt gebrochen, deswegen hat er ihr die Freundschaft gekündigt.

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Da waren sie noch Freunde: Meloni und Trump

Zumindest vorläufig. Anfang März, als sich Italien nach einer iranischen Drohnenattacke auf Zypern bereit erklärt hatte, Marineunterstützung zu gewähren, war Trump noch voll des Lobes gewesen. „Sie hilft uns, wann immer sie kann“, sagte er damals und fügte hinzu: „Sie ist eine große Politikerin, und sie ist eine Freundin.“ 

Jetzt sieht die Welt ganz anders aus. Im Interview ist es Trump, der als erster fragt: „Den Italienern gefällt es, dass eure Chefin uns jegliche Hilfe verweigert, um das Erdöl zu bekommen?“ Die Anspielung bezieht sich auf Italiens Beschluss, nur nach einem Waffenstillstand und im Rahmen einer NATO-Allianz an der Sicherung der Straße von Hormus teilzunehmen. „Sie will uns mit der NATO nicht helfen, sie will uns nicht gegen einen Iran im Besitz der Nuklearwaffe helfen. Sie ist ganz anders, als ich sie eingeschätzt hatte.“ 

Auch Europa bekam sein Fett ab

Die Journalistin wollte wissen, was sich nach dem abgewählten ungarischen Premier Viktor Orbán ändern würde. Orbán und Meloni seien immerhin seine besten Freunde gewesen. Trump antwortete „Nichts“, denn Europa habe zum Beispiel in der Migration schon lange „die falsche Richtung eingeschlagen.“ Und dasselbe gelte für die Energieversorgung. Europa zahle die höchsten Energiepreise in der Welt, „ist aber nicht gewillt, für die Straße von Hormus zu kämpfen.“

Es kann auch gut sein, dass Melonis Kritik von vorgestern nur der Tropfen war, der das Fass hat überlaufen lassen. Italien hatte vor ein paar Wochen zwei US-Kampfjets auf dem Weg in den Iran den Zwischenstopp auf dem sizilianischen US-Stützpunkt Sigonella verweigert. Die Begründung lautete, die Abkommen würden nur Verteidigung, aber keine Angriffe vorsehen. 

Auf eine offizielle Stellungnahme zu Trumps tadelnden Worten hat Meloni fürs Erste verzichtet. 

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