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Politik Ausland
04/25/2020

Trump bekam Bleichmittel-Therapie offensichtlich von verrücktem Wunderdoktor

Der Präsident sucht nach seiner Wunderkur-Empfehlung nach Ausreden. Inzwischen gibt es erste Spuren des Urhebers.

von Konrad Kramar

Am Tag danach, galt es nur noch zu retten, was zu retten ist. US-Präsident Donald Trump hat sich mit seiner Bemerkung, man solle doch versuchen, durch Injektion von Desinfektionsmittel den Körper von Corona zu reinigen - "es wirkt in einer Minute" - die USA in Aufruhr versetzt.

"Erzbischof" von Genesis II

Die renommierte britische Tageszeitung "The Guardian" hat nun die Spur dieser völlig verrückten medizinischen Desinformation aufgenommen. Vor ein paar Tagen habe der US-Präsident ein E-Mail von einem Herren namens Mark Grenon aus Florida erhalten. Dieser nennt sich der "Erzbischof" einer Gruppe namens "Genesis II". Diese stellt sich zwar als eine Art Kirche, oder eben religiöse Sekte dar, dahinter aber steht nach Guardian-Informationen einer der größten Hersteller von Chlorbleiche in den USA.

Verdünntes Bleichmittel trinken

Seit Beginn der Pandemie setzt dieser Mark Grenon offensichtlich Informationen und Therapie-Anleitungen für ein chlorhaltiges Desinfektionsmittel in Umlauf, das er "Wunder-Mineral-Lösung" nennt. So soll man einfach ein paar Tropfen der Substanz in Wasser tun und es danach trinken, um sich so von der Corona-Infektion zu befreien.

"Herr Präsident, ich bete"

"Herr Präsident, ich bete, dass sie dieses Mail lesen": Mit solchen salbungsvollen Worten wandte sich der "Erzbischof" ans Weiße Haus - auch um gleich darauf in sozialen Medien hinauszuposaunen, dass der Präsident quasi schon in die Wunderkur eingeweiht sei.

"Fast eine Reinigung"

Auf jeden Fall stellte Trump vor der Presse am Donnerstag Überlegungen zu dieser Wunderkur an, sprach von "fast einer Reinigung", die durch die Injektion zu erzielen sei. Schon Stunden später, nachdem ein Aufschrei durch die medizinische Fachwelt und durch die Medien gegangen war, dass man von diesem Wahnsinn Abstand nehmen solle, ruderte Trump verzweifelt zurück. Er habe das mit der Wunderkur lediglich sarkastisch gemeint. Inzwischen hatte sogar Trumps-Lieblingssender "Fox News", der dem Präsidenten ansonsten alles abkauft, sich kritisch zur Chlorbleiche-Therapie geäußert.

Biden zeigt sich fassungslos

Und Trumps demokratischer Herausforderer Joe Biden, der sich mit seiner Kampagne in Corona-Zeiten recht schwer tut, wurde mit seiner Stellungnahme endlich deutlich:  „Ich kann nicht glauben, dass ich das sagen muss, aber bitte trinkt kein Bleichmittel“, schrieb der frühere Vizepräsident am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter.