Trump versteckt im Do&Co-Container: Begleiter wussten nichts vom Täuschungsmanöver
Ein gähnend leerer Kühl-Container, kahle Wände, keine Regale, keine Sitzgelegenheit. Die stählernen Trolleys, zuvor gefüllt mit Vor-, Haupt- und Nachspeisen von Do&Co für die Gäste aus Amerika, sind bereits entladen. Jetzt wird der Container neu befüllt, mit einer ungewöhnlichen Fracht.
Die Hebebühne des Lkw, angedockt an das berühmteste Flugzeug der Welt, die alte hellblaue Air Force One, ist noch oben. Der Container bietet im leeren Zustand vielleicht 20, vielleicht 30 Leuten Platz. So viel braucht Donald Trump nicht. Es muss nur schnell gehen, rein in den Container und weg.
Wo es gutes Essen gibt - am liebsten in Form eines saftigen Burgers - ist der 80-Jährige bekanntlich nicht weit. Eineinhalb Wochen später, beim WM-Finale in New Jersey bei New York am 19. Juli, genießt der US-Präsident einen solchen Burger vom Wiener Nobelcaterer. Ob er sich erinnert? Ob ihm der Name etwas sagt?
Am 8. Juli nach dem Ende des NATO-Gipfels in Ankara war auf der Startbahn keine Zeit für ein Do&Co-Häppchen. Ob Trump allein oder in Begleitung von Beamten des Secret Service die Air Force One verließ, sich im Do&Co-Wagen versteckte und auf diesem Weg unerkannt in eine kleinere Militärmaschine umstieg, ist nicht überliefert. Auch Firmenchef Attila Dogudan, der über die Berichterstattung samt Gratis-Werbung und natürlich über Trumps ungewöhnliches Versteck schmunzeln muss, sagt: „No comment. Wir waren nicht involviert. Es war alles so secret, wie der Name Secret Service schon sagt.“
Was war geschehen?
Kurz vor dem NATO-Gipfel in Ankara warnte Israel Washington vor einem möglichen iranischen Mordkomplott gegen Trump. Erst einen Tag vorher waren die US-Angriffe auf den Iran wieder aufgenommen worden, nachdem die Verhandlungen mit Teheran zur Beendigung des Krieges gescheitert waren.
Die Warnung der Israelis war offenbar so dringend, dass sich Trumps Personenschützer ein filmreifes Täuschungsmanöver ausdachten, das die Washington Post am Montag aufdeckte. Auf dem Weg von der Türkei über Großbritannien zurück in die USA wechselte der US-Präsident noch in Ankara heimlich Flugzeug - im Do&Co-Container.
Bloß ein Kollateralschaden?
Der „Schönheitsfehler“ an der Aktion wie aus einem Bond-Film: Trumps Mitreisende, Journalisten wie auch Mitarbeiter aus dem Weißen Haus, wussten nach US-Medienberichten nicht, dass Trump noch vor dem Abflug der Präsidentenmaschine heimlich weggebracht worden war und in einer kleineren Boeing nach Großbritannien flog. Hätte eine iranische Rakete die Air Force One getroffen, wäre zwar Trump in Sicherheit gewesen, doch sein Tross wohl zu einem bewusst in Kauf genommenen Kollateralschaden geworden, um die Täuschung aufrechtzuerhalten. Die New York Post nennt die an Bord der Air Force One Verbliebenen „Lockvögel“ oder „Köder“ („they served as a decoy“).
Am Dienstag bestätigte Trump die höchst ungewöhnliche Aktion. Er beruft sich auf den Secret Service: „Ich tue, was sie sagen.“ Er habe nicht weiter nachgefragt, um welche Bedrohung es sich genau gehandelt habe. Schließlich bekomme ein Mann wie er viele Drohungen. Trump: „Jeder Präsident, der etwas bewirkt, ist mit zahlreichen Drohungen konfrontiert. Präsidenten, die nichts bewirken, bekommen keine Drohungen.“
Trump war an Bord der neuen, von Katar geschenkten Boeing 747-8 in die Türkei zum NATO-Gipfel gereist, kündigte aber an, der „alten Zeiten wegen“ mit der alten Air Force One abreisen zu wollen. Hintergrund dürfte sein, wie zunächst die New York Times berichtet hatte, dass die 400-Millionen-teure Maschine aus Katar zwar luxuriös ausgestattet, aber eben nicht mit der gleichen Sicherheitsausrüstung und Abwehrtechnik versehen sei wie die alte Air Force One. Etwa mit Lasern, um heranfliegende Raketen zu blenden.
Doch auch die alte Air Force One, die Trump in Ankara vor laufenden Kameras bestieg, war dem Secret Service nicht sicher genug. Darum wurde Trump - vor den Augen der Öffentlichkeit und seiner Mitreisenden verborgen - in den hinter der Maschine aufgestellten Do&Co-Container verfrachtet und zu einer in der Nähe stehenden, kleineren Boeing-Militärmaschine vom Typ C-32A gebracht.
In dieser Maschine flog Trump mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der die C-32A ganz normal über eine Außentreppe bestiegen hatte, nach Großbritannien. Dort wechselte er neuerlich die Maschinen, ohne dass jemand etwas davon mitbekommen hat. Es ist unklar, wie er von der Militärmaschine zurück in die alte Air Force One gelangte, um aus dieser seelenruhig und vor den Augen der Öffentlichkeit auszusteigen und anschließend in der von Katar gespendeten neuen Air Force One nach Washington zurückzufliegen - mitsamt seinem gesamten Tross.
Ein Journalist berichtete der Washington Post, dass ihm aufgefallen war, dass die Fensterrollos während des Flugs von Ankara nach Großbritannien unten bleiben mussten. Die Mitreisenden wussten nicht, dass der Präsident nicht mehr an Bord war.
Erst viel später, während des Heimflugs in die USA, sprach Trump mit den Journalisten über die Drohungen aus dem Iran, erwähnte den heimlichen Flugzeugwechsel aber nicht. Auf die Frage, warum die Reporter angewiesen worden waren, die Fensterrollos im Flugzeug aus der Türkei herunterzulassen, antwortete Trump nach einem Bericht der BBC: „Weil ihr euch wahrscheinlich auf einem gefährlichen Flug befindet - wegen der Dreckskerle, mit denen wir es zu tun haben.“
Sein Leben sei ständig bedroht, und er stehe auf der „Liste“ des Iran an „erster Stelle“. „Aber wenn ich sterbe, sterbt ihr auch, oder?“, sagte Trump noch und fügte hinzu: „Vielleicht wollt ihr eines Tages den Beruf wechseln.“
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