© REUTERS/Blair Gable

Politik Ausland
06/02/2020

Trudeau sagt 20 Sekunden nichts auf Frage nach Trump

Dem kanadischen Premier Justin Trudeau fehlten nach einer Frage zu den Rassenunruhen in den USA sichtlich die Worte.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat auf die Frage eines Journalisten nach einer Reaktion auf die Drohung von US-Präsident Donald Trump, die Unruhen in den USA notfalls mit militärischer Gewalt zu stoppen, mit rund 20 Sekunden Schweigen reagiert.

Trudeau schaute nach der Frage bei einer Pressekonferenz am Dienstag zunächst einfach nur konzentriert geradeaus und sagte nichts, dann wirkte es mehrfach so, als würde er zum Sprechen ansetzen, tat es aber nicht. Schließlich sagte er in ernstem Tonfall: "Wir alle beobachten mit Entsetzen und Bestürzung, was in den USA passiert." Es sei Zeit für Einigkeit und Zeit zum Zuhören.

Am Tag zuvor hatte Trudeau für sein Land bereits mehr Engagement im Kampf gegen Rassismus versprochen. "Wir müssen besser werden in Kanada." Rassismus sei nicht nur ein Problem der USA, auch in Kanada würden Menschen mit schwarzer oder brauner Hautfarbe und Ureinwohner immer noch zu oft systematisch ungerecht behandelt.

"Auch wenn wir schon Fortschritte gemacht haben im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung, gibt es immer noch Rassismus in Kanada", sagte Trudeau. "Jungen schwarzen Kanadiern will ich sagen, ich verstehe Euch, wenn Ihr sagt, dass Ihr besorgt und wütend seid."

Biden: Institutionalisierter Rassismus

Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten und damit Donald Trumps Gegner bei der Präsidentschaftswahl im November, Joe Biden, hat angesichts der eskalierenden Proteste eine Auseinandersetzung mit "institutionalisiertem Rassismus" in den USA gefordert.

Dieser sei eine "tiefe, offene Wunde" in den USA, sagte der Ex-Vizepräsident laut Kathpress in der Bethel African Methodist Episcopal Church von Wilmington im Bundesstaat Delaware (Montag Ortszeit). Zu Beginn seiner politischen Karriere habe er daran geglaubt, den Hass besiegen zu können, so Biden. Heute sei ihm klar, dass sich der Hass nur versteckt habe und gerade neu angefacht werde.

Tod mit Folgen

Der Afroamerikaner Floyd war in der vergangenen Woche bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis getötet worden. Im ganzen Land breiteten sich daraufhin Proteste aus, die in zahlreichen Metropolen auch zu Ausschreitungen und Plünderungen führten. US-Präsident Trump drohte, die Unruhen notfalls mit militärischer Gewalt stoppen.

Auch in vielen anderen Ländern weltweit, darunter auch in Kanada, kam es zu Protesten. Das Verhältnis zwischen dem liberalen Trudeau und dem Republikaner Trump gilt schon lange als angespannt.

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