© APA/AFP/MANDEL NGAN

Politik Ausland
04/01/2020

Trotz Zick-Zack-Kurs: Trumps Aussicht auf Wiederwahl steigt

Der US-Präsident hat erstklassige Umfragewerte, aber im direkten Duell liegt Demokrat Biden vorne.

von Konrad Kramar

Anfangs war das Virus seiner Ansicht nach ja harmlos, allzu strenge Maßnahmen überflüssig, dann wollte Donald Trump die US-Wirtschaft zu Ostern wieder hochfahren. Inzwischen aber hat sich der US-Präsident bei seinen täglichen Auftritten vor der Presse zum düsteren Propheten gewandelt, spricht vom "Krieg mit dem Virus" und lässt das Weiße Haus Prognosen von 240.000 Toten in den USA veröffentlichen.

Fast jeder zweite Amerikaner

Doch der Popularität des Präsidenten hat das offensichtlich nicht geschadet. Wie die New York Times berichtet, kratzt Trump laut einigen aktuellen Umfragen erstmals in seiner Amtszeit an der 50-Prozent-Marke. Anders formuliert: Fast jeder zweite Amerikaner steht hinter dem Präsidenten und würde sich bei einer Wahl derzeit für ihn entscheiden.

Für Trump ist das ein bemerkenswert hoher Wert. Der Präsident hat ja schon seit seiner Kandidatur immer stark polarisiert und das Land gespalten. Eine Zustimmung von über 50 Prozent, wie sie etwa sein Vorgänger Barack Obama anfangs hatte, konnte er nie erreichen. Sein Wahlsieg 2016 - übrigens gegen die Mehrheit der abgegebenen Stimmen - war vor allem der starken Mobilisierung von Wählern aus der weißen Arbeiterklasse geschuldet.

Stimmen von der politischen Mitte

Der jüngste Aufschwung in den Umfragen aber ist laut der Analyse etwa des Gallup-Instituts vor allem den sogenannten "Unabhängigen" zu verdanken, also Wählern aus der politischen Mitte, die sich einmal für die Demokraten, einmal für die Republikaner entscheiden. Laut Gallup "höchst ungewöhnlich für Trump".

Good news auch für Biden

Im direkten Duell mit seinem wahrscheinlichen demokratischen Herausforderer Joe Biden aber liegt Trump weiterhin hinten.

Biden hat seinen Vorsprung bei den registrierten Wählern ausgebaut. Obwohl die Coronavirus-Pandemie die Kampagne des ehemaligen Vizepräsidenten so gut wie aus dem Blickfeld der Wähler gedrängt hat, liegt er in einer am Dienstag veröffentlichen Reuters/Ipsos-Meinungsumfrage vor Trump.

Präsidenten-Bonus in Krisenzeiten

Die Umfrage unter mehr als 1.100 amerikanischen Erwachsenen ergab, dass 46 Prozent der registrierten Wähler sagten, sie würden Biden unterstützen, wenn er bei der Wahl am 3. November gegen Trump antreten würde, während 40 Prozent angaben, sie würden für Trump stimmen.

In einer ähnlichen Umfrage Anfang März lag Biden statt jetzt sechs nur ein Prozent vor dem Amtsinhaber. Der Demokrat hält sich also im direkten Duell trotz der aktuellen Krise erstaunlich gut. Üblicherweise nützen Krisen ja der jeweiligen politischen Führung, da sich die Bevölkerung hinter ihnen versammelt.

Während Trump täglich im Fernsehen über das Virus berichtet, musste Biden Spendenaktionen und andere Wahlkampfveranstaltungen einstellen. Viele Bundesstaaten haben ihre Nominierungswettbewerbe verschoben. Außerdem will Bidens letzter demokratischer Konkurrent Bernie Sanders trotz der jüngsten Niederlagen bei den Vorwahlen nicht aufgeben.