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Politik Ausland
08/27/2021

USA halten weiteren Terroranschlag in Kabul für wahrscheinlich

Nach der Attacke am Donnerstag, bei dem mittlerweile 170 Tote beklagt werden, herrscht am Flughafen höchste Alarmbereitschaft. Dennoch wurden 12.500 zuletzt evakuiert.

Trotz des Anschlags außerhalb des Flughafens von Kabul gibt es weiter Evakuierungsflüge aus Afghanistan. Innerhalb von 24 Stunden brachten die USA und ihre Verbündeten rund 12.500 Menschen außer Landes, wie das Weiße Haus am Freitag mitteilte. 8.500 seien vom US-Militär ausgeflogen worden, 4.000 wiederum in Maschinen internationaler Partner. Nach Angaben des Weißen Hauses flogen die USA und ihre Verbündeten seit dem Start der Evakuierungsmission in Kabul Mitte August rund 105.000 Menschen aus.

Die Zahl der bei dem Anschlag am Flughafen Kabul ums Leben gekommenen Menschen steigt unterdessen weiter. Laut US-Medien sollen 170 (darunter 13 US-Soldaten) getötet und rund 200 verletzt worden sein. Die kommenden Tage werden nach Ansicht der US-Regierung die "gefährlichste" Phase des Evakuierungseinsatzes. US-Präsident Jode Biden sei bei einem Treffen mit seinem nationalen Sicherheitsteam davor gewarnt worden, dass ein weiterer Terroranschlag in Kabul wahrscheinlich sei, hieß es am Freitag in einer Mitteilung der Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Es würden aber maximale Schutzmaßnahmen ergriffen.

Das von Norwegen geführte Krankenhaus auf dem militärischen Teil des Kabuler Flughafens hat 50 Menschen aufgenommen, die bei dem Anschlag am Donnerstag verletzt wurden. Das Feldlazarett sei noch in vollem Betrieb, auch wenn die Evakuierungen von Zivilisten aus Kabul nach dem Terroranschlag gestoppt wurden. „Dass man nach dem Angriff 50 Verwundete aufnehmen konnte, zeigt, dass das Krankenhaus von großem Nutzen ist“, sagte der Sprecher des operativen Hauptquartiers der Streitkräfte, Oberstleutnant Ivar Moen. Es werde laufend geprüft, wie der Krankenhausbetrieb noch vor dem Monatswechsel eingestellt werden kann. Einige medizinische Geräte und Materialien werde man vermutlich zurücklassen.

Was geschieht mit den Österreichern?

Angesichts der Terrorgefahr und der zu Ende gehenden Evakuierungsflüge wird eine Evakuierung der Österreicher aus Afghanistan immer schwieriger. Mehr als hundert Menschen sind nach Angaben des Außenministeriums vom Freitag bisher mit österreichischer Unterstützung aus Afghanistan außer Landes in Sicherheit gebracht worden. Zum Teil sei dies auch über den Landweg erfolgt, hieß es am Freitag. Derzeit seien „noch einige Dutzend“ österreichische Staatsbürger mit afghanischen Wurzeln in und um Kabul.

Dazu kämen noch afghanische Staatsbürger, deren Aufenthalt in Österreich aber teilweise noch nicht abgeklärt sei. Man werde weiterhin alle Möglichkeiten ausschöpfen, diese Personen aus Afghanistan zu bringen. Die zivilen Evakuierungsflüge seien aber beendet, teilte das Außenministerium mit. Daher konzentrierten sich die laufenden Bemühungen auf eine Ausreise über den Landweg. Die österreichischen Stellen bemühten sich, einen Grenzübertritt in die Nachbarländer zu ermöglichen. Derzeit seien die Grenzen geschlossen. Österreich verfügt über keine eigenen Evakuierungsflüge.

Die Vereinten Nationen bereiten sich auf die Flucht von mehr als einer halben Million Menschen aus Afghanistan vor. 515.000 Menschen könnten das Land im schlimmsten Fall in diesem Jahr verlassen, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Freitag in Genf. Wie sich die Lage tatsächlich entwickle, sei jetzt noch nicht abzusehen. Die stellvertretende Hochkommissarin für Flüchtlinge, Kelly Clements, betonte, dass an den Grenzübergängen Richtung Iran und Pakistan noch keine größeren Flüchtlingsgruppen angekommen seien.

Nachbarstaaten haben bereits 5,2 Millionen Afghaninnen und Afghanen aufgenommen. 90 Prozent seien im Iran und in Pakistan, weitere in Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Die Vereinten Nationen riefen die Weltgemeinschaft auf, die Nachbarstaaten Afghanistans finanziell zu unterstützen. Insgesamt brauchen den Angaben zufolge elf UN- und Hilfsorganisationen für die Vorbereitung auf weitere afghanische Flüchtlinge in der Region bis Ende des Jahres zusätzlich 299 Millionen Dollar (254 Mio. Euro). Damit sollen Zelte, Hygieneartikel und Nahrungsmittel beschafft werden.

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