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Tod eines Cambridge-Professors: „Opfer einer bösartigen Hexenjagd“

Der ehemalige Cambridge-Professor Jason Arday geriet wegen Plagiatsvorwürfen in die Kritik. Am Freitag wurde er tot aufgefunden.
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Er galt als Star der britischen Akademikerszene – bis nach Plagiatsvorwürfen ein Medienwirbel gegen ihn entbrannte. Vergangenen Freitag wurde der frühere Cambridgeprofessor Jason Arday tot in einem Haus in Südlondon aufgefunden. Arday sei Opfer „einer bösartigen Hexenjagd geworden“, sagte Simon Woolley, Rektor des Homerton College in Cambridge, und er ist mit dieser Auffassung nicht alleine.

Aber von vorne: 2023 wurde der damals 37-Jährige als jüngster schwarzer Universitätsprofessor in der 800-jährigen Geschichte der Universität Cambridge zum Professor der Soziologie ernannt. In Zeitungsinterviews teilte er damals seinen ungewöhnlichen Weg: Aufgrund seiner Neurodivergenz habe er bis zum elften Lebensjahr nicht gesprochen und erst mit 18 Jahren gelernt, zu lesen und zu schreiben. „Das ist eine unglaubliche Geschichte“, räumte er im Guardian-Interview ein. „Aber ich wusste, dass ich zu Großem bestimmt war.“

Jason Arday, a former University of Cambridge professor

Jason Arday wurde 2023 Professor in Cambridge

Dafür, so deutete es sein Lebenslauf an, war er gewillt, alles zu geben: In den 15 Jahren vor seiner Ernennung zum Cambridge-Professor habe er die Nächte durchgearbeitet, um Geld zu verdienen, zu lernen, sich karitativ einzusetzen. 2010 lief er in 35 Tagen 30 Marathons, um Geld für eine Obdachloseneinrichtung zu lukrieren. Es folgten Lektorenstellen in Glasgow und Durham und schließlich die Ernennung in Cambridge.

Systemfehler?

Doch dann kamen erste Ungereimtheiten. Ein Journalist der Times Higher Education ließ 2025 Ardays Doktorarbeit durch einen Plagiatschecker laufen und erkannte, dass gleich mehrere Stellen ohne Quellenangabe übernommen worden sein dürften. Die Zeitung soll laut Telegraph daraufhin das drohende Schreiben eines Verleumdungsanwalts erhalten haben.

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In Cambridge und London fanden Gedenkfeiern statt.

Im April 2026 wandte sich Arday mit einer Sorge an die Welt. Bei der 75. Jubiläumsfeier der British Sociological Association sprach er von einem „Playbook“, einem Handbuch, mit dem konservative Aktivisten in Amerika, die Arbeiten schwarzer Akademiker systematisch auf Ungereimtheiten und Zitierfehlern durchforsteten würden. Claudine Gay, Harvards erste schwarze Präsident, habe deswegen zurücktreten müssen. Antoinette Candia-Bailey von der Lincoln University habe sich das Leben genommen. Diese Praktiken würden nun nach England kommen.

249 Artikel in 22 Tagen

Drei Monate später kam Arday selbst in den Fokus: Britische Medien berichteten vermehrt von den Plagiatsvorwürfen in seiner Doktorarbeit, von Ungereimtheiten in seinem Lebenslauf. Insgesamt 249 Artikel wurden in nur 22 Tagen laut „Fact Check Politics“ über Arday veröffentlicht. Anfang August leitete Cambridge University eine Untersuchung gegen ihn ein. Kurz darauf trat Arday als Universitätsprofessor zurück, wies jedoch alle Vorwürfe von sich. „Die unaufhörlichen Anschuldigungen, Spekulationen und öffentlichen Kommentare haben mich und meine Liebsten zutiefst mitgenommen“, schrieb er. Zwei Tage später wurde er tot aufgefunden.

Am Wochenende fanden sich seine Unterstützer in Cambridge und am Montag in London zu Gedenkfeiern ein. Sie wollen das Thema nicht ruhen lassen: Bereits 31.000 Personen haben eine Petition für eine öffentliche Untersuchung zu mutmaßlichen Medien-Schikanen unterschrieben.

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