Sorge vor Ausbruch: Gefangene IS-Terroristen in Syrien werden nach Irak verlegt

Männer hinter Stacheldraht jubeln
Spannungen zwischen syrischer Führung und kurdischen Milizen: Die ersten 150 gefangenen IS-Kämpfer wurden von den USA bereits in Hochsicherheitsgefängnisse im Irak ausgeflogen. Tausende weitere sollen folgen.

Der  Waffenstillstand zwischen Syriens Führung und den von Kurden geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) liegt längst in Trümmern, die Kämpfe im Nordosten des Landes gehen weiter. Die bisher mit den kurdischen Milizen verbündeten USA haben deswegen begonnen, erste gefangene Islamisten, alles ehemalige Kämpfer des Islamischen Staates (IS), vom Norden Syriens in Gefängnisse im Irak auszufliegen. Seit das IS-Kalifat vor sieben Jahren besiegt wurde, werden Tausende kampferprobte, hochgefährliche IS-Kämpfer in einem Netzwerk von Haftanstalten im Nordosten Syriens festgehalten. 

Viele von ihnen stammten aus Ländern, deren Regierungen sich weigern, sie zurückzunehmen. Auch Zehntausende Flüchtlinge, darunter Familienangehörige von IS-Kämpfern, sind im berüchtigten Lager Al Hol untergebracht. Bewacht wurden sie bisher von kurdischen Kräften.

Doch damit ist es vorbei, seit syrische Regierungstruppen begonnen haben, die kurdischen Milizen zurückzudrängen, zu bekämpfen und ihnen Stück für Stück ihrer Selbstverwaltung zu nehmen.

Offenbar mit Einverständnis der USA war Syriens neuer, islamistischer Präsident Al-Sharaas gegen die Kurden vorgegangen, ihm und seinen Regierungstruppen wurde nun die Kontrolle über die Gefangenen-Lager übertragen.

Detainees gather at al-Hol camp after the Syrian government took control of it, in Hasaka

Tausende Frauen von Islamisten und deren Kinder sind gefangen im Gefängnis von Hasaka, im Norden Syriens

Im Chaos der Kämpfe zwischen Kurden und syrischer Armee, der sich auch einige radikal-islamistische Milizen angeschlossen haben, gelang rund 180 Gefangenen ein erster Ausbruch. Zwei Drittel der Entflohenen wurden nach syrischen Regierungsangaben wieder verhaftet, doch die USA wollen kein Risiko mehr eingehen.

Das Vertrauen in die islamistischen Regierungssoldaten, weiterhin alle Tausenden gefangenen Islamisten streng zu bewachen, scheint von US-Seite nicht allzu groß zu sein. Der Plan ist nun, mehrere Tausend der ehemaligen IS-Kämpfer in Hochsicherheitsgefängnisse in den Irak auszufliegen. 

Und die Zeit drängt: „Das liegt daran, dass wenig Vertrauen in die Dauerhaftigkeit dieser Waffenruhe besteht“, sagte Charles Lister, Nahostexperte am Middle East Institute, gegenüber dem Wall Street Journal.. „Es spiegelt auch die Tatsache wider, dass die USA nicht über die Truppenkapazitäten verfügen, um die Einrichtungen selbst auch nur vorübergehend zu übernehmen.“ 

Überreste des 2019 zerschlagenen Islamischen Staates versuchen immer wieder, sich neu zu formieren, ihre Kämpfer haben bereits mehrmals versucht, ihre Reihen durch Gefängnisausbrüche wieder zu vergrößern. In Europa ist die Sorge groß, dass geflohene IS-Häftlinge auch wieder nach Europa kommen- und hier Terrorakte verüben könnten. Der Höhepunkt der IS-Terrorwelle in der EU war 2015 und 2016, etwa bei großen Anschlägen in Brüssel und Paris.

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