Seit drei Jahren tobt ein brutaler Krieg im Sudan – und die Welt schaut weg

Am 15. April jährt sich der Beginn des brutalen Konflikts zum dritten Mal. Hilfsorganisationen sprechen längst von der größten humanitären Krise unserer Zeit – und die Eskalation im Nahen Osten verschärft die Not weiter.
Sudan. Sara and her mother Mary at the WFP-supported health centre in the Philippe neighbourhood in Port Sudan

Da ist die Bäuerin, deren Mann und Söhne bei einem Überfall auf ihren Hof brutal ermordet wurden. Sie rannte davon, ohne sich umzudrehen – und weiß bis heute nicht, ob ihre Liebsten je begraben wurden. Da sind die Eltern, die Blätter vom Straßenrand kochen, um ihre Kinder irgendwie am Leben zu halten. Da sind die Tausenden Frauen und Mädchen, die vor Massakern aus ihren Dörfern fliehen mussten – und unterwegs vergewaltigt wurden.

Was Mary Wamuyu schildert, sprengt jede Vorstellungskraft. Seit sieben Jahren arbeitet die Trocaire-Länderdirektorin bereits im Sudan. „Die letzten drei Jahre waren die verheerendsten“, sagt sie bei einem Pressegespräch vor österreichischen Journalisten. 2023 eskalierte der Machtkampf zwischen der sudanesischen Armee und der paramilitärischen Miliz RSF. Heute jährt sich der Beginn dieses Krieges zum dritten Mal. 

Seine Hintergründe sind komplex, sagt Sudan-Analyst John Ashworth. Im Kern handle es sich aber um einen „existenziellen Kampf um die Kontrolle über Wirtschaft und Ressourcen des Landes“. Den Begriff Bürgerkrieg lehnt er ab: „Es gibt keine zivilen Gruppierungen, die wirklich die Ursache dafür sind.“

Humanitäre Krise

Ausgetragen wird dieser Krieg jedoch sehr wohl auf dem Rücken der Zivilbevölkerung – mit beispielloser Brutalität. Mindestens 150.000 Menschen sollen bislang im Sudan getötet worden sein. Schwere Menschenrechtsverletzungen sind Alltag: Luftangriffe und Überfälle auf zivile Infrastruktur wie Krankenhäuser, Zwangsrekrutierungen, willkürliche Verhaftungen, sexualisierte Gewalt. „Auch Hunger wird als Kriegsmittel eingesetzt“, so Alexander Bodmann, Vizepräsident der Caritas Österreich. Heute herrscht in dem ostafrikanischen Land die schlimmste Hungerkrise weltweit.

Dieses Jahr werden Schätzungen zufolge 33,7 Mio. Sudanesen (also mehr als zwei Drittel der Bevölkerung) humanitäre Hilfe benötigen – während die Budgets für Entwicklungshilfe weltweit gekürzt werden. Bodmann: „Die größte Krise der Welt ist gleichzeitig eine der am wenigsten finanziell unterstützten.“ 

Der Iran-Krieg lässt die Not weiter wachsen: Lieferketten sind unterbrochen, Kosten stark gestiegen. Viele Familien können sich einfachste Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten, weniger Menschen können mit Hilfslieferungen erreicht werden.

Krieg im Sudan: Flüchtlingsankündigte in Nachbarländern

Flucht ins Ausland

Der Sudan-Krieg hat zudem die größte Vertreibungskrise unserer Zeit ausgelöst. Rund 12 Mio. Menschen sind innerhalb des Landes und im Ausland auf der Flucht. Ein Hauptaufnahmeland ist der Tschad, wo seit April 2023 mehr als 900.000 sudanesische Geflüchtete angekommen sind. „So etwas habe ich davor noch nicht gesehen“, sagt Jens Hesemann, Leiter der UNHCR-Hilfsprogramme im Tschad. „Die Extreme der Schutzbedürftigkeit der Menschen, die fürchterlichen Geschichten, die sie mitnehmen, die Unterernährung. Das Ausmaß ist wirklich außergewöhnlich.“

Zwar sei die Solidarität von Regierung und Bevölkerung gewaltig. Doch der Tschad, selbst eines der ärmsten der Welt, gerate zunehmend an seine Grenzen. Immer mehr Menschen nehmen deshalb längere Fluchtrouten auf sich. In Europa kamen 2025 zwar insgesamt nur 14.208 Menschen aus dem Sudan an – das ist aber ein Anstieg um 232 Prozent.

Keine Friedensgespräche

Ein Kriegsende ist nicht in Sicht. „Friedensverhandlungen gibt es nicht, da beide Seiten weiterhin an einen militärischen Sieg glauben“, so Ashworth. Dass Nachbarländer und weiter entfernte Akteure kräftig mitmischen – etwa die VAE finanziell  – verschärfe die Lage zusätzlich. Der Iran-Krieg könnte hier jedoch indirekt Bewegung bringen – etwa wenn Verhandlungen zwischen Golfstaaten, die unterschiedliche Seiten unterstützen, neue Dynamiken erzeugen. „Vielleicht nähern sie sich in der Frage an, wie Frieden im Sudan hergestellt werden kann.“

Auch eine am Mittwoch in Berlin stattfindende Sudan-Konferenz soll neue Impulse für Friedensbemühungen setzen. „Wir machen uns keine Illusionen: Die Wunden dieses Krieges werden nicht schnell heilen. Aber schon ein Ende der Kämpfe wäre ein wichtiger Schritt“, so Hesemann. Eine weitere Hoffnung sei, dass die internationale Aufmerksamkeit für die Krise wächst. 

Trotz des gewaltigen Leids, so betont Länderdirektorin Wamuyu, zeigen die Menschen im Sudan eine bemerkenswerte Widerstandskraft. „Sie versuchen, Lösungen zu finden und wollen als Partner gesehen werden. Eine Bitte, die sie wiederholen ist: Die Welt darf uns nicht vergessen.“

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