Studie: Zahl der Autokratien erreicht Höchststand
Zusammenfassung
- 77 von 137 untersuchten Staaten werden laut Transformationsindex 2026 der Bertelsmann Stiftung autokratisch regiert – ein neuer Höchststand.
- Die Studie stellt massive Einschränkungen bei politischer Beteiligung, Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie Wahlmanipulationen fest.
- Trotz zunehmender Autokratisierung wächst der gesellschaftliche Widerstand gegen die Aushöhlung der Demokratie, wie Beispiele aus Polen und Brasilien zeigen.
Die Zahl der Autokratien weltweit nimmt einer Studie zufolge weiter zu. Inzwischen werden 77 von 137 untersuchten Staaten autokratisch regiert, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Transformationsindex 2026 der Bertelsmann Stiftung (BTI) hervorgeht. Dies sei ein neuer Höchststand seit Beginn der Erhebung vor 20 Jahren. Gleichzeitig konstatieren die Autoren der Studie jedoch einen wachsenden gesellschaftlichen Widerstand gegen die Aushöhlung der Demokratie.
Beispiele wie Polen oder Brasilien zeigten, wie gesellschaftlicher Widerstand den Weg zurück zu mehr Demokratie ebnen könne. Die Verfasser der Analyse beobachten vor allem ein massives Einschränken politischer Beteiligung sowie das Aushöhlen rechtsstaatlicher Verfahren. "Viele gewählte Regierungen haben demokratische Kerninstitutionen ausgehöhlt, mit dem Ziel, sich an der Macht zu halten", sagte die Demokratie-Expertin Sabine Donner. "Dieser Machtmissbrauch ebnet den Weg in die Autokratie."
Rückschritte bei der Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit
Am deutlichsten seien die Rückschritte bei der Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Zudem hätten Wahlen in 54 Prozent der untersuchten Länder nicht mehr die demokratischen Mindeststandards erfüllt. "Militärputsche wie in Gabun oder Niger setzen sie ganz aus", hieß es. "Andernorts – etwa in Belarus, Russland oder Ruanda – sind sie streng kontrollierte Legitimationsrituale, deren Ergebnis bereits weit vor der Stimmabgabe feststeht." In Georgien und Serbien hätten gravierende Wahlmanipulationen zur Einstufung als Autokratien geführt.
Dem Irrglauben einer Effizienz autoritärer Regime erteilen die Autorinnen und Autoren eine Absage. "Die vermeintliche Effizienz autoritärer Regime ist ein Mythos", sagte BTI-Experte Hauke Hartmann. In der Eigendynamik autoritären Regierens müssten Loyalität belohnt und Pfründe gesichert werden. Autokratien seien anfälliger für Bestechung und schnitten bei politischer Gestaltungsfähigkeit und Konsensbildung deutlich schlechter ab als Demokratien. "Der BTI zeigt erneut, wie stark demokratische Institutionen weltweit unter Druck geraten – gleichzeitig sehen wir an vielen Stellen einen bemerkenswert lebendigen Widerstand gegen ihre Aushöhlung", sagte die Vorständin der Bertelsmann Stiftung, Daniela Schwarzer.
Der Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung bewertet seit 2006 alle zwei Jahre die Qualität von Demokratie, Marktwirtschaft und Regierungsführung. Die Untersuchung umfasst 137 Entwicklungs- und Transformationsländer. Etablierte Industriestaaten wie Deutschland oder die USA sind nicht Teil der Erhebung. Der Untersuchungszeitraum für die aktuelle Ausgabe erstreckte sich vom 1. Februar 2023 bis zum 31. Jänner 2025.
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