Ein Fläschchen mit dem russischen Impfstoff Sputnik V.

© APA/AFP/ALEXANDER NEMENOV

Politik Ausland
01/29/2021

"Sputnik" will den EU-Impfplan retten - doch die EMA weiß nichts von einem Antrag

Moskau will der EU mit Impfstoff aushelfen. Doch das wird schwierig: Die Zweifel daran sind nicht ausgeräumt – und die EMA dementiert, einen Zulassungsantrag aus Moskau erhalten zu haben.

von Evelyn Peternel

"Sputnik V ist gerne bereit zu helfen“, heißt es beim offiziellen Twitter-Account des Impfstoffs: Moskau könnte 100 Millionen Dosen im zweiten Quartal 2021 liefern, genug für 50 Millionen Europäer, so der Russische Fonds für Direktinvestitionen (RDIF), der die Entwicklung des Vakzins finanziert hatte.

Es ist ein höfliches, aber auch spöttisches Angebot Richtung Brüssel – und es ist kein Zufall, dass es genau zu jenem Zeitpunkt kommt, an dem der politische Druck auf Brüssel ob der Lieferengpässe am größten ist. Die Botschaft lautet: Moskau ist diesmal schneller, besser, effizienter. Es ist eine Retourkutsche für die Kritik des Westens im Sommer, wonach die Zulassung von Sputnik V verfrüht und nicht gemäß europäischer Standards erfolgt sei.

 

Phase III fehlt noch

Doch abseits aller politischer Rhetorik: Weder die Zweifel am Impfstoff sind ganz ausgeräumt, noch ist eine Zulassung in der EU greifbar. Zwar hat das Gamaleja Institut, das das Vakzin entwickelt hat, nun vorläufige Daten von mehr als 18.000 Probanden vorgelegt, die dem Produkt eine Wirksamkeit von 91,4 Prozent bescheinigen. Damit ist Sputnik wirksamer als der auf derselben Technologie basierende Astra Zeneca-Impfstoff, um den die EU ringt.

Dennoch gibt es einen Haken: Sputnik hat die dritte Erprobungsphase noch nicht abgeschlossen, die Wirksamkeit ist nach internationalen Standards nicht erwiesen. Brasilien und Indien, die Sputnik in großem Stil angekauft haben, hat das zweifeln lassen. Sie haben eigene Phase-II- und Phase-III-Erprobungen eingeleitet, Sputnik deshalb noch nicht zugelassen. Die Ukraine hat das Vakzin rundheraus verboten – das hat aber nichts mit dem Impfstoff, sondern mit dem Konflikt der Länder zu tun.

 

Kein Antrag eingelangt

Problematisch in Kombination damit wird auch sein, dass Moskau zwar öffentlich behauptet, Dokumente für ein Zulassungsverfahren („rolling review“) bei der Behörde eingereicht zu haben, diese davon aber nichts weiß. „Wir möchten klarstellen, dass die EMA keinen Antrag für Marktzulassung für Sputnik V gegeben hat“, so ein Sprecher der EMA zum KURIER. Man habe lediglich ein Ansuchen auf „wissenschaftliche Beratung“ erhalten und dafür ein vertrauliches Vorgespräch geführt – das ist ein Prozedere, das lediglich der Vorbereitung dient und noch nichts mit einer Zulassung zu tun hat.

Darüber hinaus dürften auch die Produktionskapazitäten in Russland geringer sein als kommuniziert. Auch im eigenen Land hinkt man den Impfzielen massiv hinterher: Laut unabhängiger Untersuchung sollen nur 300.000 statt der offiziellen 1,5 Millionen Personen tatsächlich geimpft worden sein. Was die Zweifel weiter nährt: Seit zwei Wochen werden überhaupt keine Impfzahlen mehr veröffentlicht.

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