Serbien: Tausende demonstrieren gegen Vučić-Regierung

Viele Menschen marschieren nachts mit Fahnen, religiösen Ikonen und einem großen Banner durch eine beleuchtete Straße.
Die Studentenbewegung hatte unter dem Motto "Wissen ist Macht" zur Kundgebung aufgerufen.

Zusammenfassung

  • Tausende demonstrieren in Belgrad gegen die Vernachlässigung des Bildungswesens und Repression unter Präsident Aleksandar Vučić.
  • Auslöser der Proteste war der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad, der auf Missmanagement und Korruption der Regierung zurückgeführt wird.
  • Die Studierenden fordern Neuwahlen und verstehen ihre Versammlungen nun als Bürgerversammlungen zu Sachthemen wie Bildung.

In Serbiens Hauptstadt Belgrad haben Tausende Menschen gegen die Versäumnisse der Regierung im Schul- und Universitätsbereich demonstriert. Die Demonstrierenden hörten Reden von Universitäts- und Schulleitern, die die Vernachlässigung des Bildungswesens und die Repression von Kritikern unter Präsident Aleksandar Vučić anprangerten, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa beobachtete. Aufgerufen zur Kundgebung hatte die Studentenbewegung unter dem Motto "Wissen ist Macht".

"Noch nie zuvor war eine Regierung so gewalttätig"

Die Kundgebung war Teil der breiten Protestbewegung, die der Einsturz des Bahnhofsvordachs in der nordserbischen Stadt Novi Sad im November 2024 ausgelöst hatte. Das Unglück mit 16 Toten kreiden die Studierenden, die die Proteste anführen, der Schlamperei und Korruption der Vučić-Regierung an. Diese reagierte auf die Universitätsbesetzungen, Straßenblockaden und Großdemonstrationen auch mit Gewalt, willkürlichen Verhaftungen und Entlassung von sympathisierenden Lehrern.

"Noch nie zuvor war eine Regierung so gewalttätig und bösartig gegenüber der akademischen Welt, nur weil sie nicht mehr länger schweigen wollte", sagte der Rektor der Universität Belgrad, Vladan Djokić, in seiner Ansprache am Dienstagabend. Vladimir Ristić, ein entlassener Direktor einer Grundschule in Pancevo bei Belgrad, betonte: "Bildung soll den Menschen dazu befähigen, zu denken, sich ein Urteil zu bilden und an der Gesellschaft teilzuhaben, nicht zu schweigen." Er stehe heute hier "als ein Mann, der sich weigert, eure Zukunft zu verraten", fügte er hinzu.

Versammlungen mit Inhalten statt Protesten

Die Studentinnen und Studenten hatten gut ein Jahr lang praktisch alle Universitäten in Serbien besetzt. Im November beendeten sie die Blockaden des Uni-Betriebs. Derweil konzentrieren sie ihre Kräfte auf den politischen Kampf, um vorgezogene Neuwahlen zu erzwingen. Umfragen zufolge könnte das Vučić-Lager solche verlieren. Ihre Straßendemonstrationen wollen die Studierenden nunmehr nicht mehr als Proteste verstanden wissen, sondern als Bürgerversammlungen, bei denen sie Sachthemen - wie die Bildung - ansprechen wollen.

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