Selenskij: Friedensgespräche könnten in Österreich stattfinden

Für Friedensverhandlungen mit Russland kämen auch der Vatikan oder die Türkei infrage, so der ukrainische Präsident.
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Zusammenfassung

  • Selenskij sieht Österreich, den Vatikan oder die Türkei als mögliche neutrale Orte für Friedensverhandlungen mit Russland.
  • Nach dem US-Angriff auf den Iran hält Selenskij Putin für geschwächt und betont die Bedeutung der Ukraine als europäische Frontlinie.
  • Selenskij warnt vor Engpässen bei Waffenlieferungen und betont die Unterstützung durch Italien sowie die Verschiebung von Wahlen bis Kriegsende.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij sieht das neutrale Österreich als möglichen Ort für Friedensverhandlungen mit Russland. Trotz des Angriffs der USA auf den Iran sei das diese Woche geplante trilaterale Treffen mit den Amerikanern nicht verschoben worden, erklärte Selenskij im Interview mit der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera.

"Das nächste Treffen könnte also wie geplant am Donnerstag oder Freitag stattfinden, vielleicht nicht in Abu Dhabi. Ich würde Genf oder zumindest einen europäischen Ort bevorzugen, denn der Krieg findet auf unserem Kontinent statt. Wenn Russland einen neutralen Ort will, kommen Österreich, der Vatikan oder die Türkei infrage. Wir hoffen auf einen weiteren Gefangenenaustausch", so Selenskij.

Selenskij sieht Putin nach Iran-Angriff geschwächt

Nach dem Angriff auf den Iran sei der russische Präsident Wladimir Putin schwächer. "Putin redet, aber handelt nicht - das zeigt, dass er ein schwacher Verbündeter der Iraner ist", erklärte der ukrainische Präsident.

Die Ukraine sei die europäische Frontlinie. "Wir sind eure Verteidigung, und die Europäer wissen das. Das sieht man jetzt im Nahen Osten: Gegen iranische Drohnen reichen Flugzeuge und Raketen allein nicht aus", so der Präsident.

"Iraner produzieren viele Waffen für Russland"

Selenskij begrüßte den Beschluss der USA, iranische Militärziele zu attackieren. "Die Iraner produzieren viele Waffen für Russland, insbesondere Drohnen und Raketen. Jetzt werden sie das wohl nicht mehr tun können - vielleicht werden stattdessen die Russen sie bewaffnen", sagte Selenskij .

Mit der Attacke auf den Iran sei ein Regime angegriffen worden, das Atomwaffen bauen will. "Die Ukraine hingegen wurde mit Bodentruppen überfallen; seit zwölf Jahren versucht Russland, uns mit Gewalt zu besetzen. Im iranischen Szenario sehe ich eher die Gefahr eines lang anhaltenden Krieges. Wenn nicht verhandelt wird, wird es immer mehr zivile Opfer geben - der Iran ist eine Gesellschaft, die zwischen Regimeanhängern und -gegnern gespalten ist", so der ukrainische Präsident.

Sorge um Nachschub

Angesichts der israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran befürchtet Selenskij Probleme für sein eigenes Land im Krieg gegen Russland. "Es könnte schwierig werden, Raketen und Waffen für die Verteidigung unseres Luftraums zu beschaffen", sagte Selenskij der italienischen Tageszeitung. "Die Amerikaner und ihre Verbündeten im Nahen Osten könnten diese zur Verteidigung benötigen, zum Beispiel Anti-Patriot-Raketen." 

Der ukrainische Präsident verwies auf Erfahrungen während der Angriffe der USA und Israels auf den Iran im Juni vergangenen Jahres. Damals habe sich die Lieferung von Raketen an sein Land verzögert. "Heute ist das noch nicht geschehen, aber ich befürchte, dass es sich wiederholen könnte." Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass es "nicht zu einem langen Krieg" komme.

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