Schwammerl und Wildschweine immer noch von Tschernobyl belastet

Ein Korb voller verschiedener Pilze steht zwischen zwei Paar Gummistiefeln im Wald.
35 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl wurde der Cäsium-137-Grenzwerk um das Zwölffache überschritten.

Die stark radioaktiven Pilze sind noch immer eine Folge des Kernreaktorunfall von Tschnernobyl vor 35 Jahren. Besonders häufig stammen sie aus Oberösterreich.  Auch beim Wild sehen die Forscher genauer hin, besonders auf Wildschweine, die erfahrungsgemäß stärker belastet sind als andere Wildarten.

36 Jahre nach der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl können Pilze immer noch radioaktiv kontaminiert sein. Eine bayerische Expertin rät, selbst gesammelte Pilze nur in Maßen zu essen.

Regionale Unterschiede

Die radioaktive Belastung von Wildpilzen und von Wildfleisch korreliert im Wesentlichen mit der lokalen Kontamination der Böden. Die Bodenbelastung mit Radiocäsium ist in Österreich nicht gleichmäßig, sondern regional stark unterschiedlich. Höhere Belastungen treten in Gegenden auf, in denen es während des Durchzugs der vom Tschernobylunfall kontaminierten Luftmassen stark geregnet hat. Die regionale Verteilung der Cäsium-137-Belastung in Österreich ist in der Cäsiumkarte von Österreich zu finden. Höher belastete Gebiete sind vor allem im westlichen Niederösterreich, der westlichen Obersteiermark, in weiten Teilen Oberösterreichs und Salzburgs sowie im Koralpengebiet anzutreffen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im bayerischen Salzgitter veröffentlichte am Montag den neuen Pilzbericht. Die Pilze seien vor allem mit Cäsium-137-Isotopen kontaminiert, die hauptsächlich vom Reaktorunfall in Tschernobyl im April 1986 stammen.
Cäsium-137 kann sich laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) im Knochengewebe einlagern und dort das Erbgut schädigen. Langfristig kann das zu Knochenkrebs und Leukämie führen.

Grenzwert deutlich überschritten

Das BfS untersucht jährlich wildwachsende Speisepilze an acht Standorten in Bayern auf eine Belastung mit dem Isotop. Demnach sind vor allem der Bayerische Wald, Mittenwald an der Grenze zu Österreich und das Donaumoos südwestlich von Ingolstadt betroffen. Teilweise wurden laut dem Bundesamt über 4000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Pilze gemessen. Der Grenzwert für Pilze im Handel liegt bei 600 Becquerel. "Als Faustregel gilt, dass die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium-137 mit Lebensmitteln bei Erwachsenen zu einer Strahlenexposition von etwa 1 Millisievert führt", heißt es in dem Bericht.

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Strahlenexposition aus natürlichen Quellen liegt in Deutschland innerhalb eines Jahres bei 2,1 Millisievert. Zwar sei die Strahlenbelastung vergleichsweise gering, wenn wildwachsende Speisepilze in üblichen Mengen konsumiert werden. BfS-Präsidentin Inge Paulini rät dennoch, in Bayern selbst gesammelte Pilze nur in Maßen zu verzehren, "um eine unnötige Strahlenbelastung zu vermeiden".

Besonders belastet sind laut dem Bundesamt unter anderem Semmelstoppelpilze, Rotbraune Semmelstoppelpilze, Maronenröhrlinge und Trompetenpfifferlinge. Eher unbedenklich seien Blutende Waldchampignons, Safran-Riesenschirmlinge, Braunschuppige Riesenchampignons und Sternschuppige Riesenschirmlinge. Auch Zuchtpilze wie Champignons und Austernseitlinge seien kaum belastet.

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