Schottlands Regierungschef Alex Salmond umringt von Unabhängigkeitsbefürwortern.

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Schotten-Referendum
09/09/2014

Cameron reist am Mittwoch nach Schottland

Separatisten immer mehr im Aufwind. Der britische Premier will es nun persönlich richten.

In Großbritannien werfen Regierung und Opposition ihr ganzes politisches Gewicht in die Waagschale, um die drohende Loslösung Schottlands beim Unabhängigkeitsreferendum am 18. September zu verhindern. Premierminister David Cameron und Oppositionsführer Ed Miliband wollen am Mittwoch gemeinsam nach Schottland reisen, um die Werbetrommel für das Nein zu rühren.

Am Mittwoch findet im Londoner Unterhaus die Fragestunde des Premierministers statt, der wichtigste Termin der britischen Politwoche. Statt dort im britischen Parlament die Klingen zu kreuzen, wollen Cameron, Miliband sowie der liberaldemokratische Vizepremier Nick Clegg nun gemeinsam den Schotten ins Gewissen reden.

Umfragehoch

Nachdem die Unabhängigkeitsgegner in den Umfragen lange Zeit deutlich in Führung gewesen waren, zeigte eine am Sonntag veröffentlichte Erhebung erstmals eine knappe Ja-Mehrheit. Eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage zeigte ein Patt von 41 zu 41 Prozent.

Um ihnen den Verbleib im Vereinigten Königreich schmackhaft zu machen, versprachen die drei großen Parteien den Schotten am Dienstag mehr Eigenständigkeit bei einer "Nein"-Mehrheit am 18. September. "Es gibt viel, das uns trennt - aber etwas, worüber wir leidenschaftlich einer Meinung sind. Das Vereinigte Königreich ist zusammen besser", erklärten Cameron, Miliband und Clegg am Dienstag. "Aus diesem Grund sind wir drei der Meinung, dass wir morgen in Schottland sein sollten und nicht bei der Fragestunde des Premierministers in Westminster."

Zeitplan

Am Dienstagabend hatte der frühere Premierminister Gordon Brown (Labour) einen Zeitplan für die sogenannte Devolution vorgestellt. Demnach soll Edinburgh schon im Jänner neue Kompetenzen übertragen bekommen. Welche dies im Detail sein würden, solle die Regierung in London bis Ende Oktober vorschlagen, dann folge eine Beratungsperiode. Dass London Macht an Edinburgh übertragen werde, hatte Schatzkanzler George Osborne am Sonntag angekündigt.

Schottlands Regierungschef Alex Salmond von der Nationalpartei SNP bezeichnete den Plan als "Bestechung". Der angebliche Plan enthalte "nichts Neues". Es handle sich nur um eine "Neuverpackung" der bereits im Frühjahr gemachten Ankündigungen. "Heute ist die Nein-Kampagne endgültig zusammengebrochen", frohlockte Salmond.

Grenzen zu ziehen ist noch keine Antwort

Es fällt schwer, sich der Begeisterung zu entziehen, die in Schottland und der spanischen Region Katalonien weite Teile der Bevölkerung erfasst hat. Ein eigener Staat, die Loslösung von einem traditionell ungeliebten Mutterland, ist auf einmal zum Greifen nahe. In Schottland stimmt man kommende Woche (zum Artikel), in Katalonien aller Erwartung nach im November (mehr dazu lesen Sie hier), über die Unabhängigkeit ab. Da schwenken auf einmal junge Leute Nationalflaggen, stimmen auf der Straße Hymnen an und begeistern sich für eine politische Idee – und die ist natürlich bestechend simpel. Die Grenze, die man um die neue Heimat ziehen will, ist nicht nur eine Möglichkeit, die eigene, vielleicht bisher recht wackelige Identität auf einen Sockel zu stellen, sondern scheinbar auch alle Schwierigkeiten – ob wirtschaftlich oder politisch – dahinter abzulagern. Für all das kann man auf einmal die anderen, jenseits der Grenze verantwortlich machen

Ist es nicht das gierige, und obendrein rechts der Mitte regierte London, das den Ölreichtum der Schotten anzapft, das faule, bürokratische Madrid, das dem arbeitsamen Katalonien die Steuerschrauben anzieht? So leicht funktionieren auf einmal Schuldzuschreibungen. Doch nur solange, bis die tatsächlich zum Ziel führen – und diese Regionen auf einmal als Staat dastehen. Dann gibt es kein London mehr, das für Schottlands krasse soziale Gegensätze verantwortlich gemacht werden kann, für seine oft veraltete, nicht konkurrenzfähige Industrie, kein Madrid, dem man die Schuld für Kataloniens kollabierendes Bankensystem geben kann. Eine Grenze, irgendwoher aus der Geschichte herbeizuzaubern, löst keine Probleme, sie ist oft nur ein billiger Vorwand, um mit Vorurteilen Politik zu machen.

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