Leicht lachen haben die Queen, Philip und Charles, hier bei schottischen Highland-Games: Auch ein unabhängiges Schottland behält die Krone.

© REUTERS/RUSSELL CHEYNE

Schottland-Referendum
09/07/2014

Der Kampf um Schottlands Unabhängigkeit

Wenige Tage vor dem Referendum über eine Loslösung von Großbritannien setzt eine Umfrage London unter Schock.

von Konrad Kramar

Die Panik ließ sich nicht mehr verbergen. Noch in der Nacht auf Sonntag schickten die Gegner der Unabhängigkeit Durchhalteparolen aus. Man werde die Kampagne verstärken, in ganz Schottland von Tür zu Tür gehen, um den Menschen klarzumachen, dass es besser sei, bei Großbritannien zu bleiben, als den Weg in die Unabhängigkeit zu riskieren: "Das ist ein Kampf um Schottland – und den werden wir gewinnen."

Allein, danach sieht es derzeit nicht aus. Eine aktuelle Umfrage vom Wochenende signalisiert den dramatischen Umbruch in der politischen Stimmung in Schottland. Erstmals liegen die Befürworter der Unabhängigkeit vor deren Gegnern. Gerade einmal zehn Tage vor der Volksabstimmung über die Unabhängigkeit am 18. September haben die Separatisten, die über Monate unverrückbar im Rückstand lagen eindeutig den politischen Wind in ihrem Rücken.

Der Umfrageschock ließ auch die britische Politik in hektische Aktivität verfallen . Schatzkanzler George Osborne, der das Thema bisher elegant ignoriert hatte, nützte einen TV-Auftritt, um ein Sofort-Programm für Schottland anzukündigen. Noch vor dem Referendum werde die Regierung ein Paket mit Maßnahmen vorlegen. Schottland werde mehr finanzielle und politische Autonomie, seine Bürger verbesserte Sozialleistungen erhalten. Sobald Schottland "Nein" zur Unabhängigkeit gesagt habe, würde all das in die Wege geleitet: "Der Countdown läuft schon – und dann bekommt Schottland das Beste aus beiden Welten."

Angst vor dem Euro

"Das Beste aus beiden Welten", das ist die Parole, mit der die Unabhängigkeits–Gegner seit Monaten werben. Doch dahinter steht vor allem eine Negativ-Kampagne. Die Unabhängigkeit sei ein großes Risiko. Niemand wisse, wie es tatsächlich weitergehe: Mit Schottlands EU-Mitgliedschaft, den nicht mehr so wie einst sprudelnden Erdöleinnahmen und vor allem mit der Währung, dem britischen Pfund. Denn das, so drohen Londoner Politiker unablässig, würden die Schotten auf keinen Fall behalten können. Eine Einführung des Euro aber, ist für die meisten Bewohner der britischen Insel eine offene Drohung. Ed Miliband, Chef der oppositionellen Labour-Partei ließ sich am Sonntag sogar dazu hinreißen, über die Einrichtung von Wachposten an der Grenze zu Schottland zumindest laut nachzudenken.

All das macht es Schottlands Regierungschef Alex Salmond leicht, seiner Kampagne für die Unabhängigkeit eine positive Grundstimmung zu verleihen. Der hemdsärmelige linke Nationalist skizziert ein unabhängiges Schottland als eine sozial-gerechtere, europafreundliche Antwort auf das konservativ regierte, zunehmend EU-feindliche Großbritannien. Das London darauf noch ein überzeugende optimistische Antwort findet, bezweifeln die britischen Medien inzwischen. Also übt man sich auch dort in Schwarzmalerei – so wie etwa ein Kommentator des Guardian: "Wir haben noch zehn Tage Zeit, um das Vereinigte Königreich zu retten."

Arme Region: Schottlands traditionelle Industrien Stahl, Kohle und Schiffsbau sind seit Jahrzehnten in der Krise. Das Nordsee-Öl dagegen spült jährlich Milliarden in die britische Staatskasse, auch Whiskey, der zweitstärkste Wirtschaftszweig, boomt.

Alter Traum: UnabhängigkeitSeit 1707 bilden Schottland und England offiziell eine Union. Doch das Land stand schon lange davor unter englischer Kontrolle. Seit 1999 hat das Parlament in Edinburgh wieder weitreichende politische Autonomie.

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