Nach tödlichem Straßenbahn-Unfall – Protestwelle in Sarajevo

In der bosnischen Hauptstadt ist eine Straßenbahn in einer Kurve entgleist. Dabei ist ein Mensch gestorben, mehrere wurden verletzt.
Demonstranten halten Schilder und ein Schwarzweiß-Porträt bei einer Kundgebung.

Zu einem tragischen Vorfall in Sarajevo, der ein Menschenleben kostete, kam es vergangenen Donnerstag, als eine Straßenbahngarnitur in eine Kurve fuhr, entgleiste und in eine belebte Haltestelle krachte. Dabei touchierte die Straßenbahn ein fahrendes Auto. Aufnahmen einer Dashcam zeigen die dramatischen Szenen, die sich rasch in den sozialen Medien verbreiteten.

An der Haltestelle wartete auch der 23-jährige Kunststudent Erdoan Morankić. Für ihn kam jede Hilfe zu spät – er erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen. Laut Polizeiangaben wurden vier weitere Menschen verletzt, einem 17-jährigen Mädchen musste ein Bein amputiert werden.

Unfallursache noch unklar

Wie es zu dem Unfall kam, ist noch unklar. Der Straßenbahnfahrer, der nach dem Vorfall festgenommen wurde, ist wieder auf freiem Fuß. Während die Gewerkschaft der Straßenbahnfahrer technisches Versagen als Ursache vermutet, geht die Staatsanwaltschaft von menschlichem Fehlverhalten aus. 

Seit dem Straßenbahnunfall versammeln sich in Sarajevo täglich um 12 Uhr tausende Menschen an der Stelle des Unfalls nahe dem Landesmuseum von Bosnien und Herzegowina. Zu den Protesten hatten Studenten und Schüler über Social Media aufgerufen. Sie richten vier konkrete Forderungen an die Behörden: Sie fordern eine transparente Aufklärung des Unfalls, die Außerbetriebnahme aller alten Straßenbahngarnituren, den Rücktritt der Verantwortlichen, sichere öffentliche Verkehrsmittel und die Aussetzung der Privatisierung des öffentlichen Nahverkehrs.

Politische Konsequenzen

Die Forderungen der Bürger scheinen weitreichende Konsequenzen nach sich zu ziehen: Verkehrsminister Adnan Šteta erklärte am Montagabend, dass alle alten Straßenbahnen außer Betrieb genommen werden. Diese sollen erst nach einer gründlichen Überprüfung wieder eingesetzt werden.

Der Ministerpräsident des Kantons Sarajevo, Nihad Uk, gab nach dem tragischen Unfall seinen Rücktritt bekannt. Auch der Direktor des öffentlichen Nahverkehrsunternehmens in Sarajevo (GRAS), Senad Mujagić, legte sein Amt nieder.

Derzeit können die Aufnahmen der Straßenbahnkamera, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft ausgewertet werden, nicht veröffentlicht werden, da sie als Beweismittel gelten, heißt es aus der Kantonstaatsanwaltschaft Sarajevo. Außerdem sollen weitere Videoaufnahmen von Einrichtungen in der Nähe des Unfallorts beschlagnahmt werden.

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