Kühlschränke, Altreifen, Plastik: Müllteppich auf der Drina

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In der Drina sammelt sich der Müll aus drei Ländern, eine ökologische Katastrophe bahnt sich an.

Der Fluss Drina schlängelt sich von Montenegro über Bosnien und Herzegowina nach Serbien, wo er in die Save und damit bei Belgrad in die Donau mündet. Insgesamt ist der Fluss ca. 346 Kilometer lang. Wegen seiner Schluchten, Canyons und seiner charakteristisch grünen Farbe gilt er als einer der schönsten Flüsse des Westbalkans. Er ist wichtig für den Wassersport, aber auch für den Naturtourismus in der Region.

Fun Fact: Der Schauspieler Robert De Niro nannte seine Tochter Drena – der Name geht auf den Roman des Nobelpreisträgers Ivo Andrić zurück: "Die Brücke über die Drina".

Alles eigentlich Gründe, um mit dem Fluss sorgsam umzugehen – dem ist aber nicht so. Das grün schimmernde Wasser sieht man vor lauter Müll kaum noch: Plastik, Altreifen, Treibholz, Möbel, rostige Fässer, Haushaltsgeräte und sogar verendete Tiere finden sich in der Drina. Der Fluss dient quasi als Mülldeponie für drei Länder: Bosnien, Serbien und Montenegro.

Floating waste dump on Bosnian river affects health

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Floating waste dump on Bosnian river affects health

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Situation der Drina dramatisch

Das Problem staut sich wortwörtlich seit Jahrzehnten: Im Winter schwellen die Flüsse in der Region an, die den Müll mit sich reißen und ihn flussabwärts treiben. Einem Bericht von Euronews zufolge bleibt der Müll an Barrieren vor dem Wasserkraftwerk in der Stadt Višegrad stecken.

"Das ist ein klares Beispiel für fehlenden politischen Willen und die Untätigkeit aller zuständigen Institutionen", sagt der Aktivist Dejan Furtula. Er lebt in Višegrad und leitet die Umweltorganisation Eko Centar. Der Müll komme jedes Jahr, sagt Furtula gegenüber bosnischen Medien. 

Die in diesem Jahr in Višegrad angelieferten Müllmengen bestätigten die Tatenlosigkeit der Institutionen, die bisher keinerlei Maßnahmen ergriffen hätten, erklärt Furtula. Lediglich im Jahr 2022 sei die Situation noch dramatischer gewesen, als noch größere Müllmengen verzeichnet worden seien. In den darauffolgenden Jahren sei die Menge zwar etwas geschrumpft, dennoch sei die Situation an der Drina alarmierend.

5.000 bis 10.000 Kubikmeter schwimmender Müll

Einem Bericht von Voice of America aus dem Jahr 2023 zufolge sollen sich im Winterhalbjahr etwa 5.000 bis 10.000 Kubikmeter schwimmender Müll beim Stauwerk nahe Višegrad befinden. "Das ist eine ökologische Katastrophe“, sagt Dejan Furtula gegenüber Euronews. 

"Die Drina ist reich an Fischen, und man kann sich vorstellen, welche Giftstoffe hier freigesetzt werden. Es ist von allem etwas dabei, es ist eine große Katastrophe." Der Abfall soll von illegalen Müllhalden stammen; auch zahlreiche kleinere Zuflüsse der Region münden in die Drina und schwemmen so noch mehr Müll hinzu. Laut Furtula könnte man illegale Müllkippen genauer erfassen, aber auch Kameras installieren, um jene zu verfolgen, die den Müll abladen.

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