Politik | Ausland
15.03.2016

Warum Putin seine Truppen aus Syrien abzieht

Am Dienstag startete der überraschende Abzug der russischen Truppen aus Syrien.

"Die Aufgabe, die dem Verteidigungsministerium und den Streitkräften gestellt war, ist im Großen und Ganzen erfüllt." Mit diesen Worten gab der russische Präsident Wladimir Putin am Montag den Rückzug seiner Truppen aus Syrien bekannt. Für diese überraschende Meldung gibt es mehrere Gründe. Eine Annäherung.

Überblick: Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Einfluss im Nahen Osten

Syrien ist das einzige Land, in dem Russland einen Militärposten (einen Marinestützpunkt in der syrischen Hafenstadt Tartus) außerhalb des eigenen Gebietes hat. Als es so aussah, dass Putin-Intimus Baschar al-Assad die Macht – und somit auch Putin seinen Einfluss im Nahen Osten - verlieren könnte, trat Russland vor sechs Monaten in den Konflikt ein.

Es ist kein Geheimnis, dass Russland nicht nur den "Islamischen Staat", sondern vielmehr die syrischen Rebellen bombardierte. Laut einer Analyse von vox.com wurde mittlerweile gerade genug Territorium erkämpft, damit Assad politisch überleben kann – jedoch nicht genug, um den Krieg tatsächlich zu gewinnen.

Interventionen von außen sind eine Sackgasse

Der Konflikt in Syrien geht dieser Tage in sein sechstes Jahr. Und egal welches Land es mit einer Intervention versuchte – Saudi Arabien, Türkei, Iran und Amerika -, es scheiterte. Der Krieg in Syrien ist hauptsächlich ein Krieg zwischen der Regierung um Assad und den Rebellen. Auch Russland wird dieses Problem nicht lösen können.

Putin sitzt jetzt am Verhandlungstisch

Dafür hat sich Putin mit dem russischen Einsatz einen Platz am Verhandlungstisch der Friedensgespräche gesichert. Auch der Zeitpunkt wurde von ihm gut gewählt, denn Syrien versucht gerade einen Waffenstillstand. Dieser ist zwar sehr fragil und zeitweise brüchig, allerdings sind nun Hilfskonvois möglich und es können Menschenleben gerettet werden. Würden die russischen Truppen weiterhin Rebellen bombardieren, würde dies nicht nur seine Stellung am Verhandlungstisch schmälern, es wäre auch ein falsches Signal an die restliche Welt.

Russlands Signal an Syrien

Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass der Einfluss von Putin auf Assad begrenzt ist. Will Moskau ebenfalls Frieden in der Region, muss der syrische Machthaber dazu gedrängt werden. Mit dem Abzug von Truppen schwächt Russland das Regime in Syrien, setzt Assad unter Druck und macht Friedensgespräche für ihn attraktiver.

Ganz abziehen wird Putin die Truppen allerdings nicht. Der russische Stützpunkt und der Flugplatz in Hmeimim (bei Latakia) bleiben weiterhin bestehen. Damit ist gerade genug militärisches Personal vorhanden, um die Rebellen abzuschrecken.

Die Kosten für Russland

Die erklärten Ziele waren vor seinem Kriegseintritt freilich andere: Er wollte Assad den militärischen Sieg bringen und eine globale Koalition gegen die syrischen Extremisten anführen.

Hätte Zweiteres geklappt, hätte Russland nicht nur seinen Einfluss in Syrien weiter ausgebaut, sondern zusätzlich seine Isolation durch den Westen überwinden können - Putins größtes Problem überhaupt. Die Isolation ist weitaus kostspieliger als jeder Militäreinsatz im Nahen Osten.

Zwar akzeptierte der Westen den russischen Einsatz und verzieh Putin auch schon fast den Ukraine-Konflikt, aber die Isolation und dadurch die schlechte wirtschaftliche Stellung wird weiterhin bestehen.

Russlands Volk will den Krieg nicht

Nicht nur außen- auch innenpolitisch brachte der Syrien-Einsatz nicht den erwünschten Sieg für Putin. Stärkte ihm die Bevölkerung 2014 beim Ukraine-Konflikt noch den Rücken, war die Unterstützung in Syrien von Anfang an gering. Und sank, je länger es dauerte.

Zusammenfassung

Für Putin ist der Rückzug in Zeiten der Feuerpause und Friedensverhandlungen der beste Moment, aus dem Krieg auszusteigen. Er sitzt am Verhandlungstisch, muss sich nur noch mit einem Krieg (Ukraine) herumschlagen und kann sich um bessere Beziehungen zum Westen kümmern, damit die Wirtschaft in Russland wieder stärker wird. Dafür muss er aber wirklich aus Syrien abziehen.