Russland greift Ukraine massiv an, Rumänien meldet erste Schäden

Es gab Luftalarm in allen Landesteilen. Trümmer gehen auch in Rumänien nieder.
Eine leuchtende Explosion am Nachthimmel über einer Stadt mit beleuchteten Hochhäusern.

Russland hat in der Nacht auf Samstag eine neue Angriffswelle gegen ukrainische Städte gestartet. Neben Drohnen und ballistischen Raketen kamen nach Angaben der ukrainischen Luftabwehr auch Marschflugkörper zum Einsatz. In beinahe allen Landesteilen wurde Luftalarm ausgelöst und die Bevölkerung aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Auch das benachbarte NATO-Land Rumänien wurde von Drohnentrümmern getroffen und meldete erstmals Sachschäden.

Aus Charkiw und Dnipro wurden schwere Explosionen gemeldet, auch die Hauptstadt Kiew und andere Städte wurden angegriffen. Allein in Dnipro seien mindestens 18 Zivilisten verletzt worden, teilte der regionale Militärverwalter Olexander Ganscha auf Telegram mit. 

Nach Darstellung der ukrainischen Luftwaffe hatten russische Bomber vom Typ Tupolew Tu-95 kurz nach Mitternacht Ortszeit aus großer Distanz über dem Kaspischen Meer eine unbekannte Zahl von Marschflugkörpern abgefeuert. Mit deren Annäherung an die Ukraine starteten die russischen Militärs noch Drohnen und ballistische Raketen, um die ukrainische Flugabwehr mit diesem Waffenmix zu überlasten.

Russland griff mit 619 Drohnen und 47 Raketen an

In ihrer Bilanz sprach die ukrainische Luftwaffe am Samstag in der Früh von 619 feindlichen Drohnen sowie 47 Raketen und Marschflugkörpern verschiedener Typen. 580 Drohnen seien abgefangen worden. Von den Marschflugkörpern Ch-101 und ballistischen Raketen Kalibr seien die meisten ausgeschaltet worden. Kein wirksames Mittel hat die Ukraine gegen Boden-Boden-Raketen vom Typ Iskander-M. Bei dem Angriff seien mehrere Regionen getroffen worden. Besonders im Visier der Russen sei die Stadt Dnipro im Südosten der Ukraine gewesen.

Russland führt seit mehr als vier Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das russische Militär hält knapp ein Fünftel des Nachbarlandes besetzt, daneben versetzen immer neue Luftangriffe vor allem die ukrainische Bevölkerung in Schrecken.

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, in der Nacht seien 127 angreifende ukrainische Drohnen abgefangen worden. Gemeldet wurden Angriffe auf die Wolga-Region, aber auch weit im Osten auf die Städte Perm und Jekaterinburg am Ural. In Jekaterinburg seien sechs Menschen verletzt worden, teilte Gebietsgouverneur Denis Pasler mit, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete. Angaben zu angegriffenen Militärzielen oder Industrieanlagen gab es nicht.

Gebäude und Strommast in Rumänien beschädigt

Nach einem russischen Angriff auf die Ukraine sind auch in der rumänischen Stadt Galati im Südosten des Landes Trümmerteile einer Drohne niedergegangen. Dabei wurden ein Nebengebäude und ein Strommast beschädigt, teilte das Verteidigungsministerium in Bukarest mit. Verletzte oder Tote wurden nicht gemeldet.

Das Ministerium verurteilte Russlands Vorgehen als unverantwortlich: "Solche Vorfälle belegen den mangelnden Respekt der Russischen Föderation vor dem Völkerrecht und gefährden nicht nur die Sicherheit der rumänischen Bürger, sondern auch die kollektive Sicherheit der NATO." Rumänien teilt eine 650 Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Wie üblich bei russischen Angriffen auf die Ukraine stiegen zwei britische Eurofighter-Kampfjets auf, die im Rahmen einer Mission zur Luftraumüberwachung in Rumänien stationiert sind. Zudem wurden die Bewohner des in der Nähe von Galati gelegenen Kreises Tulcea aufgerufen, Schutz zu suchen.

Seit Beginn der russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur sind bereits mehrmals russische Drohnen in den rumänischen Luftraum eingedrungen, wenn Moskau ukrainische Häfen auf der anderen Seite der Donau angriff. Trümmerteile fielen dabei wiederholt auf rumänisches Staatsgebiet, Sachschäden gab es bisher jedoch nicht.

Die Vorfälle haben die Spannungen an der Ostflanke der NATO in den vergangenen Monaten verschärft. Das rumänische Gesetz erlaubt zwar den Abschuss von Drohnen in Friedenszeiten, wenn Leben oder Eigentum in Gefahr sind. Davon machte das Militär bisher jedoch keinen Gebrauch. Um sich besser zu schützen, will das Land in den kommenden Tagen ein KI-gestütztes US-System zur Drohnenabwehr in seine Luftverteidigung integrieren, wie Verteidigungsminister Radu Miruta am Freitag erklärte. Das System wird bereits in Polen eingesetzt.

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