Trotz Krise: Warum Rüstung für Autozulieferer keine Rettung ist
Die Waffenbranche in Österreich blühte lang im Abseits. Durch den langen Schatten der NS-Zeit suchte der Sektor nie die Öffentlichkeit, auch Rüstungsbeschaffungen standen wegen schiefer Gegengeschäfte oft im Zwielicht.
Neue Großaufträge
Putins Krieg gegen die Ukraine hat das geändert. Aufrüsten ist nicht mehr verschrien, sondern eine Notwendigkeit; das Bundesheer etwa will bis 2032 in Summe 17 Milliarden Euro investieren. „Wer jetzt schon im Defensesektor ist, kann natürlich jubeln“, sagt Clemens Zinkl, Geschäftsführer der ARGE Automotive Zulieferindustrie. Das gilt nicht nur für traditionelle Waffenhersteller, auch andere Industriebereiche dockten schon vor Jahren an die Branche an – der Metallveredler Pankl baut in Kapfenberg Leichtbau-Antriebskomponenten und -systeme auch für militärische Nutzung, die Maschinenfabrik Liezen fertigt für den Rüstungsriesen KNDS, selbst der Kranhersteller Palfinger macht einen kleinen Teil seines Geschäfts im Defensebereich.
Dass die Investitionswelle auch im großen Stil auf seine eigene Branche überschwappt, wie man das etwa in Deutschland hofft, glaubt Zinkl jedoch nicht. „Der Defensebereich ist sehr speziell, er unterscheidet sich in vielem vom Zulieferbereich“, sagt er. Die Umstiegshürden wären dadurch groß: „Das geht nicht von heute auf morgen.“
Vor allem Normen und Zertifizierungen seien aufwendig und teuer, sagt Zinkl – wer etwa Teile für NATO-konformes Gerät produzieren will, muss dafür gut 200.000 Euro in Vorabüberprüfungen investieren und ein bis zwei Jahre Zeit einplanen, heißt es aus der Rüstungsbranche. Dazu kommt, dass Autoteilezulieferer auch in puncto Datenschutz, Compliance und bei Konstruktionsgeheimnisse ganz andere Standards erfüllen müssten, auch Gebäude seien vielfach nicht dafür ausgerüstet.
Selbst wenn sich einige Zulieferer trauen, diese Hürden zu nehmen: Die Einbußen, mit denen die Branche hier zu kämpfen hat – erst vergangene Woche verkündete Nemak eine Werksschließung in Niederösterreich, bei Eitek scheiterte die Sanierung – würde das nicht kompensieren, sagt Zinkl. „Das deckt bei Weitem nicht die Ausfälle.“
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