© APA/AFP/Moscow's Babushkinsky district c/HANDOUT

Politik Ausland
04/19/2021

Ringt Nawalny mit dem Tod? USA warnen Russland vor Konsequenzen

Nach mehr als zwei Wochen Hungerstreik im Straflager geht es dem russischen Regimekritiker offensichtlich immer schlechter.

von Konrad Kramar

Seit Ende Februar sitzt Alexej Nawalny in einem Straflager etwa 100 Kilometer von Moskau entfernt. 

Seit zweieinhalb Wochen ist er im Hungerstreik und die Berichte ĂŒber seinen Gesundheitszustand werden immer dramatischer. Zuletzt soll der prominente Oppositionelle tĂ€glich ein Kilo verloren haben. Ärzte sprechen bereits von einem möglichen Herzversagen bei dem 44-JĂ€hrigen. Nawalny sei jetzt in ein Krankenhaus fĂŒr Gefangene verlegt worden, teilte die GefĂ€ngnisbehörde am Montag mit. Der Gesundheitszustand des Oppositionellen wurde als „zufriedenstellend“ bezeichnet.

USA warnen

Anlass fĂŒr die US-Regierung Moskau eindringlich vor Konsequenzen zu warnen. "Falls Nawalny stirbt“ gebe es verschiedene mögliche Maßnahmen, warnte der nationale Sicherheitsberater von US-PrĂ€sident Joe Biden, Jake Sullivan, am Sonntag im Fernsehsender CNN. Auch mehrere europĂ€ische Regierungen haben sich mit eindringlichen Warnungen an Moskau zu Wort gemeldet, etwa Deutschland oder Frankreich. Das Team Nawalnys rief fĂŒr Mittwoch zu neuen Protesten fĂŒr den Oppositionspolitiker auf.


Montag Abend (18.00 Uhr MESZ) sollten sich die Menschen auf den zentralen PlĂ€tzen der StĂ€dte versammeln, hieß es in einem am Sonntag veröffentlichten Aufruf. Am Mittwoch will der russische PrĂ€sident Wladimir Putin seine Rede an die Nation halten. 
Nawalnys Team hatte bereits neue Demonstrationen angekĂŒndigt, wollte aber erst ein Datum nennen, sobald 500.000 Menschen bereit seien, sich den Aktionen anzuschließen. Bis zum Sonntag hatten sich mehr als 457.000 Menschen auf der Nawalny-Internetseite registriert. „Es gibt UmstĂ€nde, unter denen man schnell handeln muss, sonst entsteht ein irreparabler Schaden“, hieß es in dem Aufruf.

Tochter fordert Hilfe

Die Tochter des Kreml-Kritikers forderte unterdessen wegen des kritischen Zustands ihres Vaters medizinische Hilfe. „Meinem Vater muss ein Doktor erlaubt werden“, schrieb Dascha Nawalny, die an der US-EliteuniversitĂ€t Stanford studiert, auf Twitter. In Russland hatten der Opposition nahestehende Ärzte zuletzt die BefĂŒrchtung geĂ€ußert, dem im Hungerstreik befindlichen Politiker drohe ein Leberversagen. Zugang zu Nawalny sei ihnen aber nicht gewĂ€hrt worden, so die Ärzte.

Protest wegen falscher Behandlung

Der Putin-Gegner  war Ende MĂ€rz in Hungerstreik getreten. Damit wolle er gegen die Weigerung der GefĂ€ngnisbehörden protestieren, ihn wegen akuter RĂŒcken- und Beinschmerzen angemessen zu behandeln. Nach Angaben der GefĂ€ngnisbehörden wurden Nawalny angemessene Behandlungen angeboten, die dieser aber nicht in Anspruch genommen habe. Er habe stattdessen darauf bestanden, von einem externen Arzt seiner Wahl behandelt zu werden. Dies sei abgelehnt worden.
Nawalny zufolge drohen die GefĂ€ngnisbehörden, ihn in eine Zwangsjacke zu stecken und zwangsweise zu ernĂ€hren, falls er weiter keine Nahrung annehme. Russlands Botschafter in Großbritannien sagte dem Sender BBC, Nawalny gehe es nur darum, Aufmerksamkeit zu bekommen. Moskau werde dafĂŒr sorgen, dass er lebt. „Ihm wird nicht erlaubt werden, im GefĂ€ngnis zu sterben“, sagte Botschafter Andrej Kelin dem britischen Sender.

Giftanschlag ĂŒberlebt

Nawalny ist einer der prominentesten Putin-Kritiker. Er hatte 2020 einen Giftanschlag in Russland ĂŒberlebt und war in Deutschland Ă€rztlich behandelt worden. Bei der RĂŒckkehr in seine Heimat im JĂ€nner wurde er festgenommen und zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Dies wurde international scharf kritisiert, die EU und die USA haben zusĂ€tzliche Sanktionen gegen Russland verhĂ€ngt. Nawalny macht Putin persönlich fĂŒr den Giftanschlag verantwortlich. Putin und die Regierung weisen eine Beteiligung zurĂŒck.

ein ActiveCampaign Newsletter Widget Platzhalter.

Wir wĂŒrden hier gerne ein ActiveCampaign Newsletter Widget zeigen. Leider haben Sie uns hierfĂŒr keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte ActiveCampaign, LLC zu.

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare