Politik | Ausland
03/25/2019

Raketen kommen für Netanjahu ungelegen

Eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete trifft ein Haus in Israel - das lässt Wahlkämpfer Netanjahu schwach aussehen

Der Alarm kam für Familie Wolf am frühen Montagmorgen zu spät. Die Rakete aus dem Gaza-Streifen schlug voll in ihr Haus in Mischmeret ein. Nicht in Sichtweite zum Gaza-Streifen, wo Angriffe der militanten Hamas-Islamisten zum Alltag gehören. Die Wolfs wohnen 80 Kilometer weiter nördlich, nahe Tel Aviv. Hier schlugen bisher keine Hamas-Raketen ein.

Die Eltern flüchteten mit drei Kleinkindern und Splitterwunden in den Schutzraum. Die Großmutter erlitt schwere Verletzungen. Die Familie liegt im Hospital.

Sicherheitsexperten warnten seit Monaten: Die Gewalt aus Gaza wird sich durch den Wahlkampf in Israel anheizen. Jetzt warnt auch Premier Benjamin Netanjahu: „Wir schlagen mit voller Wucht zurück.“

Aus dem Kreislauf mit Angriffen und Gegenangriffen wird ein Ausscheren immer schwerer. Zurückschlagen? Es gibt kein militärisches Ziel in Gaza, das nicht schon mehrfach von Israels Bomben zertrümmert worden wäre. Kommen die Gegenschläge, sind die Hamas-Einrichtungen schon längst von allen Kämpfern geräumt. Hinzu kommt eine neue Taktik: Niemand von den Untergrund-Zellen im Gaza-Streifen übernimmt die Verantwortung nach schweren Angriffen, die Hamas bestreitet die Tat. Was Gegenschläge Israels nicht verhindert, aber die Zielsuche erschwert.

Israel bliebe noch das Mittel gezielter Anschläge gegen Hamas-Führer. Vor Jahren war es ein oft probiertes Mittel. Das jedoch ohne spürbare Wirkung blieb.

Hamas unter Druck

Also ein Sieg der Hamas? Wohl kaum. Die zum politischen Kompromiss unfähigen Islamisten geraten immer mehr unter Druck. Das wirtschaftliche Elend im Gaza-Streifen wächst und wächst. In den letzten Wochen kam es zu Straßenprotesten gegen die Hamas in Gaza. Dabei war Israel bereit, Geld in Gazas Wirtschaft fließen zu lassen. Gegen den Widerstand der palästinensischen Autonomie-Regierung (PA) unter Präsident Mahmud Abbas. Die liefert sich mit Hamas einen unerbittlichen Machtkampf.

Das Geld floss dann doch mithilfe ägyptischer Unterhändler und Banken in Katar. Aber die im Gegenzug erwartete Waffenruhe kann die Hamas nicht einhalten. Ohne Raketen gegen Israel verliert sie im Machtkampf mit der PA. Noch ein Teufelskreis: Mit Raketen kein Geld. Ohne Raketen bedeutungslos.

Als die Rakete mitten in Israel einschlug, befand sich Netanjahu in Washington. Die Reise sollte der Höhepunkt seines Wahlkampfs werden: Nicht der Korruptionsverdächtige, sondern der Staatsmann auf dem roten Teppich. Als unverhohlene Wahlkampfhilfe hatte US-Präsident Donald Trump sogar die Anerkennung der von Israel annektierten Golan-Höhen angekündigt und gestern vollzogen. Es sollte die Wende im Wahlkampf werden und Netanjahus Likud-Partei gegen den Herausforderer Benny Gantz wieder in Führung bringen. Stattdessen: kommt von rechts und links jetzt die Frage, warum Netanjahu in Gaza bisher erfolglos blieb.