Langjähriger Kreml-Propagandist in Nervenklinik eingewiesen
Zusammenfassung
- Kreml-naher Blogger Ilja Remeslo wurde nach scharfer Kritik an Präsident Putin in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.
- Remeslo war zuvor als Unterstützer des Regimes und Gegner der Opposition bekannt, kritisierte nun aber offen Putins Politik und Legitimität.
- Die Einweisung wird als Warnung verstanden, da psychiatrische Kliniken in Russland traditionell zur Unterdrückung von Dissidenten genutzt werden.
Ein langjähriger Kreml-Propagandist ist Medienberichten zufolge nach einer überraschenden politischen Kehrtwende in eine psychiatrische Klinik eingeliefert worden.
Der Blogger Ilja Remeslo sei in St. Petersburg in die Psychiatrie Nummer 3 eingewiesen worden, berichtete etwa das russische Internetportal Fontanka. Zuvor hatte Remeslo, der bis dahin als Denunziant der russischen Opposition bekannt war, mit scharfer Kritik an Kremlchef Wladimir Putin für Aufsehen gesorgt.
Politischer Sinneswandel
Auf seinem Telegramkanal schrieb er, dass Putin als Präsident illegitim sei und vor ein Kriegsgericht gehöre. Putin habe das Land mit dem Ukraine-Krieg politisch und wirtschaftlich in die Sackgasse geführt, die Medienfreiheit erstickt und sei nun dabei, das Internet abzuschalten, klagte Remeslo.
Die Aussagen führten zu zahlreichen Spekulationen, war der 42-jährige Jurist in der Vergangenheit doch etwa als Zeuge der Anklage in den Prozessen gegen Kremlkritiker Alexej Nawalny aufgetreten und hatte die Annexion der Krim öffentlich bejubelt.
Die Reaktion der russischen Behörden auf den Sinneswandel Remeslos dürfte auch als Warnung verstanden werden. Schon zu Sowjetzeiten wurden Nervenheilanstalten als Instrument zur Unterdrückung Andersdenkender missbraucht.
Die Zwangsunterbringung zahlreicher Dissidenten dort diente dazu, sie zu diskreditieren und ihren Willen zu brechen.
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