Leitartikel
07/09/2015

Pippi Langstrumpf hilft den Griechen nicht

Die griechische Regierung muss die Welt endlich so akzeptieren, wie sie ist, nicht, wie sie sie gerne hätte.

von Helmut Brandstätter

Zwei mal drei macht vier, widewidewitt, ... ich mach mir die Welt, widewidewie sie mir gefällt." Wer dem Syriza-Politiker Giorgios Chondros in den letzten Tagen in den deutschsprachigen TV-Sendern zuhörte, musste den Eindruck gewinnen, Pippi Langstrumpf hat einen großen griechischen Bruder. Für ihn ist das Ergebnis des Referendums vom Sonntag, dass sich Europa nun radikal verändern müsse. Er und sein Chef Alexis Tsipras wollen noch immer nicht verstehen, dass die Regierung in Athen endlich beginnen muss, dem Land eine Verwaltung zu geben. Dazu braucht es sinnvolle Steuergesetze, die Abschaffung von Privilegien, von den Reedern bis zur orthodoxen Kirche, und Rückführung von Schwarzgeld aus der Schweiz.

Der Syriza-Regierung ist es bis jetzt gelungen, die Schuld für die verheerende wirtschaftliche Lage in einem angeblichen Spardiktat zu suchen. Und die Lösung in einem Schuldenschnitt. Dabei werden in den kommenden Jahren ohnehin keine Schulden zurückgezahlt, und je mehr Einnahmen der Staat generiert, umso weniger muss er sparen. Wobei Einsparungen beim Militär höchst sinnvoll wären, aber beim rechtspopulistischen Koalitionspartner ANEL nicht durchzubringen sind.

Und weil die Demokratie per Referendum so hochgelobt wird: Das demokratisch gewählte Europäische Parlament hat gestern heftig diskutiert und der Liberale Guy Verhofstadt hat großen Applaus bekommen, als er erklärte, dass die Griechen sich zwar anstrengten, aus der Krise zu kommen, ihre politische Klasse aber nicht. Die malt sich ihre eigene Welt und besorgt das Geschäft der Populisten von links und rechts. Die wollen ein anderes Europa. Bis jetzt haben sie dafür keine Mehrheit.

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