Nächster Top-General weg: Der US-Kriegsminister führt Krieg gegen das eigene Militär

Pete Hegseth baut die US-Militärspitze mitten im Krieg mit dem Iran weiter um. Nun muss auch Heereschef Randy George gehen.
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Kid Rock klatscht, salutiert, reckt die Faust freudig in die Luft. Der Sänger steht auf seinem Anwesen im US-Bundesstaat Tennessee. Wenige Meter über seinem Pool fliegt ein Kampfhubschrauber der US-Armee. Zu sehen ist das in einem Video, das der bekennende Trump-Anhänger selbst ins Netz gestellt hat.

Für die Piloten hätte das Manöver eigentlich Konsequenzen haben müssen; sie  befanden sich offiziell nämlich auf einer Trainingsmission. Das US-Militär leitete nach dem Vorfall eine interne Ermittlung ein und suspendierte die Piloten vorübergehend –  bis sich Pete Hegseth einschaltete und das Verfahren kurzerhand abdrehte. „Macht weiter, Patrioten“, schrieb der US-Verteidigungsminister auf der Plattform X.

Empörung über Einmischung

Dass sich der Pentagon-Chef so unverblümt in die militärische Befehlskette einmischt, sorgt in den USA für Empörung. Es sei ein weiteres Indiz für Hegseths „Verachtung der rechtlichen Rahmenbedingungen im Militär“, kritisierten etwa die New York Times. 

Der nächste Paukenschlag ließ aber nicht lange auf sich warten: Am Donnerstag entließ Hegseth, der sich „Kriegsminister“ nennen lässt, den Stabschef des US-Heeres, General Randy George. Mitten im Krieg mit dem Iran - während sich Berichte über einen möglichen US-Bodeneinsatz mehren - ist das ein beispielloser Schritt.

Feldzug gegen Militär

George ist damit das jüngste Opfer von Hegseths Feldzug gegen die eigene Armee. Einen Grund für die Entlassung blieb das Pentagon zwar schuldig. Berichten zufolge stand der General, der unter dem Demokraten Joe Biden nominiert wurde und  noch bis 2027 im Amt verblieben wäre, aber bereits seit Längerem auf der Abschussliste – obwohl er sich durchaus für die Umsetzung zentraler Vorhaben von Trump/Hegseth einsetzte. 

Ausschlaggebend für seinen Rauswurf dürfte letztlich eher ein Konflikt über Personalfragen gewesen sein, der Ende März bekannt geworden war. Hegseth soll sich demnach gegen die Beförderung von vier Offizieren zu Ein-Stern-Generälen gestemmt haben. Für Aufsehen sorgte das, weil es sich um zwei weibliche und zwei schwarze Offiziere handelt. Der frühere Fox-News-Moderator soll George (und auch Heeresminister Dan Driscoll) regelrecht dazu gedrängt haben, ihre Namen von der (überwiegend weißen, männlichen) Beförderungsliste zu streichen. George widersetzte sich – und bat laut NYT um ein persönliches Gespräch, das aber nicht zustande kam. Vom Karriere-Ende erfuhr der General am Donnerstag dann telefonisch.

Der Fall passt ins Bild: Seit seinem Amtsantritt hat Hegseth bereits mehr als ein Dutzend hochrangige Militärs aus ihren Funktionen entfernt. Die Joint Chiefs of Staff, das höchste militärische Beratungsgremium, ist inzwischen fast vollständig neu besetzt. 

Einen konkreten Grund nannte das Pentagon dabei nie. Bekannt ist lediglich, dass Hegseth der militärischen Führungsspitze mangelnde Loyalität gegenüber Präsident Trump vorwirft. Zudem ist er ein erklärter Gegner von Gleichstellungsprogrammen, was er auch im September unterstrich, als er Hunderte Generäle und Admirale aus aller Welt in Virginia versammelte, um sie ideologisch auf Linie zu bringen. Auffällig häufig trafen seine Entlassungen Frauen und Angehörige von Minderheiten.  

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