Pakistan erklärt Taliban in Afghanistan "offenen Krieg"
Zusammenfassung
- Pakistan hat nach gegenseitigen Angriffen der Taliban-Regierung in Afghanistan den "offenen Krieg" erklärt.
- Die pakistanische Luftwaffe griff militärische Ziele in Kabul, Kandahar und Paktia an, woraufhin die Taliban eine Gegenoffensive starteten.
- Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind angespannt, insbesondere wegen Grenzstreitigkeiten und Terrorismusvorwürfen.
Nach gegenseitigen Angriffen mit mehreren Toten hat die pakistanische Regierung der Taliban-Regierung in Afghanistan den "offenen Krieg" erklärt.
"Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und euch", erklärte der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif am Freitag im Onlinedienst X. Die pakistanische Luftwaffe hatte zuvor militärische Einrichtungen in Afghanistan angegriffen, unter anderem in der Hauptstadt Kabul. China zeigte sich besorgt.
Auseinandersetzungen entlang der Grenze
Pakistan bombardierte auch Stellungen in den afghanischen Provinzen Kandahar und Paktia, teilte der Sprecher der islamistischen Taliban-Regierung, Zabiullah Mujahid, auf der Plattform X mit. Es gebe keine Berichte über Opfer. Pakistans Informationsminister Attaullah Tarar bestätigte die Luftangriffe im staatlichen Fernsehsender PTV. Vor diesen Angriffen war es zu heftigen Auseinandersetzungen entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze gekommen.
Am vergangenen Wochenende hatte Pakistan Stellungen in Afghanistan angegriffen. Am Abend schlugen die afghanischen Taliban zurück. Als Reaktion auf die pakistanischen Angriffe sei eine umfassende Offensive auf deren militärische Stellungen eingeleitet worden, hatte Zabiullah Mujahid auf X geschrieben.
2.400 Kilometer lange Grenze
Die Beziehungen zwischen den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan haben sich zuletzt massiv verschlechtert. Die pakistanische Regierung wirft den in Kabul herrschenden Taliban vor, Extremisten der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) Unterschlupf zu bieten, die in Pakistan Anschläge verüben. Die Taliban-Führung weist dies zurück. Erst im Herbst war es zu Gefechten gekommen. Laut UNO-Angaben starben damals 70 afghanische Zivilisten bei pakistanischen Angriffen.
Die Nachbarländer teilen sich eine rund 2.400 Kilometer lange Grenze, die 1893 zwischen dem damaligen Britisch-Indien und dem Emirat Afghanistan entstand. Der Verlauf der als "Durand-Linie" bekannten faktischen Grenze ist zwischen den Ländern umstritten. Seit der Rückkehr der radikalislamischen Taliban an die Macht in Afghanistan im August 2021 gab es immer wieder Scharmützel zwischen Einheiten der beiden Nachbarländer.
Peking und Moskau wollen Ruhe
Pakistan ist Afghanistan militärisch weitaus überlegen. Allerdings verfügen die Taliban über viel Erfahrung in der Guerillakriegsführung. Sie haben Jahrzehnte gegen US-geführte Truppen gekämpft, bevor sie vor viereinhalb Jahren in Kabul wieder die Macht übernahmen. Russland ist das einzige Land, das die Taliban-Regierung offiziell anerkennt. Die Regierung in Moskau rief russischen Staatsmedien zufolge zu einer Einstellung der Kämpfe auf und bot Vermittlungen an. Pakistan beriet sich auch mit Saudi-Arabien, wie das Außenministerium in Riad mitteilte.
China äußerte sich "zutiefst besorgt" über die Kämpfe. Man rufe "beide Seiten auf, ruhig zu bleiben und Zurückhaltung zu üben", sagte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, am Freitag bei einer regulären Pressekonferenz. Die Länder sollten "so bald wie möglich eine Waffenruhe erzielen und weiteres Blutvergießen vermeiden", fügte sie hinzu. Das Außenministerium und die chinesischen Botschaften in Pakistan und Afghanistan würden "mit den relevanten Parteien in beiden Ländern in dieser Angelegenheit zusammenarbeiten".
Kommentare