Paris ohne Touristen: Frankreich im Lockdown

© APA/AFP/FRANCK FIFE

Politik Ausland
04/04/2021

Ostern im Lockdown: Wie Europa gegen die dritte Welle kämpft

Zum zweiten Mal muss Ostern im Lockdown gefeiert werden. Die Länder Europas greifen erneut zu strengen Maßnahmen. Was gilt wo? Und wo gibt es Hoffnung auf Lockerungen?

von Ingrid Steiner-Gashi

Eine Sieben-Tages-Inzidenz von 404,9 – da musste Frankreich Präsident Emmanuel Macron die Notbremse ziehen. Die zuletzt wieder so massiv gestiegenen Infektionszahlen machten einen neuerlichen Lockdown unvermeidlich, obwohl Macron sorgsam das Wort vermeidet: Denn nach dem Ende des letzten «confinement» im Dezember hatte Macron noch versprochen, dass es nicht mehr dazu kommen werde.

Doch voila! Angesichts der nach oben schießenden Infektionszahlen und der Auslastung der Spitäler im Großraum Paris, in der Region um Nizza und im Norden des Landes verhängte die Regierung neue Einschränkungen. Sie sind landesweit seit dem Morgen des Ostersonntags in Kraft: Im ganzen Land sind die meisten Geschäfte geschlossen. Außerdem gelten wieder Bewegungseinschränkungen. So sind zum Beispiel Spaziergänge oder Ausflüge nur im Radius von zehn Kilometern zur eigenen Wohnung erlaubt. Die Ausgangssperren treten ab jeweils 19 Uhr in Kraft. Für weitere Reisen brauchen die Menschen triftige Gründe.

Die Frustration der Franzosen darüber, während der Osterfeiertage und auch noch danach erneut ihr Leben einschränken zu müssen, ist hoch.

Deutschand

Besser sieht die Corona-Lage in Deutschland aus: Dort sank die Sieben-Tage-Inzidenz am Ostersonntag auf 127,0 von 131,4 am Vortag. Das könnte allerdings daran liegen, dass an Ostern weniger Menschen einen Arzt aufsuchten und weniger getestet wird. Generell gilt bis zum 18. April deutschlandweit ein Lockdown. Das öffentliche Leben ist weitgehend eingestellt, Hotels dürfen nur Geschäftsreisende beherbergen. Auf nicht zwingende Reisen im In- und Ausland soll verzichtet werden. Einen wirklich harten Lockdown über die Osterfeiertage hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel ja im letzten Moment wieder zurückgezogen – und sich für die Idee entschuldigt. Die Kirchen dürfen über Ostern Präsenzgottesdienste abhalten. In den Bundesländern gelten jeweils unterschiedlich strenge Regeln. Doch der nächste, harte Lockdown könnte schon bevorstehen: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder spricht sich für dafür aus. „Wir sollten überlegen, ob ein erneuter kurzer, aber dafür konsequenter Lockdown nicht der bessere Weg wäre als ein halbherziges und dafür endloses Corona-Konzept, das die Zahlen der Neuinfektionen auch nicht wirklich reduziert hat“, sagt er der „Bild am Sonntag“ zufolge. „Lieber kurz und konsequent als lange hin und her.“

Belgien

In Belgien gelten weiterhin die schon seit Monaten verpflichtenden strenge Kontaktregeln - höchstens mit einer Person aus einem fremden Haushalt darf man sich treffen. Draußen geht das mit Maske mit bis zu vier Personen.Im ganzen Land gilt eine nächtliche Ausgangssperre. Shoppen geht nur mit Termin, Restaurants, Kneipen und Cafés sind seit Monaten geschlossen. Für Gottesdienste gelten strenge Auflagen. Nach jüngsten Angaben der belgischen Behörden haben fast 1,3 Millionen Menschen - rund 14 Prozent der Erwachsenen in dem kleinen Land mit rund 11,5 Millionen Einwohnern - mindestens eine erste Impfdosis bekommen.

Bulgarien

In Bulgarien – das Land mit der europäisch niedrigsten Impfrate -  darf die Gastronomie seit Aprilbeginn ihren Außenbereich wieder öffnen. Unter anderem Kinos sollen bei geringer Auslastung den Einlass gewähren können. Hotels sind nach wie vor offen, ebenso die Kirchen, wo wie etwa in Geschäften oder Tankstellen Maskenpflicht gilt. Bis 31. März wurden bei einer Bevölkerung von 6,9 Millionen Menschen insgesamt gut 460 000 Impfdosen verabreicht - rund sechs Prozent der Erwachsenen sind damit zumindest erstgeimpft. Die Sieben-Tages-Inzidenz lag zuletzt bei 361,33. In dem orthodoxen Land wird das Osterfest erst am 2. Mai gefeiert.

Dänemark

Auch Dänemark ist auf dem Weg zu einer Lockerung der geltenden Maßnahmen. Die Fußgängerzone in Kopenhagen ist bereits voll, nach Ostern dürfen die Bürger erstmals seit Monaten wieder zum Friseur. Bald sollen auch Restaurants, Cafés und Kinos wieder aufsperren dürfen. Draußen dürfen sich derzeit maximal zehn Menschen treffen, drinnen sollten es laut Empfehlung nicht mehr als fünf sein. Bei Gottesdiensten unter freiem Himmel sind bis zu 50 Teilnehmer erlaubt. Im Fünf-Millionen-Einwohnerland Dänemark haben bisher rund 730 000 Menschen mindestens eine erste Impfdosis erhalten. Die Sieben-Tages-Inzidenz lag bei 92,19.

Großbritannien

Beim europäischen Impfmeister Großbritannien sind die bisher sehr strengen Regeln etwas gelockert worden: So dürfen sich draußen etwa bis zu sechs Personen treffen. Drinnen sind Treffen noch bis mindestens Mitte Mai verboten. Obwohl unter strengen Auflagen in Präsenz erlaubt, finden die Angebote vieler Kirchen online statt.

Schottland, Wales und Nordirland machen ihre eigenen Corona-Maßnahmen. In ganz Großbritannien haben bereits mehr als 30 Millionen Menschen eine erste Corona-Impfung erhalten - das entspricht mehr als der Hälfte der Erwachsenen.

Italien

Den Italienern stehen Osterfeiertage mit vielen Verboten bevor. Die Bürger sollen möglichst zu Hause bleiben. Der strenge Lockdown gilt speziell bis 5. April. Dann sollen die Menschen ihr Zuhause möglichst nur für notwendige Erledigungen verlassen. Ein nächtliches Ausgangsverbot gilt bereits seit Langem.

Kirchen dürfen unter strengen Auflagen öffnen. Der Vatikan feiert Ostergottesdienste nur mit wenigen Gläubigen. Rund 6,9 Millionen Italiener waren bis Ende März mindestens erstimmunisiert - rund 11 Prozent der Bevölkerung von knapp 60 Millionen. Die Sieben-Tages-Inzidenz betrug zuletzt 254,93.

Niederlande

In den Niederlanden ist über Ostern Shoppen nur mit Termin und Besuche nur von einer Person pro Tag erlaubt. Unter anderem Kinos und Gaststätten sind geschlossen. Religionsgemeinschaften sind im Prinzip vom Versammlungsverbot ausgenommen - die Begrenzung der Personenzahl wird aber empfohlen. Die Impfkampagne läuft schleppend: Rund 1,7 Millionen Menschen des 17-Millionen-Einwohner-Lands haben mindestens eine Dosis bekommen.

Polen

In Polen schnellen die Coronazahlen derzeit dramatisch nach oben. Die Sieben-Tagesinzidenz beträgt heute 521,96. Eine Woche vor Ostern wurden die Corona-Restriktionen deshalb noch einmal verschärft. Bis zum 9. April sind Möbelgeschäfte und Baumärkte geschlossen, ebenso Friseursalons und Kosmetikstudios. Hotels und Kinos sind ohnehin zu, der Betrieb von Einkaufszentren ist stark eingeschränkt. Gottesdienste sind nur unter Auflagen möglich: Erlaubt ist ein Besucher pro 20 Quadratmeter. Knapp 4 Millionen der rund 38 Millionen Einwohner haben eine erste Corona-Impfung bekommen.

Schweden

In Schweden werden Restaurants und Cafés auch an Ostern um 20.30 Uhr schließen müssen, Zusammenkünfte mit mehr als acht Personen sind tabu. Daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern: Die Neuinfektionszahlen in Schweden sind hoch und steigen weiter an. Damit Ostern die Zahlen nicht noch weiter in die Höhe treibt, wird vielerorts in Schweden vor Familienfeiern gewarnt. In dem Zehn-Millionen-Einwohnerland haben bisher mehr als 1,1 Millionen Bürger mindestens eine Impfdosis erhalten. In Schweden lag die Sieben-Tagesinzidenz bei 328, 47.

Schweiz

In der Schweiz sind trotz steigender Zahlen die Regeln relativ locker. So erwartet etwa das Kanton Tessin über Ostern einen Besucheransturm, deshalb gilt dort in einige Gemeinden Maskenpflicht. Hotels sind offen, Ferienwohnungen verzeichnen hohe Buchungszahlen. Museen, Zoos und Geschäfte sind vielerorts geöffnet, nur Restaurants warten noch auf eine Betriebsbewilligung. In Innenräumen dürfen sich bis zu zehn Personen treffen, draußen 15. Ostermessen sind erlaubt, in der Regel mit maximal 50 Leuten, die Maske tragen und Abstand halten müssen. Bis 28. März wurden knapp 1,5 Millionen Impfdosen verabreicht, gut eine halbe Million Menschen waren vollständig geimpft. Die Schweiz hat 8,6 Millionen Einwohner.

Spanien

In Spanien sind die Regionen des Landes bis zum 9. April untereinander abgeriegelt, aus dem Ausland darf man weiter einreisen. Tausende deutsche Urlauber haben dies für Flüge nach Mallorca genützt. Treffen dürfen sich höchstens sechs Personen im Freien oder vier Personen des eigenen Haushalts in geschlossenen Räumen. Es gelten nächtliche Ausgangssperren mit teils unterschiedlichen Zeiten.

Jede Region hat zudem weitere Regelungen. Eine Mund-Nasen-Bedeckung muss außerhalb der eigenen Wohnung getragen werden, auch wenn der Sicherheitsabstand zu Fremden gewahrt bleibt. Etwa 16,5 Prozent der über 46 Millionen Einwohner hat mindestens eine Dosis eines Corona-Impfstoffs erhalten.

Tschechien

In Tschechien dürfen die Menschen zu Ostern den Wohnbezirk - vergleichbar mit einem Landkreis - nur mit Ausnahme verlassen. Besuche bei Verwandten sind ausdrücklich verboten. Die Zahl der Gottesdienst-Teilnehmer ist auf zehn Prozent der Sitzplatz-Kapazität begrenzt. Gesang ist untersagt. Bisher wurden in Tschechien mit seinen 10,7 Millionen Einwohnern rund 1,6 Millionen Impfstoff-Einzeldosen verabreicht.

Tschechien hinkt beim Impfen stark hinterher, die Sieben-Tagesinzidenz liegt derzeit bei 413,1.

Ungarn

In Ungarn, wo das Impfen derzeit besonders schnell voran geht, steigen die Infektionsraten dennoch dramatisch: Die Sieben-Tagesinzidenz liegt bei derzeit bei 581. Damit weist der auf chinesisches und russisches Serum setzende EU-Impfvorreiter Ungarn laut Our World in Data mittlerweile die weltweit höchste Zahl von Corona-Toten pro einer Million Einwohner in den letzten sieben Tagen auf. Knapp ein Fünftel der Bevölkerung ist geimpft, diese Rate reicht aber noch nicht, um die Ansteckungsgefahr zu bannen.

„chaotisch“ und „totales Versagen“ geißelt Tamas Harangozo, der stellvertretende Chef der oppositionellen Sozialisten (MSZP), das umstrittene Krisenmanagement der nationalpopulistischen Regierung von Premier Viktor Orban. Deren „Pseudo-Restriktionen“ würden die eine Hälfte der Bevölkerung „in den Ruin treiben“ und vom Rest umgangen: „Die Krankenhäuser sind überfüllt. Und selbst mit mehr Betten und Beatmungsgeräten würde es an Ärzten und Pflegern fehlen.“

Seit Anfang März sind nun fast alle Geschäfte und geschlossen, um die dritte Corona-Welle einzudämmen. Ausgenommen sind Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Tankstellen sowie private Gesundheitsversorger. Kindergärten und Grundschulen bleiben bis zum 7. April geschlossen.

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