"Massiver Schlag": Russland bestätigt Einsatz von Hyperschallrakete Oreschnik

Aftermath of Russian drone and missile attack in Kyiv
Während Russland für seinen Vergeltungsschlag die Hyperschallrakete Oreschnik einsetzte, gibt es nach ukrainischen Angriffen einen massiven Stromausfall in Belgorod.

Zusammenfassung

  • Russland setzt als Vergeltung für einen angeblichen ukrainischen Anschlag erneut die Hyperschallrakete Oreschnik gegen kritische Ziele in der Westukraine ein.
  • Bei russischen Angriffen, darunter ein Drohnenangriff auf Kiew, wurden vier Menschen getötet und die ukrainische Energieinfrastruktur weiter geschwächt.
  • Ein ukrainischer Raketenangriff auf das russische Belgorod führte zu massiven Ausfällen bei Strom, Wärme und Wasserversorgung für über 500.000 Menschen.

Nach Angaben aus Moskau hat Russland bei einem Angriff auf die Westukraine erneut die Hyperschallrakete Oreschnik eingesetzt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums vom Freitag ist der Einsatz eine Vergeltungsaktion für die angebliche ukrainische Attacke auf die Residenz von Kremlchef Wladimir Putin im nordrussischen Waldai kurz vor dem Jahreswechsel. Bei einem Drohnenangriff auf Kiew wurden unterdessen vier Menschen getötet. Ein ukrainischer Angriff auf das westrussische Gebiet Belgorod führte zu einem massiven Stromausfall.

"Massiver Schlag gegen kritische Objekte"

"Die russischen Streitkräfte haben einen massiven Schlag mit boden- und seebasierten Hochpräzisionswaffen großer Reichweite gegen kritische Objekte auf dem Gebiet der Ukraine geführt, darunter auch mit dem Mittelstreckenkomplex Oreschnik und Drohnen", heißt es in der Mitteilung des Ministeriums.

Inmitten eines landesweiten Raketenalarms nahe der Stadt Lwiw (Lemberg) im Westen waren von ukrainischer Seite mehrere Einschläge verzeichnet worden. Eine schwere ballistische Rakete sei auf das Gebiet an der Grenze zu EU- und NATO-Gebiet abgefeuert worden, hieß es zunächst in ukrainischen Berichten. Ukrainische Militärblogs veröffentlichten angebliche Videos aus der Region, die sechs Einschläge hintereinander zeigen.

Der Kreml hatte nach dem angeblichen Angriff in Waldai von einem versuchten Terroranschlag gesprochen. Auch US-Präsident Donald Trump hatte - von Putin per Telefon informiert - einen solchen Schlag kritisiert. Die Ukraine ihrerseits hat dementiert, dass sie überhaupt einen Angriff auf die Residenz lanciert hat. Experten bezweifeln die Glaubwürdigkeit der von Russland vorgelegten Informationen.

Oreschnik: Gefahr für gesamten europäischen Kontinent

Der Oreschnik-Angriff auf die Westukraine ist bereits der zweite Einsatz einer Rakete dieses Typs seit Beginn des Ukraine-Kriegs Anfang 2022. Der erste erfolgte im November 2024 auf die Großstadt Dnipro im Südosten des Landes. Damals begründete Putin den Einsatz als Vergeltung auf die Nutzung weitreichender westlicher Raketen durch Kiew gegen Militärobjekte im russischen Hinterland.

Beim ersten Einsatz trug die Oreschnik ("Haselstrauch") keine Gefechtssprengköpfe. Die Schäden wurden allein durch die hohe Geschwindigkeit der Rakete selbst erreicht. Die Oreschnik gilt als neueste russische Waffenentwicklung und kann sowohl konventionelle als auch atomare Sprengköpfe tragen. Ihre extrem hohe Geschwindigkeit von bis zu 12.000 km/h und ihre Reichweite von bis zu 5.000 Kilometer machen sie zu einer potenziellen Gefahr für den gesamten europäischen Kontinent.

Russland: Werden auch künftig auf Terrorangriffe antworten

Dieses Mal hingegen war die Rakete mit konventionellen Sprengköpfen geladen. Nach Angaben des Militärs war der Einsatz jetzt erfolgreich. Das Ziel des Schlags sei erreicht worden. "Es wurden Objekte zur Produktion von Drohnen getroffen, die bei der terroristischen Attacke (auf die Präsidentenresidenz) eingesetzt wurden, und Energieinfrastruktur, die die Arbeit des Rüstungskomplexes der Ukraine ermöglicht", heißt es. Moskau werde auch künftig auf Terrorangriffe antworten, drohte das Militär weitere Schläge mit Oreschnik an.

Russland beschießt seit Kriegsbeginn systematisch Anlagen der Energieversorgung des Nachbarlands. Die Infrastruktur der Ukraine ist inzwischen so geschwächt, dass die Bevölkerung oft viele Stunden am Tag in Dunkelheit und Kälte ausharren muss. Die Situation wird durch den aktuellen Temperatursturz in vielen Regionen der Ukraine noch verschärft.

Drohnenangriff auf Kiew mit vier Toten

Bei einem russischen Drohnenangriff auf Kiew sind unterdessen vier Menschen getötet und 19 weitere verletzt worden. Dies postete Bürgermeister Vitali Klitschko auf Telegram. Der Angriff habe außerdem erhebliche Schäden an Wohnhäusern und der Infrastruktur verursacht und in einigen Bezirken zu Unterbrechungen der Wasserversorgung geführt. Klitschko zufolge war eines der Todesopfer ein Rettungssanitäter. Er sei bei einem Einsatz an einem von Drohnen getroffenen Wohnhaus getötet worden. Vier weitere Mitglieder seines Teams seien bei dem Vorfall verletzt worden.

Die Ukraine hatte einen schweren russischen Luftangriff erwartet. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte in seiner Abendansprache davor: "Es gibt Informationen, dass es heute Nacht einen neuen massiven russischen Angriff geben könnte." Die Bürger sollten auf Luftalarm achten und sich in Schutzräume flüchten.

Mehr als 500.000 Russen ohne Strom

Ein ukrainischer Angriff auf das westrussische Gebiet Belgorod hatte indes nach Angaben der örtlichen Behörden einen großflächigen Ausfall der Strom-, Wärme und Wasserversorgung zur Folge. 

Der Beschuss eines Infrastrukturobjekts mit Raketen habe 556.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten, teilte Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow bei Telegram mit. "Ohne Wärmeversorgung ist fast die gleiche Anzahl, in erster Linie betrifft das 1.920 Mehrfamilienhäuser. Fast 200.000 Menschen sind ohne Wasser und Abwasser", sagte er in dem Video. Nach Angaben Gladkows sind die Reparaturarbeiten bereits angelaufen. "Die Situation ist sehr schwierig", betonte er.

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