Eineinhalbmal so groß wie Wien: Vor der Küste des Oman droht riesige Ölpest
Die "Caroline Bezengi" vor der Küste des Oman
Die „Caroline Bezengi“ ist ein riesiger Öltanker, der der russischen Schattenflotte zugerechnet wird. Das sind mehrere hundert, vielfach alte und unzureichend gewartete Schiffe, die Moskau helfen, die westlichen Sanktionen zu umgehen. Und es Russland damit ermöglichen, den Ölexport aufrechtzuerhalten, um den Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter zu finanzieren.
Gleichzeitig stellen diese Schiffe aufgrund ihres Zustands eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Ein trauriger Beleg dafür findet sich aktuell vor der südlichen Küste des Oman im Arabischen Meer. Die „Caroline Bezengi“ liegt seit dem 30. Juni vor der Küste des Oman auf Grund und verliert seither Öl, wie Bilder und Satellitenaufnahmen zeigen. Das Schiff war im Bereich des Archipels Al-Hallanijat auf Grund gelaufen. Zuvor soll es auf dem Schiff Explosionen unbekannter Herkunft gegeben haben.
Ölteppich beim Archipel Al-Hallanijat
Laut Greenpeace ist der Ölteppich auf eine Fläche von mittlerweile rund 600 Quadratkilometern angewachsen, was der eineinhalbfachen Fläche Wiens entsprechen würde. Der Oman hatte am Montag von einer Fläche von 400 Quadratkilometern gesprochen.
Ein anderer Vergleich klingt noch drastischer: Laut Greenpeace hatte der Tanker bis zu 130.000 Tonnen Rohöl geladen und damit fast die dreifache Menge an Öl, das 1989 bei der Havarie der „Exxon Valdez“ vor Alaska ins Meer gelangte. Die „Exxon Valdez“ gilt als die bisher größte Umweltkatastrophe der internationalen Schifffahrt.
Rettung angelaufen
Mögliches Glück im Unglück: Mittlerweile sind laut Nachrichtenagentur Reuters Rettungsmaßnahmen mit Spezial-Bergungsschiffen angelaufen. Ist die Aktion von Erfolg gekrönt, fließt nicht die gesamte Ladung des Tankers ins Meer, sondern es kann ein Teil des Rohöls vorher noch auf andere Schiffe umgepumpt werden. Eingebunden ist das britische Seesicherheitsunternehmen Ambrey.
Der Ölteppich hat in der Zwischenzeit die Küste des Oman und ein dortiges Meeresnaturschutzgebiet erreicht, in dem Buckelwale, Meeresschildkröten oder Kormorane leben. Ambrey arbeitet nach eigenen Angaben mit dem Oman zusammen und hat dazu eine führende internationale Ölpest-Reaktionsfirma beauftragt.
Die Caroline Bezengi vor der Küste des Oman
Die Bergungsbedingungen gelten aufgrund starker, jährlich auftretender Monsunwinde als sehr schwierig - sie könnten sich dadurch stark verzögern. „Dies ist eine äußerst herausfordernde Situation, die durch widrige Wetterbedingungen im Zusammenhang mit dem Khareef-Monsun verschärft wird“, sagte Ed Wollaston, Direktor für globale Reaktion bei Ambrey.
Die „Caroline Bezengi“ dürfte rund 25 Jahre alt sein und ist von keiner westlichen Versicherung versichert. Der Tanker hat erstmals am 8. Juni Schwierigkeiten vor dem Jemen gemeldet. Er war zuvor durch den Suezkanal gekommen und südlich durch das Rote Meer gefahren.
Was dann passiert ist, ist unklar. Eine Theorie lautet, dass die Ukraine die „Caroline Bezengi“ mit einer Haftmine angegriffen haben könnte, weil sie russisches Öl geladen hatte, das für Indien vorgesehen war. Doch die große Distanz zwischen dem Oman und der Ukraine macht so ein Szenario schwer vorstellbar. War es vielleicht ein Angriff aus dem Jemen oder aus dem Iran? Man weiß es schlicht nicht ... Wenn das Öl für Indien bestimmt war, ist zudem fraglich, warum es nun vor der Küste des Oman auf Grund liegt und nicht viel weiter südlich im Arabischen Meer geblieben ist. War das russische Öl am Ende doch für den Iran bestimmt?
Eigentümer ist Briefkastenfirma
Ein weiteres Problem: Omans Transportministerium forderte die Eigentümer auf, das Schiff samt seiner Ladung aus dem Gebiet zu entfernen. Berichten zufolge gehört es einem Unternehmen in China, das - ähnlich wie bei anderen Schiffen der Schattenflotte - zu einer Briefkastenfirma in Schanghai führen soll.
Greenpeace warnt seit Jahren vor Tankerunfällen mit unklaren Eigentümern: „Denn hier kann es jetzt wirklich sein, dass Oman und seine Bevölkerung schlussendlich auf den Konsequenzen und auf dieser dramatischen Verschmutzung sitzen bleiben“, sagt Nina Noelle, Expertin für internationale Kriseneinsätze bei Greenpeace im deutschen Fernsehen.
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