Politik | Ausland
11.09.2018

Österreichischer Journalist in Ankara festgenommen

Außenministerium mit türkischen Behörden im Kontakt. Vorwurf lautet auf Unterstützung terroristischer Organisationen.

Ein österreichischer Staatsbürger ist heute, Dienstag, in Ankara festgenommen worden. Das bestätigte der Sprecher des Außenministeriums, Thomas Schnöll, gegenüber der APA. Die österreichische Botschaft sei mit den türkischen Behörden und den Angehörigen des Österreichers im Kontakt.

Bei dem in Ankara festgenommenen Österreicher handelt es sich um einen Journalisten. Das teilte die Organisation " Reporter ohne Grenzen" (ROG/RSF) am Dienstag in einer Aussendung mit. Der Journalist, Student und Autor sei am Dienstagmorgen gegen fünf Uhr laut Angaben seiner Redaktion re:volt magazin gemeinsam mit anderen in Ankara festgenommen worden.

Unterstützung terroristischer Organisationen

Der Vorwurf laute auf Unterstützung terroristischer Organisationen. Die Redaktion des nach Eigenbezeichnung "linksradikalen Politik-Analyse-Bewegungs-Magazins" vermutet einen Zusammenhang mit "politischen Publikationen". "Das ist auf das Schärfste zu verurteilen", so die Präsidentin von "Reporter ohne Grenzen Österreich", Rubina Möhring. Die Organisation fordert die unmittelbare Freilassung des Österreichers.

Der Student der Politikwissenschaft und Philosophie befasste sich demnach mit politischen Theorien und schrieb Beiträge in Büchern wie "Kampf um Kobane", die sich kritisch mit der Beziehung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) mit der Türkei auseinandersetzen. Laut gut informierten Kreisen schrieb er auch für einen "radikalen Ableger der Kommunistischen Partei" in der Türkei.

"Andere politische Meinungen dürfen nicht Grundlage für Verhaftungen oder Einschüchterungen sein! In der Türkei passiert das gerade aber zunehmend", sagte Möhring. Derzeit sitzen nirgends so viele professionelle Journalisten in Haft wie in der Türkei.

Die Türkei geht seit dem Putschversuch im Juli 2016 immer wieder auch gegen ausländische Staatsbürger vor. Die Festnahmen erfolgen meist wegen "Terrorverdachts". Dies sorgt auch für bilaterale Spannungen wie im Fall der deutschen Journalistin Mesale Tolu, des "Welt"-Reporters Deniz Yücel oder des US-Pastors Andrew Brunson.

Die Türkei befindet sich auf der Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 157 von 180 Ländern. Rund 150 Medienhäuser wurden laut ROG geschlossen und Massenprozesse abgehalten.