Geheimdienste: Kim Jong-un soll 13-jährige Tochter zur Nachfolgerin küren
Die Gerüchte kursieren seit Jahren, schon seit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un seine Tochter im Herbst 2022 bei einem Raketentest erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. Jetzt scheint es sicher: Die 13-Jährige dürfte von ihrem Vater als offizielle Nachfolgerin vorgestellt werden, voraussichtlich noch in diesem Monat. Das teilte der für gewöhnlich gut informierte südkoreanische Geheimdienst NIS am Donnerstag ausgewählten Abgeordneten in Seoul mit.
2022: Bei einem Raketenstart zeigte Kim Jong-un seine Tochter erstmals der Öffentlichkeit.
Demnach werde Kim seiner Tochter, die angeblich Kim Ju-ae heißt, beim kommenden 9. Parteikongress der nordkoreanischen Arbeiterpartei Ende Februar als "zukünftige Führerin des Landes" anpreisen. Der nur alle fünf Jahre stattfindende Parteikongress ist das wichtigste politische Ereignis Nordkoreas. Dabei stellt der Parteivorsitzende üblicherweise seine politischen Ziele für die nächsten fünf Jahre vor und besetzt wichtige Beamten- und Regierungsposten neu.
Sollte Kim auf dem Parteitag tatsächlich seine Tochter küren, wäre das aus mehreren Gründen historisch. Seit der Staatsgründung 1948 wird Nordkorea von männlichen Nachkommen der Herrscherdynastie Kim regiert: Nach dem Tod des "ewigen Führers" Kim Il-sung übernahm 1994 dessen Sohn Kim Jong-il. Weil dieser 2010 einen Schlaganfall erlitten hatte, wurde sein Sohn Kim Jong-un auf dem Parteitag als Nachfolger präsentiert - mit 26 Jahren, ohne Vorbereitungszeit. Diese Erfahrung soll Kim Jong-un dazu bewogen haben, seine eigene die Machtübergabe frühzeitig vorzubereiten.
Kim Jong-un mit seiner Tochter Kim Ju-ae bei der Ankunft in einem Hotel, kurz vor Beginn einer Parteiveranstaltung.
Frau an der Spitze wäre in Nordkorea schwer vorstellbar
Trotz des fast gottgleichen Status des Dikators halten es viele südkoreanische Beobachter für schwer vorstellbar, dass nordkoreanische Beamte eine Frau an der Spitze akzeptieren würden. Zumal Kim Jong-un noch einen älteren Sohn haben soll. Das Land ist politisch wie gesellschaftlich zutiefst konservativ geprägt: Obwohl Frauen schon unter Kim Jong-il gesetzlich gleichgestellt wurden, sind viele Berufe bis heute klar einem der beiden Geschlechter zugeordnet und Führungspositionen fast nur von Männern besetzt.
Allerdings hat der Diktator seine Tochter in den vier Jahren seit ihrem ersten gemeinsamen Auftritt zu etlichen wichtigen Terminen mitgenommen. Sie begleitete ihn zu Feierlichkeiten, Parteiveranstaltungen, militärischen Inspektionen und sogar auf eine seiner seltenen Auslandsreisen: Zum Besuch der Militärparade anlässlich des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs in Peking. Dabei stellte Kim seine Tochter unter anderem Chinas Machthaber Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin vor.
Kim Jong-un und seine Tochter bei einer Militärinspektion.
Trotz alledem ist über die Tochter fast nichts bekannt, ihr Alter geht auf Schätzungen des südkoreanischen Geheimdienstes zurück. Selbst ihr mutmaßlicher Name, Kim Ju-ae, wird nur von Anekdoten des ehemaligen US-amerikanischen Basketball-Stars Dennis Rodman gestützt. Dieser war 2013 auf Einladung Kim Jong-uns nach Nordkorea gereist und berichtete anschließend, der Diktator - ein großer Basketball-Fan - habe ihm ein Kleinkind mit diesem Namen vorgestellt. In Nordkoreas Propagandamedien wird die Tochter nur als "verehrtes Kind" oder "geliebtes Kind" bezeichnet.
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