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Politik Ausland
06/12/2020

Neuer Streit um Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee

Die einst größte Kirche der Christenheit ist heute ein Museum. Präsident Erdogan will es nun "islamisieren".

Die türkische Führung verschärft die Debatte um eine mögliche Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee. Die Entscheidung darüber liege alleine bei der Türkei, betonte Außenminister Mevlüt Cavusoglu laut "Kathpress" in einem Interview des Senders "NTV": „Das ist definitiv keine internationale Sache, das ist eine Sache der nationalen Souveränität.“

Zuvor hatte bereits Präsident Recep Tayyip Erdogan zu Wochenbeginn auf internationale Kritik in der Causa reagiert und betont, dass Ankara niemanden um Erlaubnis fragen müsse, ob die Hagia Sophia wieder eine Moschee werden dürfe. Vor allem Griechenland und Russland sind verärgert über die seit Jahren laufenden Bestrebungen der Türkei wegen der Bedeutung der Hagia Sophia für die griechisch-orthodoxe Kirche.

Gericht ist nun am Zug

Am 2. Juli will das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei nun erneut über den Status des Gebäudes entscheiden, berichtete die regierungsnahe türkische Zeitung „Yeni Safak“. Demnach hat die türkische Denkmalschutzvereinigung an den Verwaltungsgerichtshof appelliert, zu prüfen, ob das Dekret von 1934 über die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum manipuliert ist.

Die im sechsten Jahrhundert erbaute Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit), damals die größte Kirche der Welt, wandelten die Osmanen nach der Eroberung Konstantinopels, heute Istanbul, im Jahr 1453 in eine Moschee um. Unter Staatsführer Atatürk wurde sie 1934 zu einem Museum. Die Denkmalschutzvereinigung hatte bereits früher Vorstöße unternommen, um eine Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee zu erreichen; diese Vorstöße waren aber zurückgewiesen worden.

Kairo gegen Ankara

Die neue Diskussion löst auch negative Reaktionen innerhalb des Islam aus. Das ägyptische islamisch-sunnitische Ordinariat (Dar-al-Fetwa) bezeichnete die osmanische Eroberung von Konstantinopel zuletzt als „Besatzung“ und die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee als unglückliche Entscheidung. Die Entscheidung des Dar-al-Fetwa erfolgte unter dem Vorsitz des ägyptischen Großmufti. Politische Beobachter sehen einen Zusammenhang mit dem „geopolitischen Tauziehen“ zwischen Kairo und Ankara aufgrund der Situation im vom Bürgerkriegsland Libyen, wo die beiden Staaten auf unterschiedlicher Seite stehen.

Für Touristen weiter zugänglich

Erdogan hatte in den vergangenen Wochen die Pläne für eine Rückwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee offensichtlich forciert. Laut der Zeitung „Hürriyet“ erteilte der Präsident die Weisung für eine rechtliche Formel, um den aktuellen Status des Bauwerks so zu ändern, dass sie wieder als islamische Kultstätte genutzt werden kann. Demnach werde die Hagia Sophia auch als Moschee für Touristen zugänglich bleiben.

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