„Habe einen Plan“: Neuer Labour-Chef gelobt Standfestigkeit
Die Worte sind präzise gewählt: „Ich weiß, woran ich glaube“, sagte Andy Burnham Freitagmittag in Zentrallondon, nachdem er zum neuen Chef der britischen Labourpartei ernannt wurde. „Ich werde mich nicht ändern. Und ich habe einen Plan.“
Das folgende Kopfnicken der Parteimitglieder ist so heftig, als würden sie einem Rockkonzert beiwohnen. In der ersten Rede als Parteichef ist dem 56-Jährigen damit gelungen, was sein Vorgänger Keir Starmer nie so ganz erreichen konnte. Nicht nur passende Worte zu finden – konkret die Zusicherung von Standfestigkeit, deren Fehlen die Partei mit in die Bredouille gebracht hatte – sondern das Publikum mit seiner Energie mitzureißen.
Natürlich hatte Andy Burnham ausreichend Vorbereitungszeit. Bereits 2010 – und damit fünf Jahre bevor Starmer überhaupt Parlamentsabgeordneter wurde – versuchte Burnham das erste Mal, die Parteiführung zu übernehmen. Nachdem er nur auf dem vierten von fünf Plätzen landete, probierte er es 2015 noch einmal, musste sich jedoch einmal mehr geschlagen geben. Doch aller guten Dinge waren auch für Burnham drei. Nach seinem Wahlerfolg im nordenglischen Makerfield Anfang Juli und Starmers darauffolgenden Rücktritt, gelang es Burnham, 379 Labour-Abgeordnete für sich zu gewinnen. Damit konnte sich kein Gegenkandidat aufstellen lassen. Am Montag wird Burnham nun als neuer britischer Premierminister in die Downing Street einziehen.
Auch hierzu waren seine Worte wohl gewählt: Er sei nicht nur bereit, Führung zu übernehmen, sondern auch „auf dem Fundament aufzubauen, das vor allem eine bestimmte Person gelegt hat: Keir Starmer.“ Kein Seitenhieb. Seine Führungszeit, fuhr Burnham fort, soll eine der Wertschätzung sein – unter Kollegen ebenso wie parteiübergreifend.
Erste interne Revolte
Dass es an der Umsetzung hapern könnte, ließen bereits erste Schlagzeilen andeuten. Laut iPaper forderten 80 Labour-Abgeordnete vom gemäßigt linken Flügel in einem privaten Brief „einen drastischen Richtungswechsel“, nachdem durchgesickert war, dass die derzeitige, rechtsgewandte Innenministerin Shabana Mahmood Finanzministerin werden soll. Telegraph-Kolumnist David Blair prophezeite, Burnhams „verfehlte Außenpolitik“ werde ihn zur „weltweiten Lachnummer“ machen. Die Times kritisierte die „nordkoreanischen“ Verhältnisse der Partei, die Burnham ohne Führungswettkampf in den Chefsessel bugsiert hatten. Und Tom Hazeldine urteilte in der New York Times, dass Burnham mit seinem „provinziellen“ Führungsstil, Großbritannien nicht retten könnte.
Von etwaigem getroffenen Stolz ließ sich Burnham am Freitag nichts anmerken, sehr wohl aber seinen positiven Emotionen. „Ich habe der Partei alles gegeben und nun tut sie dasselbe zurück“, sagt er mit glasigem Blick. Und als er sich dann bei seinen drei Mentoren – David Blunkett, Margaret Beckett und Neil Kinnock – bedankt, röteten sich auch deren Augen.
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