Nawalny möchte dennoch in seine Heimat zurückkehren

© APA - Austria Presse Agentur

Politik Ausland
01/23/2021

Nawalny: Festnahmen bei Oppositionsprotesten im Osten Russlands

Demonstrationen für den Putin-Kritiker in mehr als 90 Städten geplant.

 

Bei Protesten für die Freilassung des inhaftierten Regierungskritikers Alexej Nawalny hat es im äußersten Osten Russlands Festnahmen gegeben. In der Großstadt Chabarowsk, die der Hauptstadt Moskau aufgrund der Zeitverschiebung sieben Stunden voraus ist, veröffentlichten Aktivisten am Samstag Videos von Polizisten, die Demonstranten schlagen und in Gefangenentransporter stecken.

Nawalnys Anhänger haben für Samstag in über 90 russischen Städten zu Protesten aufgerufen.

Die Behörden drohen mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden, darunter seine Pressesprecherin Kira Jarmysch.

Auch in den Städten Wladiwostok und Irkutsk versammelten sich trotz eisiger Temperaturen Hunderte Demonstranten. Sie skandierten "Wir sind die Macht" und "Putin ist ein Lügner". In Chabarowsk richtet sich die Unzufriedenheit der Menschen auch gegen die Inhaftierung eines beliebten Ex-Gouverneurs im Sommer.

Video: "Ein Palast für Putin"

Nawalnys Team hatte Anfang der Woche unter dem Titel "Ein Palast für Putin" ein Enthüllungsvideo veröffentlicht, das beweisen soll, dass der Langzeit-Präsident sich aus Schmiergeldern ein riesiges Anwesen am Schwarzen Meer bauen ließ. Der fast zweistündige Film hatte nach wenigen Tagen mehr als 65 Millionen Aufrufe auf YouTube. Der Kreml bezeichnet die Vorwürfe als "Unsinn" und "Lüge".

Nawalny war am Montag in Moskau in einem umstrittenen Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden. Der 44-Jährige soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von einem Attentat erholte. Ihm drohen weitere Prozesse und viele Jahre Gefängnis.

Hinter dem Anschlag gegen ihn mit dem Nervengift Nowitschok vom 20. August sieht er ein "Killerkommando" des Inlandsgeheimdienstes FSB unter Wladimir Putins Befehl. Putin und der FSB weisen die Anschuldigungen zurück.

Leonid Wolkow, ein enger Verbündeter Nawalnys appellierte unterdessen an die russische Zivilgesellschaft, die Freilassung des prominenten Regierungskritikers zu erwirken. "Straßenproteste sind in Russland das einzige Mittel, jemanden aus dem Gefängnis herauszubekommen", sagte Wolkow der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut Vorausmeldung.

Wolkow sagte, es sei in Russland schon vorgekommen, dass Oppositionelle zweimal hintereinander vergiftet worden seien. Deshalb sei "der einzige Schutz" für Nawalny "maximale Sichtbarkeit und Unterstützung in der Bevölkerung".

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