Ein Angriff auf Gaza-Stadt - Israel wird jetzt auch aus dem Norden beschossen.

© APA/EPA/JIM HOLLANDER

Nahost-Konflikt
08/23/2014

Rakete aus Libanon in Israel eingeschlagen

Während Israel seine Angriffe auf den Gazastreifen fortsetzt, wird das Land auch aus dem Norden bombardiert.

Israel wird aus dem Norden beschossen: Eine aus dem Libanon abgefeuerte Rakete ist am Samstagabend nach Angaben der israelischen Armee im Norden Israels, östlich der Stadt Akko eingeschlagen. Zunächst lagen keine Berichte über mögliche Schäden oder Opfer vor.

Israel hatte davor seine Offensive auf den Gazastreifen fortgesetzt: Eine befristete Waffenruhe war noch vor ihrem Ablauf in der Nacht zum Mittwoch gescheitert, seitdem gibt es wieder gegenseitige Angriffe. Am Freitagnachmittag war ein vierjähriger israelischer Bub getötet worden, als ein aus dem Gazastreifen abgefeuertes Geschoss eines Granatwerfers in der Nähe eines Kindergartens in Sdot Negev in Südisrael einschlug.

Beim Gegenschlag, einem Luftangriff auf ein Haus beim Lager Nusseirat, wurden am Samstag zwei Frauen, zwei Kinder und ein Mann aus derselben Familie getötet. Bei einem weiteren Luftangriff auf ein 13-stöckiges Wohnhaus in Gaza sind am Samstag nach Militär- und Sanitäterangaben 17 Menschen verletzt worden. Ein Militärsprecher sagte, das Gebäude sei von Kämpfern der radikalislamischen Hamas als Kommandozentrale genutzt worden. Es sei durch den Beschuss komplett zerstört worden. Anrainern zufolge lebten in dem Gebäude 44 Familien.

Hamas an Teenager-Morden beteiligt

Ägypten will die Konfliktparteien zu neuen Gesprächen über einen Waffenstillstand einladen. Hamas-Chef Khaled Mashaal hat unterdessen erstmals eingeräumt, dass Hamas-Mitglieder an der Entführung und Ermordung dreier israelischer Jugendlicher im Westjordanland Mitte Juni beteiligt waren - dies gilt als Auslöser der jüngsten Eskalation: "Wir wussten im Voraus nichts von der Tat, die diese Gruppe von Hamas-Mitgliedern begangen hat", sagte Mashaal in einem Interview mit Yahoo News, das am Samstag veröffentlicht wurde. "Aber wir verstehen, dass die Menschen unter der Besatzung und Unterdrückung frustriert sind und alles Mögliche unternehmen", so Mashaal, der betonte, dass die Hamas-Führung nicht in die Pläne eingeweiht gewesen sei.

Die drei israelischen Jugendlichen waren Mitte Juni im Westjordanland entführt und später tot aufgefunden worden. Die israelische Regierung machte die Hamas für ihren Tod verantwortlich. Die Palästinenserorganisation bestritt dies zunächst. Nach den Morden setzte eine Welle der Gewalt ein, die in den Gaza-Krieg mündete.

Israel setzte Hamas mit IS-Terroristen gleich

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat die Palästinenserorganisation Hamas mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gleichgesetzt und dabei wegen der Verwendung eines Fotos des US-Journalisten James Foley für Empörung gesorgt.

Das Foto, das am Donnerstag in Netanyahus Twitter-Account gezeigt wurde, zeigt Foley kurz vor seiner Ermordung durch IS-Extremisten. Es wurde später zurückgezogen und durch die Flagge der Islamistenmiliz ersetzt. Unter dem Foto Foleys waren militante Palästinenser in Gaza zu sehen, die angebliche Kollaborateure schänden.

Empörung wegen Tweet

Ein israelischer Regierungsbeamter sagte der Nachrichtenagentur dpa am Freitag, man habe die Gemeinsamkeiten von IS und Hamas aufzeigen wollen. "Aber als wir die Brisanz des Fotos verstanden haben, haben wir ein anderes genommen." Viele Medien hatten sich entschlossen, Fotos und Videos der Exekution Foleys nicht zu zeigen.

Mehrere Journalisten hatten empört auf den Tweet reagiert. "Ist Netanyahu verrückt geworden, dass er James Foleys Tod benutzt, um Propagandapunkte zu sammeln?", schrieb Janine di Giovanni, eine US-amerikanische Kriegsreporterin, auf Twitter. Auch Paul Danahar, ehemaliger Nahostchef der BBC, nannte das Foto "geschmacklos".

Umfrage: Interreligiöse Ehe wird abgelehnt

Eine große Mehrheit der israelischen Bevölkerung ist gegen eine Ehe mit einem Partner, der nicht der eigenen Religion angehört. Die Zeitung Haaretz veröffentlichte am Freitag eine Studie, der zufolge 75 Prozent der befragten Juden nur einen jüdischen Partner heiraten würden. Unter den arabischen Teilnehmern sprachen sich 65 Prozent gegen eine Ehe außerhalb der eigenen Religionszugehörigkeit aus.

Nur ein Fünftel der jüdischen und ein Drittel der arabischen Befragten gaben an, bei der Auswahl eines Ehepartners nicht auf die Religionszugehörigkeit zu achten. Die Umfrage erfolgte wie in Israel üblich bei rund 500 Personen.

Am vergangenen Sonntag hatten rund 200 rechtsgerichtete Israelis gegen die Hochzeit eines jüdisch-muslimischen Paares in Rishon Lezion demonstriert. In Israel war daraufhin eine Debatte über interreligiöse Ehen entbrannt.

Hamas tötete 18 angebliche Israel-Kollaborateure

Die radikalislamische Hamas hat bei öffentlichen Hinrichtungen 18 Menschen wegen angeblicher Kollaboration mit Israel erschossen. Es waren die ersten derartigen Exekutionen in der Region seit den 1990er Jahren. Mit den Exekutionen sandte die Hamas nun ein Signal der Abschreckung in die eigenen Reihen. Sieben angebliche Kollaborateure wurden in Gaza vor den Augen von Moscheegängern erschossen, die das Gebäude verließen. Die Schützen trugen Masken und waren in Schwarz gekleidet. Die Gesichter der Getöteten waren bedeckt und ihre Hände gefesselt.

An der Wand neben den Leichen hing ein Zettel, der als "Urteil" des "Palästinensischen Widerstandes" ausgewiesen wurde. Darin hieß es über die Getöteten: "Sie belieferten den Feind mit Informationen über die Aufenthaltsorte von Kämpfern, Widerstandstunneln, Bomben, Häusern von Kämpfern und Orte von Raketen, und die Besatzer bombardierten diese Gegenden und töteten eine Reihe von Kämpfern." Zuvor waren nach Angaben von Hamas-Vertretern vor einer ehemaligen Polizeiwache bei Gaza elf weitere Menschen erschossen worden, die ebenfalls mit Israel zusammengearbeitet haben sollen. Das Palästinensische Zentrum für Menschenrechte verurteilte die Erschießungen als Exekutionen ohne Prozess und forderte die Behörden zum Eingreifen auf.

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