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Politik Ausland

Geheimdienst: Russland holt alte Panzer aus den Lagern

Der Kampf um Bachmut geht indes weiter. Wagner-Chef Prigoschin droht Russland mit Abzug seiner Truppen.

03/06/2023, 06:37 AM | Aktualisiert am 03/06/2023, 09:37 AM

Wegen Materialmangel ersetzt Russland im Angriffskrieg gegen die Ukraine nach britischer EinschÀtzung zerstörte Fahrzeuge durch jahrzehntealte Modelle. Zuletzt seien sogar Transportpanzer des sowjetischen Typs BTR-50 in der Ukraine eingesetzt worden, die seit 1954 hergestellt wurden, teilte das Verteidigungsministerium in London am Montag unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit.

Zerstörte Kampfpanzer wĂŒrden bereits seit Monaten durch alte Modelle des Typs T-62 ersetzt. Selbst die 1. Gardepanzerarmee, eine der prestigetrĂ€chtigsten Einheiten, habe solche Panzer erhalten, um ihre Verluste an modernen Panzern auszugleichen. „Seit Sommer 2022 wurden etwa 800 T-62 aus den Lagern geholt“, hieß es in London weiter. „Einige haben verbesserte Visiersysteme erhalten, die ihre Wirksamkeit bei Nacht höchstwahrscheinlich verbessern.“ Allerdings hĂ€tten die Fahrzeuge viele Schwachstellen, so fehle eine moderne Reaktivpanzerung.

Wagner-Chef droht Russland mit Abzug seiner Truppen

Der GrĂŒnder der russischen Söldner-Gruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, droht der Regierung in Moskau mangels Munitionsnachschubs mit einem RĂŒckzug aus der umkĂ€mpften Stadt Bachmut.

„Wenn Wagner sich jetzt aus Bachmut zurĂŒckzieht, wird die gesamte Front zusammenbrechen“, sagt Prigoschin in einem am Wochenende auf Telegram veröffentlichten Video. "Die Situation wird fĂŒr alle militĂ€rischen Formationen, die russische Interessen schĂŒtzen, nicht schön sein.“

Das Video wurde auf einem Kanal veröffentlicht, der Prigoschin-Nachrichten verbreitet und sich mit der Wagner-Gruppe assoziiert, es handelt sich dabei nicht um seinen ĂŒblichen Pressedienstkanal. Am Sonntag hatte er auf seinem offiziellen Telegram-Kanal gesagt, dass der grĂ¶ĂŸte Teil der Munition, die seinen Truppen im Februar zugesagt worden war, noch nicht geliefert worden sei.

„Im Moment versuchen wir herauszufinden, was der Grund dafĂŒr ist: Ist es nur gewöhnliche BĂŒrokratie oder ein Verrat.“ Der Söldnerchef kritisiert regelmĂ€ĂŸig Russlands Verteidigungschefs und SpitzengenerĂ€le.

Russische Truppen setzen Angriffe auf Bachmut fort

Das russische MilitĂ€r setzte derweil auch am Sonntag seinen Kampf zur Eroberung Bachmuts fort. „Sie (die russischen Truppen) hören nicht auf, gegen Bachmut und die umliegenden Siedlungen anzustĂŒrmen“, teilte der ukrainische Generalstab in Kiew in seinem Lagebericht am Abend mit.

Zahlreiche Siedlungen rund um Bachmut seien mit Mörsern und Artillerie beschossen worden. Die GeneralitÀt in Kiew machte keine Angaben zu etwaigen GelÀndegewinnen oder -verlusten.

Bisher wird Bachmut von drei Seiten bedrĂ€ngt, lediglich eine Seite im Westen ist noch offen und bietet den ukrainischen Truppen einen Korridor fĂŒr einen möglichen RĂŒckzug. „Die Verteidiger halten ihre Stellung“, sagte Sehij Tscherewaty, Sprecher der ukrainischen Heeresgruppe Ost. „Und wir haben die Möglichkeit, Munition, Proviant und Medizin zu liefern sowie Verwundete abzutransportieren.“

Die russischen Truppen versuchen schon seit Wochen, die zur Festung erklÀrte Stadt Bachmut zu erobern.

Selenskij: Invasoren bestrafen

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskij ist nach eigener Aussage fest davon ĂŒberzeugt, dass die Verantwortlichen fĂŒr den Krieg gegen sein Land zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Weg fĂŒr die Bestrafung der russischen TĂ€ter sei bei einer internationalen Konferenz im ukrainischen Lwiw geebnet worden, sagte Selenskij am Sonntag in seiner abendlichen Videoansprache.

„Alle russischen Mörder, jeder Organisator dieser Aggression, jeder, der in irgendeiner Weise fĂŒr den Krieg gegen unser Land und den Terror gegen unser Volk sorgt, sie alle mĂŒssen bestraft werden“, sagte Selenskij. Der Grundstein dafĂŒr sei bereits bei der internationalen Konferenz „United for Justice“ (Vereint fĂŒr Gerechtigkeit) in den vergangenen Tagen in Lwiw gelegt worden.

Bei der Konferenz war unter anderem vereinbart worden, ein neues Internationales Zentrum fĂŒr die Verfolgung von Kriegsverbrechen einzurichten. Es soll Beweise fĂŒr kĂŒnftige Gerichtsverfahren sichern.

Die Ukraine bemĂŒht sich seit Monaten, mit ihren UnterstĂŒtzern einen internationalen Gerichtshof nach dem Vorbild des NĂŒrnberger Tribunals fĂŒr Nazi-Kriegsverbrecher zu bilden, vor dem sich fĂŒhrende Vertreter Russlands fĂŒr den Krieg gegen das Nachbarland verantworten sollen.

Finnlands Armee-Chef: Russland versteht nur harte Macht

Mit Blick auf Russlands Angriffskrieg in der Ukraine sieht Finnlands Armee-Chef Timo Kivinen einen Beitritt seines neutralen Landes zur NATO als notwendig. "Wir wollen niemanden bedrohen", sagte der General dem "heute journal" (Sonntag) des deutschen TV-Senders ZDF, aber mit der NATO gebe es mehr Abschreckungspotenzial. "Russland versteht offensichtlich nur harte Macht." Finnland hat eine 1300 Kilometer lange Grenze zu Russland.

Finnland will - ebenso wie Schweden - wegen des Ukraine-Krieges nach jahrzehntelanger Ablehnung auch Mitglied der NATO werden. Die endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber eine Aufnahme steht noch aus.

"In unserer Geschichte hatten wir mehrere Kriege mit Russland, der Sowjetunion. Wir wissen hier alle: Unser Nachbar ist eine starke Macht. Und wir mĂŒssen bereit sein, unser Land zu verteidigen", sagte Kivinen weiter. "In den 90er Jahren hatten wir auch bei uns eine Diskussion, ob wir wie die meisten Staaten in Europa unsere Landesverteidigung abbauen sollten, aber wir waren klug genug, das nicht zu tun, und das zahlt sich jetzt aus."

Von der Leyen: Keine Beweise fĂŒr Waffen aus China fĂŒr Russland

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen Ă€ußerte sich zurĂŒckhaltend zur Frage möglicher Sanktionen gegen China, falls die Volksrepublik Waffen an Russland liefern sollte. „Bisher haben wir keine Beweise dafĂŒr. Aber man muss jeden Tag das beobachten“, sagte sie am Sonntag bei einem Auftritt mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Rande der Kabinettsklausur in Meseberg nördlich von Berlin.

Ein Journalist hatte gefragt, ob man von US-Seite konkrete Beweise dafĂŒr erhalten habe, dass China Waffenlieferungen an Russland erwĂ€ge.

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