Merz will wohl doch nicht mehr so schnell auf Kohle verzichten

Rückkehr zur Atomkraft für den deutschen Bundeskanzler vorerst keine Option.
Merz will wohl doch nicht mehr so schnell auf Kohle verzichten

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellt den Fahrplan für den Kohleausstieg in Deutschland infrage. "Wir werden möglicherweise laufende Kohlekraftwerke länger am Netz lassen müssen", sagte Merz am Freitag beim "FAZ-Kongress 2026". Hingegen sei eine Rückkehr zur Atomkraft für die nahe Zukunft keine Option.

"Ich bin nicht bereit, den Kern unserer Energieversorgung aufs Spiel zu setzen, bloß weil wir da vor Jahren Ausstiegsdaten beschlossen haben", sagte der Kanzler auf der Veranstaltung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es sei wichtig, die Energiepolitik "vom Kopf auf die Füße zu stellen".

Ausbau der erneuerbaren Energie

Merz bekannte sich auch zum weiteren Ausbau erneuerbarer Energien, sie müssten aber durch neue grundlastfähige Gaskraftwerke ergänzt werden. Diese sollten kurzfristig an bestehenden Kraftwerksstandorten errichtet werden und "wir werden sie nicht sofort wasserstofffähig machen".

Langfristig setzt Merz große Hoffnungen in den Bau von Kernfusions-Reaktoren in Deutschland. Außerdem könne er sich vorstellen, dass sich Deutschland an der Forschung für kleine modulare Kernreaktoren beteilige.

Wie wichtig die Energiepolitik in Europa ist, zeigt aktuell nicht zuletzt der Iran-Krieg. Dieser hat die deutschen Verbraucherpreise nach Prognose von Ökonomen so schnell steigen lassen wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen dürften sich im März um durchschnittlich 1,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat verteuern, sagen von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte voraus. Das wäre der größte monatliche Zuwachs seit September 2022, als nach der russischen Invasion in der Ukraine viele Rohstoffe teurer wurden.

"Der starke Anstieg der Öl- und Gaspreise dürfte dafür gesorgt haben", erklärten die Analysten der Landesbank Helaba am Freitag. Im Vergleich zum Vorjahresmonat dürften die Verbraucherpreise um 2,6 Prozent steigen, sagen die Ökonomen voraus. Das wäre die höchste Inflationsrate seit Dezember 2024. 
 

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