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Politik Ausland
02/07/2019

May in Brüssel: Willkommen in der Hölle

Nach dem Höllen-Sager von Ratspräsident Tusk kommt Theresa May in Brüssel an. Was sie dort erwartet.

von Karoline Krause-Sandner

Es ist ein schwerer Gang für die Regierungschefin. Schon wieder. Unzählige unmögliche Missionen hat sie schon durchgemacht. Heute das nächste Kapitel. Am Vormittag trifft Theresa May in Brüssel EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, Ratspräsident Donald Tusk und Vertreter des EU-Parlaments. Das Ziel: ein Ausweg aus der Brexit-Sackgasse. Die Aussichten: schlecht.

Die Stimmung war schon vor Ankunft der Premierministerin getrübt. Durch einen Sager von Tusk bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Einen "speziellen Platz in der Hölle" gebe es für jene, die den Brexit zu verantworten haben.

Jean-Claude Juncker hatte versucht, die Wogen ein wenig zu glätten. Er sei "weniger katholisch" als Donald Tusk, sagte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gestern Abend. Er glaube zwar an den Himmel. Als "Hölle" bezeichnete er aber seinen Job in der Europäischen Union.

Der Puls ist auf 180. Wenig überraschend. Auf beiden Seiten des Ärmelkanals hat man das Brexit-Desaster langsam satt. Es sei wenig überraschend, schreibt Fiachra Ó Cionnaith im "Irish Examiner", dass Politiker, die normalerweise "cool und kalkuliert" auftreten, in Sachen Brexit langsam "biblisch" werden. Nicht nur die europäische Öffentlichkeit, auch die Politiker und Journalisten haben genug von dem Theater.

"Donald Tusk ist ein Opfer des Brexit", meint der "Independent" - kein Wunder also, dass er sich die Verantwortlichen in die Hölle wünscht. Man müsse ihn vielmehr loben. Denn immerhin habe er es geschafft, 27 Staaten mit unterschiedlichen Interessen in Sachen Großbritannien auf einer Linie zu halten. Und er habe immer - richtigerweise - bekräftigt, dass es beim Austritt des Königreiches keine Gewinner und keine Verlierer gibt.

Die Aussage Tusks sei also nur eine logische Antwort auf das Dilemma, in dem Europa steckt. Und das heute in Brüssel aufgelöst werden soll - mit wenig Aussicht auf Erfolg.

"Eine freundliche Aufforderung aus Europa: Weckt uns auf, wenn ihr wisst, was ihr vom Brexit wollt," schreibt im "Guardian". Und spricht dabei Hunderttausenden aus der Seele.

 

Die "Daily Mail", die vor allem während der Brexit-Kampagne als Sprachrohr der Brexit-Befürworter galt, sieht den Untergriff des EU-Ratspräsidenten als Motivation: "Donald Tusks Stichelei über einen speziellen Platz in der Hölle für die Brexiteers war unreif, gehässig und hat nur noch einmal mehr bewiesen: Wir MÜSSEN austreten."
 

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