"Ehre und Privileg": Mamdani als neuer Bürgermeister von New York vereidigt

Zohran Mamdani is sworn in as mayor of New York City at Old City Hall Station, New York
Der Demokrat Zohran Mamdani legte in einer stillgelegten U-Bahn-Station seinen Amtseid ab.

Zusammenfassung

  • Zohran Mamdani, linksgerichteter Demokrat und erster muslimischer Bürgermeister New Yorks, wurde in einer stillgelegten U-Bahn-Station vereidigt.
  • Mamdani gewann mit dem Versprechen bezahlbaren Wohnraum, kostenlose Kinderbetreuung und Busse sowie höhere Steuern für Wohlhabende und Unternehmen.
  • Das Verhältnis zwischen Mamdani und Präsident Trump bleibt angespannt, trotz jüngster versöhnlicher Töne nach einem Treffen im Weißen Haus.

In New York ist der Trump-Widersacher Zohran Mamdani als neuer Bürgermeister vereidigt worden. Der linksgerichtete Demokrat und gläubige Muslim legte am frühen Donnerstagmorgen in einer stillgelegten U-Bahn-Station unter dem Rathaus seinen Amtseid ab. Der 34-Jährige wollte damit nach Angaben seines Büros seine Verbundenheit mit der arbeitenden Bevölkerung demonstrieren.

Den Amtseid nahm Generalstaatsanwältin Letitia James ab. Mamdani legte dabei die Hand auf einen Koran. Er ist der erste muslimische Bürgermeister der größten Stadt der USA.

"Das ist wahrlich eine Ehre und ein Privileg, wie es sie nur einmal im Leben gibt", sagte Mamdani in einer kurzen Ansprache. Die U-Bahn-Haltestelle wurde 1945 stillgelegt und ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich. In seinen ersten Worten als Bürgermeister kündigte Mamdani zugleich die Ernennung eines neuen Verkehrsbeauftragten an.

Große Zeremonie am Nachmittag

Das New Yorker Gesetz schreibt vor, dass die vierjährige Amtszeit eines Bürgermeisters nach dessen Wahl am 1. Jänner beginnt. Um jede Unklarheit zu vermeiden, wer die Stadt leitet, ist es zur Tradition geworden, eine Vereidigung im kleinen Rahmen kurz nach Mitternacht ⁠abzuhalten.

Für den Nachmittag (Ortszeit) ist eine zweite, öffentliche Vereidigung auf den Stufen des New Yorker Rathauses geplant. Den Amtseid soll US-Senator Bernie Sanders abnehmen, ein politisches Vorbild Mamdanis. Zu den Rednern gehört auch die linke Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez. Anschließend ist ein öffentliches Straßenfest mit Zehntausenden Teilnehmenden rund um das Rathaus und entlang des berühmten Broadways vorgesehen.

Jüngster Bürgermeister der Metropole seit Generationen

Der 34-jährige Mamdani beginnt damit seine vierjährige Amtszeit als jüngster Bürgermeister der Stadt seit Generationen. Geboren 1991 in Uganda als Sohn indischstämmiger Eltern, zog er im Alter von sieben Jahren mit seiner Familie nach New York, US-Staatsbürger wurde er erst 2018. Politisch engagierte er sich zunächst als Aktivist, bevor er 2021 für einen Wahlkreis im New Yorker Stadtteil Queens ins Parlament des US-Staats New York einzog. Dort profilierte er sich als Vertreter des linken Parteiflügels der Demokraten.

Zentrales Thema seines überraschend deutlichen Wahlsiegs Anfang November war die Bezahlbarkeit des Lebens in einer der teuersten Städte der Welt. Mamdani versprach unter anderem kostenlose Kinderbetreuung, kostenlose Busse und einen Mietstopp für rund eine Million Haushalte - finanziert durch höhere Steuern für Wohlhabende und Unternehmen. Kritiker warnen vor möglichen wirtschaftlichen Folgen, Befürworter sehen in Mamdanis Kurs eine Antwort auf wachsende soziale Ungleichheit.

Konfliktpotenzial mit Washington

New York City ist in den Vereinigten Staaten und weltweit ein kulturelles sowie finanzwirtschaftliches Zentrum. In den USA hat die Metropole mit mehr als acht Millionen Einwohnern auch politisch eine größere Bedeutung als andere Städte.

Immer wieder dürfte sich daher der Blick auch auf das Verhältnis zum republikanischen US-Präsidenten Donald Trump richten. Trump hatte Mamdani im Wahlkampf mehrfach scharf attackiert und New York mit dem Entzug von Bundesmitteln gedroht - eine ernste Drohung für eine der größten kommunalen Verwaltungen und Arbeitgeber der USA mit Hunderttausenden Beschäftigten und einem Milliardenbudget. Mamdani wiederum hatte den Präsidenten wiederholt als Faschisten und Gefahr für die Demokratie bezeichnet.

Nach einem Treffen im Weißen Haus klangen zuletzt versöhnlichere Töne an. Mamdani sagte, Zusammenarbeit sei möglich, politische Differenzen wolle er zum Wohl der New Yorker beiseitelegen. Trump sprach von einem produktiven Treffen und lobte Mamdanis Pläne für die Stadt. Spannungen gelten insbesondere in der Migrationspolitik jedoch weiterhin als wahrscheinlich.

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